Der Turm und sein Meister.
Publikation: Architektur | Ausgabe: SPEZIAL Mai 2010 | Ressort: architektur | Datum: 30.4.10
Innsbruck leistet sich seit einigen Jahren ein sehr anspruchsvolles und auch international vielbeachtetes Architekturprogramm. Renommierte Architekten wie Zaha Hadid oder Dominique Perrault brachten und bringen neue Impulse für die Landeshauptstadt.
Nun bekommt das Areal Brunecker Straße ein neues Gesicht und Innsbruck durch die Designpäpste Philipp Starck und John Hitchcox, die ein YOO-Hotel errichten, internationale Topunterstützung. Die Architektur kommt hingegen aus dem eigenen Land: Das Wiener Architekturbüro Henke & Schreieck baut den 49 Meter hohen Turm für Investor Markus Schafferer von der PEMA Holding.
Innsbruck scheint für Architekten eine besondere Herausforderung zu sein. Und auch die (Stadt-)Verantwortlichen geben sich nur mit dem Besten zufrieden, um der Landeshauptstadt ein entsprechendes Gesicht zu geben. So kann es durchaus passieren, dass Projekte ihre Zeit brauchen, bis sie in die Realisierungsphase gehen. Die Ergebnisse sind dafür keine lieb- und gedankenlos gebauten Objekte, sondern Meilensteine in Bezug auf Architektur, Design und Nutzbarkeit. Aktuellstes Beispiel ist der „Pema-Turm“, welcher der Brunecker Straße und damit dem gesamten Stadtteil eine neue Identität gibt. Knapp vier Jahre und zwei verworfene Entwürfe hat es gedauert, bis sich kürzlich das Wiener Architekturbüro Henke & Schreieck in einem Architekturwettbewerb durchsetzen konnte. Der 60-Meter-Turm ist damit Geschichte und der Blick auf den Patscherkofel mit der neuen Variante wieder frei.
Was lange währt ...
... wird endlich gut. Eine hochkarätig besetzte siebenköpfige Fachjury wählte aus insgesamt acht Projekten einstimmig das Siegerprojekt aus und entschied damit über das Aussehen der rund 3.300 Quadratmeter nahe dem Innsbrucker Hauptbahnhof. Entstehen wird hier ein multifunktionaler Gebäudekomplex mit Designerhotel, Day Spa, Shoppinggalerie und Büros. Das Herzstück bildet der 49 Meter hohe Turm mit zwölf Geschoßen, der neben einem Restaurant und einer Aussichtsterrasse erstmals in Österreich ein 75-Betten-YOO-Hotel der internationalen Stardesigner Philipp Starck und John Hitchcox beherbergt. Im angeschlossenen Komplex werden Geschäftsflächen und Büros zur Verfügung stehen. Das gesamte Projekt wird sich über eine oberirdische Bruttogeschoßfläche von über 20.000 Quadratmetern erstrecken, hinzu kommt eine Tiefgarage. Kostenpunkt für den Investor PEMA Holding:52 Millionen Euro.
Ruhig, elegant und zeitlos
So lässt sich der Gebäudekomplex kurz und knapp beschreiben und stößt deshalb auf breite Zustimmung. PEMA-Holding-Eigentümer und Investor Markus Schafferer: „Eine elegante Architektur, die zwischen Museumstraße, Rhombergpassage und Bahnhofsuhr klare und noble Akzente setzt. Die PEMA wird mit ihrem Partner, der VOBA-Invest, 100-Prozent-Tochter der Südtiroler Volksbank, für eine qualitätsvolle Belebung der Brunecker Straße sorgen und eine Brücke zwischen Innenstadt und Sillpark bilden.“ Auch die beiden Stadtfrauen – Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer und Stadtplanerin Elke Schmeissner-Schmid – sind zufrieden. Schmeissner-Schmid: „Die differenzierte räumliche Einfügung in die Umgebung verbunden mit dem eleganten und hochwertigen Auftritt des Gebäudes verspricht eine nachhaltige Aufwertung dieses Stadtbereiches. Ich freue mich schon auf die Realisierung.“
Die Architekten Henke und Schreieck sind indes hierzulande keine Unbekannten. So zeichneten sie schon für das Parkhotel Hall oder das Tivoli-Hotel verantwortlich und auch für die Neue Heimat haben die beiden bereits Projekte umgesetzt. Mit dem Pema-Turm setzen sie ein weiteres Highlight. „Lage und Baukörper resultieren aus städtebaulichen Überlegungen und dem Anspruch, die fantastische Umgebung den Nutzern des Hauses maximal zu erschließen. Durch die Lage des Hotelturms, seine Form und Höhenentwicklung wird die Belichtung und Aussicht der bestehenden Gebäude nicht beeinträchtigt. Der landschaftliche Bezug aus der Blickrichtung Museumstraße bleibt erhalten.“
Für Markus Schafferer gibt es im Moment nur eines: Volldampf, denn schon im Mai wird mit dem Abriss des Eckhauses Brunecker- und Museumstraße begonnen, spätestens im Frühjahr 2011 erfolgt der Baubeginn. 2013 ist die Fertigstellung geplant.
Autor: Marina Kremser
Foto: Henke/Schreieck













