04.12.2019

Tourismusbewusstsein

Foto: TVB Paznaun - Ischgl

Hubert Siller, Günther Platter, Mario Gerber und Florian Phleps // Foto: Tirol Werbung/Emanuel Kaser

Laut einer MCI-Studie ist die Einstellung der Tiroler Bevölkerung zum Tourismus ist positiv.

Die Tirolerinnen und Tiroler erachten den Tourismus als wichtig. Das zeigt eine repräsentative Studie des MCI Tourismus, wonach 98 Prozent der Befragten die wirtschaftliche Bedeutung und den Stellenwert des Tourismus als hoch einschätzen. „Der Tourismus trägt wesentlich zum Wohlstand und zur Lebensqualität in unserem Land bei. Vor allem in wirtschaftlich schwierigen Zeiten hat sich der Tourismus als Fels in der Brandung erwiesen. Insofern ist es erfreulich, dass die Einstellung der Tiroler Bevölkerung zur Branche eine gute ist. Sie ist sogar besser als oftmals dargestellt“, resümiert Tirols Landeshauptmann und Tourismusreferent Günther Platter.

Touristische Entwicklung mit Blick auf den Lebensraum

Für Platter sind die Studienergebnisse eine Bestätigung des bisherigen tourismuspolitischen Kurses: „In Tirol geht es uns schon lange nicht mehr um neue Nächtigungsrekorde, sondern vor allem um eine Steigerung der Wertschöpfung. Wir setzen daher auf keinen weiteren Ausbau der Quantität, sondern der Qualität. Dass die Gesamtbettenanzahl in Tirol rückläufig und die Auslastung gleichzeitig gestiegen ist, zeigt, dass die Entwicklung in die richtige Richtung geht“. Gleichzeitig müsse der Lebensraum der Tirolerinnen und Tiroler dabei eine zentrale Rolle spielen. Die Studie zeigt auch, dass eine nachhaltige Weiterentwicklung den Einheimischen ein besonderes Anliegen ist. 73 Prozent sind der Meinung, dass der durch die Gäste verursachte Verkehr die Lebensqualität beeinflusst. „Die Bevölkerung sieht sich mit einer zunehmenden Verkehrsbelastung konfrontiert, die natürlich auch mit dem Tourismus und dem steigenden Individual- und Gästeverkehr zu tun hat. Gerade in diesem Bereich braucht es deshalb noch mehr Angebote, die zu einer Entlastung beitragen“, so Platter.

Nicht nur das Thema Mobilität, sondern auch der verantwortungsvolle Umgang mit Umwelt und Natur werden bei der Weiterentwicklung der Tourismusstrategie des Landes im besonderen Maße Berücksichtigung finden. „Illegalen Natureingriffen gilt es den Kampf anzusagen, auch Fehlentwicklungen gehören aufgezeigt, da nicht nur die Bevölkerung, sondern die gesamte Branche darunter leidet“, erklärt Platter. „Damit die Tourismusgesinnung im Land auch weiterhin positiv bleibt, ist das Miteinander von Einheimischen und Gästen wesentlich. Dafür braucht es neben Werbung nach außen, um Gäste ins Land zu holen, auch Werbung nach innen für die Tirolerinnen und Tiroler. Mir ist es ein zentrales Anliegen, dass es leistbare Angebote für die heimische Bevölkerung zur Nutzung der touristischen Infrastruktur gibt. Das soll forciert werden.“

Regionale Unterschiede

Eine wichtige Erkenntnis aus der Studie sind die regionalen Unterschiede: „Einwohner von tourismusintensiven Gemeinden haben eine positivere Einstellung zum Tourismus als jene aus weniger tourismusintensiven Gemeinden“, erläutert Hubert Siller, Leiter des MCI Tourismus. Siller hat die aktuellen Ergebnisse auch mit den Resultaten aus dem Jahr 1997 verglichen. Damals wurde das Tourismusbewusstsein in Tirol zum letzten Mal umfassend erhoben. Siller: „Die Tiroler Bevölkerung hat nach wie vor eine positive Grundeinstellung zum Tourismus, von einer bedingungslosen Befürwortungshaltung kann man aber sicherlich nicht sprechen.“

Für die Tirol Werbung ist die Studie eine Bestätigung für das stärkere Forcieren des eigenen Bundeslandes, zumal die Tirolerinnen und Tiroler so gerne Urlaub im eigenen Land machen wie noch nie. So sind die Übernachtungen von Tiroler Gästen in den vergangenen zehn Jahren um 45 Prozent auf 810.000 gewachsen. „Wir haben in unseren Maßnahmen und Kampagnen der jüngeren Zeit einen verstärkten Fokus auf Tirol gelegt. Diesen wollen wir weiter ausbauen“, sagt Geschäftsführer Florian Phleps. Daher werde die vorliegende Studie auch eine wichtige Basis bei der Ausarbeitung der neuen Auflage der Tiroler Tourismusstrategie bilden. „Es ist für uns nämlich wesentlich, das Meinungsbild der Tiroler Bevölkerung in diesen Prozess einfließen zu lassen“, so Phleps.

Ein wichtiger Aspekt ist für Phleps dabei die Mobilität. Die Tirol Werbung hat bereits 2012 das Projekt „Tirol auf Schiene“ gestartet, um die öffentliche Anreise der Gäste mit der Bahn zu stärken. Auch die Tourismusregionen haben zahlreiche Verbesserungen beim öffentlichen Verkehr umgesetzt. „Dieses Engagement macht sich bezahlt“, bilanziert Phleps. So seien allein die täglichen Halte von Fernverkehrszügen in Tirol von 70 auf mittlerweile 194 gewachsen. „Diese Initiativen treiben wir weiter voran, denn das Angebot kommt nicht nur unseren Gästen und dem Klima zugute. Von der Verbesserung des Öffi-Angebotes profitieren auch die Tirolerinnen und Tiroler.“

Wichtiger Arbeitgeber mit Aufholbedarf beim Image

Neben der großen Bedeutung, die dem Tourismus als Arbeitgeber zugesprochen wird (92 Prozent Zustimmung), sagen zwei Drittel der Befragten, dass die Branche attraktive Arbeitsplätze bietet. In tourismusintensiven Gemeinden liegt dieser Anteil sogar bei 87 Prozent. Auf der anderen Seite halten lediglich 35 Prozent der Befragten das Image des Tourismus als Arbeitgeber für positiv. „Hier wirken aus meiner Sicht noch Versäumnisse aus der Vergangenheit nach. Denn die meisten Unternehmen haben längst verstanden, wie wichtig ein wertschätzendes Umfeld für die Beschäftigten ist und investieren in entsprechende Initiativen von modernen Mitarbeiterhäusern über Weiterbildungsmöglichkeiten bis zum Freizeitprogramm“, hält Mario Gerber fest. Der Fachgruppenobmann der Hotellerie in der Wirtschaftskammer Tirol ist überzeugt, dass sich dieses Engagement langfristig auch im Meinungsbild der Bevölkerung niederschlägt und das Image wieder steigt.

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