07.02.2020

Genau betrachtet

Foto: AdobeStock

Die Folien, das Klima und der Hausverstand.

Es gibt Situationen, in denen der Hausverstand den Blick auf eine gesamtheitliche Betrachtung unter Miteinbeziehung wissenschaftlicher Tatsachen und kritischer Selbstbefragung verstellt. Manches, was auf den ersten Blick logisch, ja fast sonnenklar ist, wird erst bei näherem Hinsehen diffus. So erging es uns mit der Verpackung unseres Magazins.

Klar ist, dass die Plastikfolie, in der Ihre eco.nova eingeschweißt postalisch daherkommt, nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann, was die ökologischen Aspekte betrifft. Kein Zweifel. Oder etwa doch? Jein.
Bereits seit Jahren und damit eine geraume Zeit länger, als das Umweltthema quasi zum Trend wurde, sehen wir uns nach Alternativen zur Kunststoffverpackung um und sind dabei unter anderem auf biobasierte Folien aus Kartoffel- oder Maisstärke gestoßen. Trotz aller Stärke gibt es auch Schwächen. Auf den ersten Blick ist die Klimabilanz von Biokunststoffen zwar günstiger, doch insgesamt sind sie wenig umweltfreundlich. Und irgendwie ist es zynisch, aus Grundnahrungsmitteln, die für den ärmsten Teil der Weltbevölkerung immer unerschwinglicher zu werden drohen, Verpackungsmaterialien zu machen. Außerdem sind diese Biosackerl nicht so einfach zu Hause kompostierbar. Die Voraussetzung für den richtigen Zerfall finden sich eigentlich nur in Kompostierungsanlagen. Auch Papierkuverts sind nicht so umweltfreundlich, wie man glauben möchte, und im Versand gänzlich auf eine Hülle zu verzichten, ist aus verschiedenen Gründen leider keine Option. Deshalb sind wir wieder auf den Kunststoff gekommen – und zwar auf die seit einiger Zeit verwendete Folie aus Polyethylen, die ohne giftige Druckfarben hergestellt wird, sich auf Mülldeponien grundwasserneutral verhält und in Müllverbrennungsanlagen schadlos energetisch verwertet werden kann. Die Folie ist voll recyclingfähig und deshalb umweltfreundlich. Case closed. Zumindest so lange, bis es eine tatsächlich bessere Alternative gibt.

Warum wir Ihnen das erzählen? Weil uns in letzter Zeit in schöner Regelmäßigkeit Anrufe, Mails und sogar handgeschriebene Briefe erreichen, von Menschen, die das Magazin nicht mehr zugesendet bekommen möchten, solange es in Folie eingepackt ist. Auch daran zeigt sich, dass gesellschaftlich etwas in Bewegung geraten ist. Verstärktes Nachdenken über das Klima, unsere Lebensgewohnheiten und unseren ökologischen Fußabdruck schadet gewiss nicht, profitiert aber von Differenziertheit.

Klimarettung en woke (sic!)

Die schwedische Schülerin Greta Thunberg ist zur Ikone einer ganzen Generation von Menschen geworden, deren Bewusstsein für das Klima erwacht ist. Man möchte meinen, dass sich diese – in Anlehnung an die Woke Culture – „Wokeness“ auch jenseits abstrakter Klima-Weltrettungs-Forderungen manifestiert. Im persönlichen Einflussbereich, der eigenen Beziehung zur Umwelt und dem eigenen Ressourcenverbrauch, sprich Konsum, den jedes Individuum selbst gestalten kann. Aber der Konsumverzicht wird eher delegiert. Man zeigt gerne mit dem Finger auf andere, die auf dieses und jenes verzichten sollen, damit es der Umwelt besser geht. Nun fehlen nur noch Menschen, die auf der ganzen Welt herumjetten und anderen Menschen erzählen, dass sie weniger fliegen sollten. Oh wait! Solche gibt es ja schon. Etwa in Gestalt der Herzogin und des Herzogs von Sussex, der nunmehrigen Ex-Royals Meghan und Harry. Man kann das je nach Geschmack heuchlerisch oder herablassend nennen. Mit allerlei Umweltschutz-Belehrungen im Gepäck kann man sich im Privatjet herumfliegend relativ schnell vom Globetrotter zum Globetrottel machen.  

Leugner und Apokalyptiker

Es ist schwierig, sachlich über den Klimawandel zu diskutieren. Kühlen Kopf zu bewahren, während sich die Erde ungebremst aufheizt, die Menschheit an der Schwelle zur Klimakatastrophe steht, unser Haus noch immer brennt und unsere Untätigkeit die Flammen stündlich anheizt. Der vorangegangene Satz ist übrigens ein Beispiel dafür, wie sich nicht nur das Klima, sondern auch das zur Beschreibung desselbigen herangezogene Vokabular gewandelt hat.

