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Historie und Hintergründe der aktuellen Finanzkrise

Publikation: Finanzmagazin |  Ausgabe: SPEZIAL Dezember 2008 | Datum: 10.12.08

Die gegenwärtige Krise kam nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel, sondern wurde durch mehrere Meilensteine bereits angekündigt. Dieser Beitrag zeigt die Hintergründe und den historischen Ablauf der Krise.

Die Grundsteine für die Krise wurden bereits vor dem jüngsten Aufschwung gelegt. Eine vorübergehende Nullzinspolitik in den USA, Steuersenkungen für die Reichen und eine massive Ausweitung der Geldmenge lösten einen Konsumboom aus, der durch die entstandene Asset-Bubble
noch zusätzlich verstärkt wurde. Je länger dieser Boom anhielt, desto lascher wurden die Kreditvergaberichtlinien der Banken. Das galt vorwiegend für die Subprime-Hypothekenkredite, deren Volumen im Jahr 2006 bei ca. 1.200 Milliarden US-Dollar lag. Diese Kredite an finanzschwache Schuldner mit schlechter Bonität, die in Österreich nicht die geringste Chance auf jegliche Art von Finanzierung hätten, implizierten den nachhaltig steigenden Substanzwert der als Sicherheiten dienenden Eigenheime. So stiegen nämlich die Eigenheimpreise in den USA, gemessen am S&P-Case/Shiller-Home-Price-Index für 20 bedeutende Ballungszentren, von Jänner 2000 bis Jänner 2006 um 12,5 Prozent p. a. Diese Entwicklung führte bereits ab 2005 im Subprime-Bereich zu einer Auflockerung der Kreditvergaberichtlinien: 25 Prozent dieser Kredite sahen im Jahr 2006 in den ersten Jahren keinerlei Tilgung, sondern nur Zinszahlungen vor. Dies war im Jahr 2000 noch undenkbar. Die Hälfte der Kreditzusagen im Jahr 2006 (2000 weniger als ein Viertel) erfolgte auf Basis persönlicher Angaben zum Einkommen, deren Wahrheitsgehalt ungeprüft blieb. Geld war in reichem Überfluss vorhanden und die Leitzinsen wurden von 6,50 Prozent im Jahr 2001 bis zum 25.06.2003 auf 1,00 Prozent gesenkt. Das war der niedrigste Stand seit 1958, auf dem sie bis 30.06.2004 verharrten, ehe bis 29.06.2006 wieder ein Anstieg auf 5,25 Prozent erfolgte.

Schuldenwahn und Spekulationssucht

Über Jahrzehnte wurde ein volkswirtschaftlicher Liquiditäts­überschuss aufgebaut, der durch die Niedrigzinspolitik der Jahre 2001 bis 2004 weiter erhöht wurde. Zwischen März 1959 und September 2005 wuchs die US-Geldmenge M3 auf das 34-Fache bzw. 7,9 Prozent p. a. Im gleichen Zeitraum stieg das nominale BIP auf das 25-Fache bzw. 7,2 Prozent p. a. Seit März 2006 wird in den USA die Geldmenge M3 nicht mehr veröffentlicht. Doch es gibt mehrere Volkswirte, die diese Statistik noch weiterführen, darunter John Williams, Betreiber der Shadow Government Statistics (www.shadowstats.com). Sein Ergebnis: Kurz nach Einstellung der Veröffentlichung der Geldmenge M3 beschleunigte sich deren Wachstum und erreichte Anfang 2008 sogar Spitzenwerte von ca. 17 Prozent.

Im Euro-Raum lag das Geldmengenwachstum der Jahre 2004, 2005 und 2006 bei jeweils 6,6, 7,3 bzw. 9,9 Prozent. Im laufenden Jahr liegen die Zuwachsraten der einzelnen Monate bis Juli auf Jahresbasis zwischen 10,1 und 11,7 Prozent (Juli). Indessen lag das nominale Wirtschaftswachstum der Eurozone bei jeweils 4,1, 3,6 bzw. 4,9 Prozent. Somit lag der Geldmengenüberschuss in diesem Zeitraum bei 12,6 Prozent.

Diese Rahmenbedingungen sind auch der Nährboden einer überzogenen Aktienhausse, Immobilien- und Kreditblase, deren Folgen sich jetzt in erhöhten Ausfallsraten und einem enor­men Umschuldungsbedarf zeigen. Ohne Rücksicht auf Verluste wurden Subprime-Kredite von „Keilern“ an finanzschwache Kreditnehmer vermittelt. Diese wurden daraufhin schön in Pakete verpackt und auf Umwegen an den Kapitalmarkt weiterverkauft. Allein in den Jahren 2006 und 2007 kamen mit Subprime-Hypotheken besicherte ABS über knapp 900 Milliarden Dollar auf den Markt. Insgesamt machen Subprime-Kredite im September 2007 rund 1,5 Billionen Dollar aus.

Rahmenbedingungen für die aktuelle Krise wurden durch das Wettrüsten während des Kalten Krieges geschaffen. In den 70er- und 80er-Jahren wurde es modern, Firmenaufkäufe auf Kredit zu tätigen und die Schulden dann aus dem Cashflow der übernommenen Firmen zurückzuzahlen. Leverage hieß das Schlagwort und bei den Konsumenten wurde das Luxusleben auf Pump salonfähig. So stieg von 1957 bis 2006 in den USA die Gesamtverschuldung der Volkswirtschaft von 4,6 auf 48,4 Billionen US-Dollar bzw. von ca. 140 auf rund 350 Prozent des BIP. 72 Prozent der Schulden (35 Billionen US-Dollar) wurden dabei seit Anfang 1990 gemacht und bis 2008 stieg die Gesamtverschuldung des US-Wirtschaft auf 53 Billionen US-Dollar bzw. 384 Prozent des BIP. Gegenwärtig betragen alleine die Hypothekenkredite 14,8 Billionen US-Dollar, während sich die Konsumentenkredite auf 20,4 Billionen US-Dollar belaufen. Im Vergleich dazu liegt das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Jahres 2007 bei 13,8 Billionen US-Dollar. Somit machen die aktuellen Hypothekenkredite bereits 107,2 Prozent des BIP des Jahres 2007 und ca. 104 Prozent des für 2008 geschätzten BIPs aus. Noch heftiger ist das Ausmaß der Konsumentenkredite mit ca. 142 % des für 2008 geschätzten BIPs. Somit ist es nicht weiter verwunderlich, dass von der Hochzinsphase im vierten Quartal 1981 bis zum zweiten Quartal 2007 (tendenzielle „Niedrigzinsphase“) bei den amerikanischen Verbrauchern der Anteil des Schuldendienstes von 13,46 auf 18,00 Prozent des verfügbaren Einkommens anstieg.

Den ausführlichen Artikel finden Sie in der Printausgabe.

Autor: Michael Kordovsky

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