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Wohin gehen die Märkte?

Publikation: Wirtschaftsmagazin |  Ausgabe: Dezember 2011/Jänner 2012 | Ressort: eco.geld | Datum: 7.12.11

Noch nie waren die Finanzmärkte so von politischen Entscheidungen abhängig wie jetzt. Dabei ist die Lage ernst. Der Euro und damit vielleicht auch die Idee der Europäischen Union drohen zu scheitern. Dies macht gesicherte Prognosen unmöglich. Nichtsdestotrotz wagen wir – gestützt auf die Aussagen von Experten der heimischen Finanzmarktszene – einen Ausblick.

Das schon seit Wochen alles überlagernde Thema an den Finanzmärkten, die Schuldenkrise, wird auch weiterhin der bestimmende Faktor bleiben, ist sich Herbert Schmarl von der Tirolinvest sicher. Ausgehend von deren Lösung beziehungsweise dem Umgang damit skizziert Schmarl drei Szenarien: Die optimistischste – „wenn alles gut geht und sich Europa und die EZB zu einer gemeinsamen Lösung durchringen können“ – geht von einem schwachen Wachstum in Europa und den USA bei gleichzeitig steigender Rezessionsgefahr aus. Gründe dafür sind unter anderem die verschärften Eigenkapitalvorschriften der Banken (Erhöhung auf neun Prozent bis 2020), die dazu führen werden, dass die Banken ihre Bilanzsumme reduzieren und daher die Kreditvergabe einschränken müssen. Gepaart mit der ohnehin gedämpften Investitionsfreudigkeit der Unternehmen und erhöhten Liquiditätskosten wird sich dies negativ auf Wirtschaftswachstum und -entwicklung auswirken, so Schmarl. Hinzu kommt, dass auch die Staaten zum Sparen gezwungen sind und ihre Leistungen einschränken müssen. So etwa beim Beamtenabbau, bei Transferzahlungen, Sozial- und Gesundheitsleistungen und Ähnlichem. Dies wird zu einem Sinken der privaten Einkommen führen und den Konsum schwächen. Ebensowenig werden die Unternehmen mit Neueinstellungen, Lohnerhöhungen oder Investitionen die Konjunktur stützen.

Proteste und Streiks bedrohen die Wirtschaft und Europa

Die größere Gefahr sieht Schmarl aber in immer wieder aufflammenden Protesten und Streiks in Europa sowie der Gefahr von scheiternden Regierungen. „Diese Unsicherheit und die damit verbundenen Kosten haben nicht nur negative Auswirkungen auf die Wirtschaft, im schlimmsten Fall führen sie zum Verlust des sozialen Friedens, einem Auseinanderbrechen Europas und dem Untergang des Euros.“

Zum gleichen Ergebnis, allerdings auf anderen Wegen, kommt auch Günter Minatti von der Innsbrucker Vermögensverwaltungsgesellschaft Nova Portfolio Management. Für ihn gibt es keinen Ausweg aus der griechischen Tragödie – alle Lösungen sind schlecht und haben negative Konsequenzen. So führe ein Festhalten am Euro aus seiner Sicht zu fortdauernden Transferzahlungen von den Kernländern an die Peripherie, da diese die Ursache der Verschuldung, nämlich die wirtschaftlichen Ungleichgewichte, nicht lösen. Darüber hinaus ist ein Haircut von 50 Prozent bei weitem nicht ausreichend und führt uns bestenfalls zurück an den Ausgangspunkt vor 18 Monaten, als die Verschuldung Griechenlands bei 120 Prozent des BIP lag. Aber auch andere Optionen, wie ein Austritt Griechenlands aus dem Euro und die Abwertung der Drachme (oder einer anderen, neuen griechischen Währung), bergen unwägbare Gefahren, die bis zum Bürgerkrieg führen könnten. Allein die bloße Ankündigung des Austritts und der Abwertung würde zu einem Bankenrun führen und hätte die unweigerliche Pleite der griechischen Banken, Versicherungen und Pensionskassen zur Folge und würde die Bevölkerung hart treffen. Nicht anders wäre es bei einer internen, realen Abwertung via Preis- und Lohnkürzungen. „Die Geschichte lehrt uns, dass Lohnkürzungen in diesem Ausmaß nicht durchzusetzen sind. Die Bürger und Gewerkschaften würden dies nicht hinnehmen. Sie würden streiken, randalieren und das Land an den Rand eines oder sogar in den Bürgerkrieg treiben, so Günter Minatti.

Während Minatti also keinen Ausweg aus der Krise sieht, halten die EU-Politiker weiter am Euro fest. So verkündete EU-Kommissionspräsident Barroso am Beginn der Schuldenkrise: „Der Euro wird gerettet, koste es, was es wolle!“ und auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Scheitert der Euro, scheitert Europa“, hält weiter an der Einheitswährung fest. „Dieser Weg ist nicht nur falsch, sondern ein Ding der Unmöglichkeit, worauf bereits bei der Einführung zahlreiche Ökonomen (u.a. der renommierte deutsche Vermögensverwalter Dr. Jens Erhard) und Wissenschafter (so etwa der Österreicher August Friedrich von Hayek) in aller Deutlichkeit hingewiesen haben“, so Minatti, der als beste unter den schlechten, weil schmerzlichen Alternativen den Austritt aus dem Euro und Abwertung sieht. Dies würde zwar zu einem kurzen, schmerzlichen Anpassungsprozess mit gleichzeitig aber neuen Wachstumschancen führen.

Lesen Sie den gesamten Artikel in der Printausgabe – inkl. Krisenportfolios von Günter Minatti und Herbert Schmarl

Autor: Michael Posselt

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