Seit geraumer Zeit hat die Erderwärmung Konkurrenz von ihrer heißeren Schwester, der Erderhitzung, bekommen, der nüchterne Klimawandel von seinen hässlichen Geschwistern, der Klimakrise, ja gar Klimakatastrophe. Wem das noch nicht reicht, kann gerne auch noch die Klima-Apokalypse, das Nonplusultra im Klimajargon, bemühen. Sprache schafft zwar nicht Realität, beeinflusst aber sehr wohl unsere Wahrnehmung derselben.

Wer daran glaubt, dass uns binnen kürzester Zeit die Klima-Apokalypse droht, glaubt vermutlich auch ans Trio Christkind, Weihnachtsmann und Osterhase. Und nein, wir gehören nicht ins Lager der sogenannten Klimawandelleugner –  der Begriff dient ohnehin nur der gesellschaftlichen Charaktervernichtung –, aber eben auch nicht ins Lager der Apokalyptischen Reiter der dräuenden Klimakatastrophe, deren baldiges Kommen im Übrigen von nicht wenigen erfolgreich bewirtschaftet wird. Der Klimawandel hat nach der im Westen vorherrschenden Lesart beinahe eschatologische Züge angenommen und die Auseinandersetzung mit ihm trägt Merkmale einer Säkularreligion. Differenzierte Debatte – Fehlanzeige. Kommt uns das nicht irgendwie aus den Sphären des Religiösen bekannt vor? Ein bisschen Agnostizismus schadet hüben wie drüben nicht, beim Klima ebenso wenig wie bei der Religion. Und etwas Gelassenheit.

Im Kalten Krieg war es schon einmal sehr viel wahrscheinlicher, dass die Welt tatsächlich nimmer lang steht, als beim Klimawandel. Wir leben zweifellos im Anthropozän, es wäre mit Blick auf die Entwicklung seit der Industriellen Revolution höchst unvernünftig, den menschgemachten, anthropogenen Anteil an der globalen Erwärmung zu bestreiten. Diskussionen über den Grad des vom Menschen verursachten Klimawandels und den Einfluss weiterer Faktoren müssen aber erlaubt sein. Klimaprognosen sind komplex und kompliziert, wie das Schlagzeugspiel des unlängst viel zu früh verstorbenen Rush-Drummers Neal Peart. Sie sind aber nicht annähernd so präzise. Wer in Klimafragen mit absoluten Gewissheiten dealt, dem sollte man grundsätzlich misstrauen.

In Sachen Weltklima haben die Medien fast auf ganzer Linie versagt. Vieles in der Berichterstattung ist mit einem gewissen ökologischen Drall versehen, manches apodiktisch, wieder anderes gar in Relotius-Manier herbeifantasiert. Aber es liest sich halt so schön, wenn wieder eine Südseeinsel samt Mann und Maus dem durch die Klimakrise steigenden Meeresspiegel zum Opfer fällt. Und es passt so schön zur apokalyptischen Erzählung. Klimaflagellantentum, wie es etwa von der sogenannten Extinction Rebellion vorexerziert wird, ist ein neueres Phänomen, das bisweilen mit originellem Aktionismus auffällig wird – etwa in der Form von Die-ins oder Kunstperformances wie „Ice on the Rope.“

The ecology, stupid

Politisch kann man mittlerweile fast schon von einer grünen Welle sprechen, die über den Kontinent hinwegtost. In Deutschland wird ein grüner Kanzler bzw. eine grüne Kanzlerin mittlerweile in nicht allzu ferner Zukunft von politischen Beobachtern als unumgänglich gesehen. Ob die neue Umweltbewegtheit bei der nächsten Wirtschaftskrise oder Migrationsbewegung wieder in den Hintergrund rückt, bleibt abzuwarten. Jedenfalls darf vor allem die deutsche Medienszene als durchaus grün- bzw. ökoaffin gelten. Wer heute im politischen Spektrum nicht zumindest den Anschein der Ökologiebewegtheit macht, hat es nicht mehr so leicht. Grün ist die neue Lieblingsfarbe. Während unser Nachbarland energetisch ergrünt ist und dabei, je nach Sichtweise als Kollateralschaden bzw. -nutzen mit der Atomindustrie und der Autoindustrie gleich zwei Schlüsselindustrien, vor allem Letztere ein Job- und Konjunkturmotor ohnegleichen, abmontiert, scheint man es in Österreich noch etwas gelassener anzugehen. Türkis-Grün ist da, aber eben doch gefühlt viel mehr Türkis als Grün. Daher scheint selbst ein Abrücken vom sogenannten „Dieselprivileg“, der niedrigeren Mineralölbesteuerung von Diesel, keine abgemachte Sache. Währenddessen steigen die Deutschen auch noch aus der Kohleverstromung aus und setzen auf Sonne und Wind. Die europäischen Stromverbraucher dürfen dabei hoffen, dass in den deutschen Landen die Zahl der Dunkelflauten überschaubar bleibt. Frankreich konnte seinen Atomstrom noch nie so gewinnbringend ins nachhaltige Nachbarland exportieren. Aus ökonomischer Sicht darf man die Frage stellen, ob auf dem Weg der Ergrünung nicht auch eine Umverteilung stattfindet. Und zwar von unten nach oben. Von den Ärmeren zu den Wohlhabenderen. Strom darf nicht zum Luxusgut werden. „Cui bono?“ ist jedenfalls eine legitime Frage, die man auch im Zusammenhang mit der Energiewende stellen darf.

