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Intelligente Stromnetze und Stromzähler: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Publikation: Bauen und Wohnen |  Ausgabe: SPEZIAL Oktober 2011 | Ressort: bauen.wohnen | Datum: 6.10.11

Laut einer Vorgabe der Europäischen Union sollen bis 2020 rund 80 Prozent aller Haushalte mit so genannten Smart Meters, intelligenten Stromzählern, ausgerüstet sein. Smart Grids (intelligente Stromnetze) gelten als eine wichtige Entwicklung der Zukunft. Hersteller von Haushaltsgeräten wie Liebherr oder Miele setzen bereits jetzt auf diese Technologie: Beide Unternehmen präsentierten in diesem Jahr ihre neuen so genannten „Smart-Grid-ready“-Geräte. Allerdings sind Smart Grids in Österreich erst im Stadium der Feldversuche. In Tirol gibt es derzeit gar kein entsprechendes Pilotprojekt. Lohnt es sich für Kunden daher jetzt schon auf diese Technologie zu setzen?

Haushaltsgeräte sollen durch die Nutzung so genannter Smart Grids, intelligenter Stromnetze, sparsamer werden. Bei der Liebherr-Hausgeräte GmbH wird damit gerechnet, dass mit Smart Metern, also den „intelligenten“ Stromzählern, der Stromverbrauch in einem privaten Haushalt zwischen fünf Prozent und zehn Prozent gesenkt werden kann. „Für Liebherr ist Smart Grid ein sehr wichtiges Thema. Wir sind überzeugt, das Smart Grids zukünftig eine immer größere Rolle spielen werden“, sagt der Produktmanager der Liebherr Hausgeräte GmbH, Michael Rist. Seit Juli 2011 bietet Liebherr acht NoFrost-Gefrierschränke an, die „Smart Grid ready“ sind. Dies bedeutet, dass diese Geräte mit einem nachrüstbaren Modul in künftig entstehende intelligente Stromnetze eingebunden werden können. „Mit dieser Technologie können die Gefrierschränke automatisch den jeweils günstigen Stromtarif nutzen. Die im Gefrierschrank normalerweise eingestellte Temperatur von minus 18 Grad wird zusätzlich abgesenkt und damit eine Kältereserve im Gerät aufgebaut“, erklärt Michael Rist. „Diese Kältereserve wird je nach Öffnungshäufigkeit und Umgebungstemperatur über mehrere Stunden aufgebraucht. Beim Erreichen von minus 18 Grad schaltet das Gerät unabhängig vom jeweiligen Stromtarif wieder auf Normalbetrieb zurück.“ Für die Hersteller von Haushaltsgeräten ist die Präsentation solcher „Smart-Grid-ready“-Geräte zu einem regelrechten Wettlauf geworden: „Seit April 2011 hat Miele die weltweit ersten smart-grid-fähigen Waschmaschinen und Wäschetrockner auf dem Markt“, erklärt Unternehmenssprecherin Reinhild Portmann. Rechtzeitig zur IFA im September in Berlin präsentierte der Hersteller außerdem entsprechend geeignete Geschirrspüler.

Internationale Standardisierung fehlt

Die Geräte sind auch in Österreich erhältlich, allerdings ist fraglich, wann und ob das intelligente Stromnetz flächendeckend eingeführt wird. Das ist eine Frage, die auch Liebherr nicht beantworten kann. „Wann Smart Grid und die Smart Meter für alle Haushalte zur Verfügung stehen, ist momentan nicht abschätzbar“, sagt Michael Rist. Bevor das flächendeckende intelligente Stromnetz der Zukunft Realität wird, gibt es noch offene Fragen zu klären. Peter Bauhofer, Leiter der Abteilung „Energiestrategie und Energieeffizienz“ der TIWAG, mahnt zur Vorsicht. „Ob die Geräte mittelfristig vollumfänglich mit den smarten Funktionen eingesetzt werden können, bleibt abzuwarten, weil die dafür notwenden Datenmodelle einer internationalen Standardisierung bedürfen und derzeit nicht ausgereift vorliegen.“ Die Anschaffung derartiger Geräte würde sich seiner Meinung nach aber aus dem Blickwinkel der Energieeffizienz lohnen, weil sie auf einen niedrigen Energieverbrauch ausgelegt sein sollten.

Mehr dazu in der Printausgabe.

Autor: Barbara Hoffmann
Foto: Liebherr

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