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Land der Pisten ... zukunftsreich?

Publikation: Wirtschaftsmagazin |  Ausgabe: Dezember 2011/Jänner 2012 | Ressort: eco.wirtschaft | Datum: 7.12.11

Ein Lagebericht zum Thema „Skifahren in Tirol“ zur Einstimmung auf die nahende Wintersaison.

Was ursprünglich ein reiner Bericht zum Thema „Neuerschließungen, Zusammenlegungen und die Erhaltung von kleinen Skigebieten“ in Tirol werden sollte, hat sich im Laufe der Recherche und im Gespräch mit erfahrenen Experten auf diesem Gebiet zu einem umfassenderen Blick auf die Entwicklungen in Tirols Wintertourismus und dessen Folgen gemausert. Der Winter und seine Folgen für die Landschaft, den Tourismus, die Wirtschaft und die Freizeitgestaltung in unserem Land lässt trotz Klimawandel und Problemen mit der Schneesicherheit niemanden kalt.

Zwischen Skischaukel und Naturreservat

Die Alpen sind ein Naturraum von europaweiter Bedeutung und gleichzeitig ein beliebtes Urlaubsziel für ein aktives Reisepublikum – im Sommer ebenso wie im Winter. Die Interessen von Tourismusmanagern, Wirtschaftstreibenden, Naturschützern und Individualsportlern sind naturgemäß unterschiedlich und widersprüchlich. Um allen Aspekten gerecht werden zu können, sind für den Alpentourismus des 21. Jahrhunderts nachhaltige Konzepte notwendig, welche sich beispielsweise mit Fragen wie folgenden auseinandersetzen:
• Wohin gehen aktuelle Trends?
• Wo liegen die Grenzen der Belastbarkeit für den Naturraum?
• Wie kann ein wirtschaftlich sinnvoller Alpentourismus aussehen?

Angetrieben von Globalisierung und zunehmendem Konkurrenzkampf wird massiv in Wintersportinfrastruktur investiert. Megaskischaukeln, Kapazitätssteigerung, vermehrter Einsatz von Schneekanonen und Events im Schnee sollen den Skitourismus ankurbeln und für den Gast attraktiver machen. Internationale Kongresse zum Thema Bergsport warnen jedoch vor übertriebenen Investitionen und finanzieller Abhängigkeit der Wintersportgemeinden und der Übernahme einzelner „Hotspots“ durch wenige Großunternehmer.

Gefordert wird meist eine bessere Kooperation der Tourismusverbände vor Ort mit allen Interessengruppen, die räumliche Differenzierung in Zonen unterschiedlicher touristischer Nutzung, eine Suche nach gemeinsamen Zielen von Naturschutz und Tourismus und die gezielte Förderung von nachhaltigen Projekten. Auch die Anliegen der einheimischen Bevölkerung sollten stärker in Entscheidungsprozesse eingebunden werden und das Sportangebot muss im Einklang mit dem Erholungsangebot funktionieren.
All das sind enorme Aufgaben für ein kleines Land wie Tirol – eine konstruktive Zusammenarbeit aufgeschlossener, innovativer und zugleich besonnener Köpfe wird dringend notwendig sein.

Auf der Suche nach Fakten, Zahlen, Erfahrungen, Lösungen, Ideen und ganz persönlichen Meinungen zur Bedeutung und der Weiterentwicklung des Skisports hat sich eco.nova aufmerksam umgehört und war beispielsweise auch beim Skiopening in Sölden mit dabei. Nach umfassenden Interviews und einem kleinen Einblick in die Welt der „Pistenkultur“ ergaben sich bemerkenswerte Stellungnahmen aus verschiedensten Gesichtspunkten. Bei zwei Punkten scheinen sich alle Befragten, egal welche Interessen sie vertreten, einig zu sein:

NEIN zu Neuerschließungen, JA zur Erhal-tung und Förderung von Kleinstskigebieten

Auf die Frage nach der Sinnhaftigkeit von Skigebiets-Neuerschließungen waren sich durchwegs alle Gesprächspartner, ob aus Wirtschaft, Sport, Tourismus oder Umweltschutz, einig: Die Auslastung der Tiroler Seilbahnen und Pisten gibt keinen Anlass für einen weiteren Eingriff in die Landschaft. Es wäre dadurch weder ein Geschäftszuwachs noch eine Qualitätssteigerung im Wintersportangebot zu erwarten. Zusätzliche Konkurrenz im eigenen Land wäre damit absolut kontraproduktiv. Ebenfalls Einigkeit bestand bei der Frage nach der Erhaltung der sogenannten „Bürgermeisterlifte“ direkt in den Ortszentren, an den Dorfrändern oder an diversen Taleingängen. Diese einfachen Aufstiegshilfen (meis­tens Schlepplifte) sind sowohl in sportlicher als auch in wirtschaftlicher Voraussicht enorm wichtig, bringen sie doch schon die Allerkleinsten in den Schnee und ziehen damit den Wintersportgast von morgen heran! Wenn Kinder schon im Kindergarten- und Schulalter einen ganz selbstverständlichen, günstigen Zugang zum Skifahren haben, wird sie das ein Leben lang in sportlicher Hinsicht prägen! Nicht umsonst haben viele der heutigen Skistars im Weltcupzirkus an solchen Hängen mit ihrem Training begonnen und sind so mit viel Einsatz und Liebe zum Schnee groß und erfolgreich geworden.

Einheimischen Kindern stehen solche Lifte im Winter gleich einem Spielplatz zur Verfügung und mit einem geschickten Marketing und attraktiven Angebot können auch Gästekids und deren Eltern auf sanfte Weise für den Wintersport gewonnen werden! Ein besonders gelungenes Konzept ist in dieser Hinsicht der Gemeinde Rinn mit ihrem Kinderland gelungen. Auch der Innsbrucker Hausberg Patscherkofel versucht nun vermehrt, als Austragungsberg der Olympischen Jugendwinterspiele 2011 und mit einem erweiterten Angebot im Zielareal (kidspark, funpark, rails) Kinder und Jugendliche anzulocken und aus dem Skifahren mehr als eine Sportart zu machen! Durch geschickte, individuelle Konzepte und ein attraktives Angebot für die gesamte Familie
können auch die kleinsten Skihänge punkten!

Stimmen zum Thema aus Wirtschaft, Sport, Tourismus und Umweltschutz finden Sie in der Printausgabe.

Autor: Caterina Molzer-Sauper

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