Nachhaltigkeit for Future

Nachhaltigkeit ist heute alles und jeder. Ein Modewort, beliebig dehnbar und wie’s scheint universell anwendbar. Und dadurch so nichtssagend, dass man vom N-Wort eigentlich nur noch nachhaltig genervt sein kann. Überhaupt ist der Weg von der Grünwäsche zur Gehirnwäsche kürzer als man annehmen möchte. Erst unlängst wieder zu besichtigen im Schweizer Davos, im Rahmen des Weltwirtschaftsforums.

Die dort versammelten Wirtschaftskapitäne und Politiker sind im Grunde genommen auf der verzweifelten Suche nach moralischer Legitimität. Erstere sind offenbar nicht länger überzeugt davon, dass es sinnstiftend genug ist, Güter zu erzeugen und damit Profite zu erzielen. Deshalb sind sie auf der Suche nach einem tieferen Sinn, den ihr unternehmerisches Handeln annehmen könnte. Der Kampf gegen Klimawandel, -krise, -katastrophe, wie auch immer, könnte ein solcher sein. Nun sind es nicht länger Popikonen wie Bono oder Herbert Grönemeyer, die der versammelten Elite die Leviten lesen, sondern (Umwelt-)Aktivisten wie TIME’s Person of the Year Greta Thunberg.

Historisch betrachtet haben soziale Bewegungen sich fast immer gegen die Obrigkeit gerichtet, von den Herrschenden etwas gefordert, sie herausgefordert und nicht selten auch in Gestalt von Revolutionen vor die Tür befördert. Die neuen Öko-Bewegungen unterscheiden sich von den früheren sozialen Bewegungen darin, dass sie dem Staat – und damit indirekt den Machthabern – noch mehr Gewicht, mehr Gestaltungsmacht übertragen wollen. Und gewillt sind, das auf Kosten individueller Freiheiten zu tun. Das ist eine Entwicklung, die dem Grunde nach – auch wenn sie sich das Mäntelchen des Fortschritts umgehängt hat – regressiv ist und die eine liberale Gesellschaft wachsam beobachten sollte. Die selbsternannten Vertreter der 99 Prozent treten in Gestalt der Klimaaktivisten an die Eliten, an das eine Prozent heran, dafür zu sorgen, dass wir unseren Lebensstil und unsere Konsumgewohnheiten ändern. Weniger fliegen, weniger Fleisch, weniger Individualverkehr, mehr erneuerbare Energie. Kann man machen. Falls nötig per Gesetz.

Den Klimanotstand hat das EU-Parlament übrigens schon im November 2019 ausgerufen. Kufstein bereits im Juli 2019 und Innsbruck als erste Landeshauptstadt Österreichs ebenfalls. Auf kommunaler Ebene zweifellos Symbolpolitik, weil Klimaschutzmaßnahmen im gleichen Ausmaß auch ohne Klimanotstand gesetzt werden können. Auf europäischer Ebene sollte man die Auswirkungen dieses „Notstandes“ auf die Demokratiequalität jedenfalls mit Argusaugen beobachten, denn der semantische – und wohl auch politische – Weg vom Notstand hin zum Notstandsgesetz ist gar nicht so weit. Es ginge aber auch anders. Auf einem positiven Menschenbild fußend könnte man auf den Einfallsreichtum der Menschheit vertrauen, sich den zukünftigen Herausforderungen zu stellen und innovative Lösungen zu entwickeln. Dafür braucht es allerdings mehr Freiheit und nicht weniger, geistiger wie regulatorischer Natur. Wem gerade kein positives Menschenbild zur Verfügung steht, kann es freilich auch mit Kafka halten, sich ins vermutet Unvermeidliche fügen und lakonisch sagen: „Es gibt unendlich viel Hoffnung, nur nicht für uns.“ 

Neugründungen

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Insolvenzen

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