Wir sind Opfer – nicht Täter
Publikation: Finanzmagazin | Ausgabe: SPEZIAL Dezember 2008 | Datum: 10.12.08

Der aktuellen Finanzkrise können sich auch die heimischen Banken und Kreditinstitute nicht entziehen. Geht es nach Gerhard Schwaiger, dem Obmann der Sparte Banken und Versicherungen in der Wirtschaftskammer Tirol, so sind die heimischen Institute jedoch nicht Täter, sondern Opfer dieser Krise. Nicht zuletzt aufgrund ihrer konservativen Geschäfts- und Veranlagungspolitik ist keine Bank in ihrer Existenz bedroht.
Die internationale Finanzkrise geht auch an den heimischen Banken und Kreditinstituten nicht spurlos vorüber. Schließlich gebe es kaum eine größere Bank, die nicht in irgendeiner Weise am internationalen Kapitalmarkt investiert ist beziehungsweise sich über diesen refinanziert. Nichtsdestotrotz werden mit den Tiroler Regionalbanken die Falschen geprügelt, so Gerhard Schwaiger, Obmann der Sparte Banken und Versicherungen in der Wirtschaftskammer Tirol. Gemeinsam mit den Versicherungen seien die heimischen Banken vielmehr „stabilisierende Faktoren in dieser Krise. Sie refinanzieren sich zum überwiegenden Teil durch die Spareinlagen ihrer Kunden und investieren diese wieder in regionale Kredite“, so Schwaiger.
Vertrauen in ihre Banken
Nicht zuletzt aufgrund der sehr hohen Bankendichte – in Tirol kommt auf je 1.635 Einwohner eine Bankfiliale – agieren die heimischen Institute sehr nahe am Kunden. Dies wirkt sich unter anderem auch positiv auf die Zufriedenheit und das Vertrauen in die eigene Hausbank aus. So gaben in einer aktuellen Umfrage* neun von zehn Befragten an, sie wären mit ihrer Hauptbank sehr zufrieden oder zufrieden. Ähnlich hoch ist auch das Vertrauen in die eigene Bank, wo immerhin acht von zehn Befragten angaben, ihr Vertrauen in die eigene Bank wäre sehr hoch oder hoch. Ebenfalls erfreulich: Im Österreich-Vergleich schnitten die Tiroler Institute mit einem Notendurchschnitt von 1,88 bei ihren Kunden durchwegs besser ab als der Bankensektor im Allgemeinen (mit 2,4), so Schwaiger. Über einen besonderen Zuspruch erfreuen sich derzeit auch die Tiroler Spar- und Raiffeisenkassen. Nicht zuletzt aufgrund der attraktiven Verzinsung und der staatlichen Garantie verzeichnen diese einen deutlichen Zuwachs an Spareinlagen, vor allem ältere Menschen würden aber auch verstärkt Gold nachfragen, weiß etwa Manfred Muglar von der RLB Tirol/Innsbruck Mitte.
Unsicherheitsfaktor Fremdwährungsdarlehen
Für Aufsehen und Verunsicherung sorgte in den letzten Wochen vor allem die Diskussion um die in Tirol sehr beliebten Fremdwährungsdarlehen. Insbesondere die Aufwertung des Schweizer Frankens und die erhöhten Refinanzierungskosten der Banken sorgten teilweise zu panikartigen Reaktionen seitens der Banken und vermeintlichen Kundenvertreter (Arbeiterkammer), die den Kunden neben der Überprüfung ihrer Kreditverpflichtung zu Konvertierungen in den Euro und Auflösung ihrer Tilgungsträger rieten. „Diese Empfehlungen zu einer absoluten Unzeit entbehren teilweise jeder Grundlage und sind absolut kontraproduktiv“, ärgert sich Dr. Michael Posselt, Fachgruppenobmann-Stellvertreter der gewerblichen Vermögensberater und Finanzdienstleister in der Wirtschaftskammer. Dies würde heißen, dass sie zu einem aufgrund der Aufwertung für sie ungünstigen Kurs aus dem Franken aussteigen, ihren Tilgungsträger – da zumeist fondsgebunden, beziehungsweise aktienlastig investiert – mit hohen Verlusten verkaufen und dafür in Zukunft höhere Euro-Zinsen bezahlen müssen, so Posselt. Aber auch Bankenobmann Schwaiger prangert die Vorgangsweise der Arbeiterkammer und Konsumentenschützer, die die Banken an den Pranger gestellt und Kreditnehmer hysterisiert hätten, an. Dauernd sei von Zwangskonvertierungen und Hochschrauben der Konditionen geredet worden, dabei entbehre dies jeder Realität, so Schwaiger. Nichts desto trotz will er keine grundsätzliche Entwarnung für die Fremdwährungskreditnehmer geben. „Wer ein endfälliges Darlehen in einer Fremdwährung aufgenommen hat, sieht sich drei Risiken gegenüber: Einerseits das Währungsrisiko, dann das Zinsrisiko und nicht zuletzt die Entwicklung des Tilgungsträgers.“ Doch sowohl was die Währungsseite betrifft, die sich wieder einigermaßen beruhigt hat, als auch auf der Zinsseite – die in nächster Zeit eher sinken denn steigen werden – spricht der Volks-Banker eine Entwarnung aus. Und auch auf die Tilgungsträger angesprochen sieht Schwaiger keinen Grund für Panik. Auch hier gebe es die Möglichkeit, vernünftige Maßnahmen zu setzen.
Eine Neuvergabe von Fremdwährungskrediten insbesondere für private Eigenheimfinanzierer werde es auf Empfehlung der Finanzmarktaufsicht bis auf weiteres nicht geben, macht Schwaiger kein Hehl aus der Situation. Sollte sich der Markt aber wieder öffnen, so werde es – ähnlich wie im Kommerzkundenbereich – zu einer risikoadäquaten Bepreisung kommen, so Muglar, und: Aufschläge unter einem Prozent werde es auch für beste Bonitäten eher nicht mehr geben. Dem schließt sich auch Markus Jochum von der Tiroler Sparkasse an: „Der Fremdwährungskredit als Finanzierungsprodukt wird nicht vollkommen vom Markt verschwinden, an eine Wiederkehr als Lösung für die breite Masse und mit dem bisherigen Tilgungsträgermodell glaube ich aber eher nicht.“ Eine allgemeine Kreditklemme in Tirol sehen die Banker nicht. Die heimischen Banken verfügen über ausreichend Liquidität, um die für die regionale Wirtschaft wichtigen Kreditanfragen sowohl von privater Seite als auch KMU-seitig befriedigen zu können, so der Bankenobmann.
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Autor: Michael Posselt













