Fremwährungskredite ade
Publikation: Finanzmagazin | Ausgabe: SPEZIAL Dezember 2008 | Datum: 10.12.08
Es ist an der Zeit, private Häuselbauer mit der harten Realität zu konfrontieren. Die meisten, die heute noch über keine Fremdwährungsfinanzierung verfügen, werden aller Voraussicht nach in den kommenden Jahrzehnten keine mehr erhalten. Dafür kommen lukrative Finanzierungsmodelle in Euro.
Die ruhigen Zeiten der Fremdwährungsfinanzierungen sind vorbei. Seit August dieses Jahres tendieren die beiden Niedrigzinswährungen Yen und CHF gemeinsam mit dem US-Dollar gegenüber dem Euro fester. Die Ursachen liegen in der verstärkten Rückführung von Auslandsveranlagungen und der Auflösung von Carry-Trades. Letztere sind Zinsdifferenzgeschäfte, bei denen Kredite in Yen, CHF oder US-Dollar aufgenommen wurden, um die Gelder in Anleihen oder Geldmarktveranlagungen höher verzinster Währungen zu investieren. Während Veranlagungen in Euro dabei als die konservative Variante galten, lukrierten spekulationsfreudigere Marktteilnehmer in Währungen wie Isländischer Krone, Türkischer Lira, Brasilianischer Real und Südafrikanischer Rand oft bis zu zweistellige Margen. Doch insbesondere ab September ging der Schuss nach hinten los. Mit der abnehmenden Risikofreude infolge von Hiobsbotschaften der Superlative kam es zu einem verstärkten Rücktausch der Hochzinswährungen in die nieder verzinsten Kreditwährungen, um so rasch wie möglich die Kredite zu tilgen. Häufig waren zum Zeitpunkt der Konvertierung die Eigenkapitaleinschüsse bereits aufgebraucht.
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Verhalten bei Verschuldung in fremder Währung
Die konkrete weitere Vorgangsweise gleicht einem Balanceakt zwischen Verlustbegrenzung und Generierung von Zinsvorteilen. Zwar kann eine Umschichtung in Euro die Wechselkursverluste begrenzen. Dem gegenüber stehen allerdings wesentlich höhere Zinskosten von alleine derzeit 2,55 Prozentpunkte p. a. gegenüber einer Finanzierung in CHF. Eine Kompromisslösung wäre die Umstellung von mit Kursschwankungsrisiken behafteten endfälligen FW-Krediten auf Ratenkredite. Durch die regelmäßige Tilgung sinkt nämlich das Volumen der verbleibenden Wechselkursrisiken mit fortschreitender Laufzeit.
Fundamentale Argumente sprechen auf jeden Fall für ein besonnenes Handeln bei Krediten in CHF und gegen eine panikartige Konvertierung: Ein allzu starker CHF-Wechselkurs schadet nämlich der Exportwirtschaft und ist auch finanzwirtschaftlich betrachtet nicht gerechtfertigt, denn die Bankenkrise wütet besonders stark in der Schweiz. Alleine die Rettung der UBS könnte laut einer Studie des Finanzdepartements 100 Mrd. CHF verschlingen. Bedenkt man, dass die kurzfristigen Verbindlichkeiten der Schweizer Banken bei 260 % des BIP liegen, dann sind in den kommenden 12 Monaten mit deren Auslaufen und einer anhaltend angespannten Lage an den internationalen Geldmärkten Liquiditätsengpässe vorprogrammiert. Somit wird deren Refinanzierung immer mehr zur Überlebensfrage für Großbanken. Weitere staatliche Interventionen werden zunehmend wahrscheinlicher und auch die radikale Zinssenkung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) um 100 Basispunkte am 20. November deutet auf eine präventive Maßnahme hin.
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Autor: Michael Kordovsky













