Die Architektur ist weiblich.
Publikation: Bauen und Wohnen | Ausgabe: SPEZIAL: Oktober 2009 | Ressort: bauen.wohnen | Datum: 7.10.09

Die Baustelle ebenfalls, aber dort turnen meist Männer herum. Dabei gibt es in Tirol genug engagierte Architektinnen – als Partnerin in einem Gemeinschaftsbüro oder als Einzelkämpferin. Dazu selbständig und fest entschlossen, die weibliche Seite der Architektur zu zeigen. eco.nova besuchte exemplarisch vier bewegte
Frauen aus der Bauszene und erfuhr viele spannende Dinge.
Aus Theorie und Praxis
Die Stadt boomt. Das Dorf stirbt. Keine wirklich neue Erkenntnis, doch für die betroffenen Menschen eine oftmals existenzielle: Funktionieren Dörfer noch, wenn nur die Senioren bleiben, und genügt die bestehende Infrastruktur ihren Bedürfnissen? Auf der anderen Seite die Stadt, Symbol für Karriere und Kleinfamilie, Individualität und Moderne – doch wie fortschrittlich sind die Wohnmodelle in den Metropolen und wohin führt die Zukunft? Das Institut für Städtebau und Raumplanung der Uni Innsbruck stellt sich dem Thema und initiierte gemeinsam mit Professor Michael Flach, Leiter des Arbeitsbereichs Holzbau am Institut für Konstruktion und Materialwissenschaften der Universität Innsbruck, das Forschungsprojekt „Intensys“.
„Das Projekt versucht auf interdisziplinäre Weise, eine Möglichkeit des Wohnens von morgen zu entwickeln“, sagt Institutsleiterin Dr. Maria Schneider. Die Architektin und ihr Team wollen wissen, was geht, und haben dazu verschiedene PraktikerInnen mit ins Boot geholt. Das Wohnen von morgen müsse vielen Facetten gerecht werden: Unter Klima-Gesichtspunkten sei schon heute die Energieeffizienz bedeutend – Stichwort Passivhaus. Ebenso beeinflusse die Wahl des Baumaterials die Wohnqualität und damit das Wohlbefinden der Bewohner. Neben vielen verschiedenen Ingenieuren und Architekten geben auch die Soziologen ihren Input. Damit bewegt sich der Wohnbau bewusst zurück zu den Wurzeln, denn viele der in der Vergangenheit gelungensten Siedlungen stellten den Menschen in den Mittelpunkt des Schaffens. Nur heißt der ganzheitliche Ansatz von heute eben Nachhaltigkeit. Selbiger fühlt sich auch der gemeinnützige Bauträger Neue Heimat Tirol verpflichtet und unterstützt ebenfalls das Projekt, zusammen mit der Gemeinde Absam. Ende 2010 endet das Forschungsprojekt, dann könnte der Bau der Siedlung beginnen. „Die Herausforderung besteht darin, dass die Planung bereits von Beginn alle Aspekte der Bauphysik, der Energieeffizienz, der Soziologie und der Baukonstruktion einfließen lässt und daher ein interdisziplinärer Prozess erforderlich ist. Es ist eine neue interessante und sehr konstruktive Erfahrung“, sagt Maria Schneider.
Die Theorie und Forschung war ihr immer wichtig: „Architekten haben keinen 9-to-5-Job, wenn ein Projekt beginnt, sind sie ständig präsent, dazu kommen die Arbeiten für Wettbewerbe, die auch vor den Wochenenden nicht halt machen – da wird es einfach eng mit der Weiterbildung. Doch die war mir immer extrem wichtig und deswegen bin ich auch an der Uni geblieben.“ Damit aber die Praxis im eigenen Berufsleben nicht zu kurz kommt, führt sie gemeinsam mit Michael Pfleger ein Architekturbüro, das sich dem ganz normalen Alltag des Architekten widmet: Aufträge ergattern, Wettbewerbe gewinnen und verlieren.
Lesen Sie mehr über Elisabeth Schneider sowie die Architektinnen Elke Krismer und Elisabeth Senn und Innenarchitektin Catarina Molzer-Sauper.
Autor: Stefan Becker
Foto: Stefan Becker













