Gute Gründe zum Gründen.
Publikation: Wirtschaftsmagazin | Ausgabe: Februar 2010 | Ressort: eco.wirtschaft | Datum: 5.2.10
Freiheit. Ein großes Wort und im vergangenen Jahr in Tirol mächtig strapaziert. Aber es gibt eben kein besseres, um das Hauptmotiv zu beschreiben, warum sich Menschen in diesem Land selbständig machen. Die ihr ganzes existentielles Risiko schultern, mögen die Schultern dabei schmal sein oder breit, völlig egal, um die Existenz dann auf möglichst viele Standbeine zu stellen. Helden der Marktwirtschaft, jeder ein Pionier im Kampf mit Behörden und Institutionen und den Mächten eines anonymen Marktes. Sie übernehmen Verantwortung, wenn anfangs auch nur für sich selbst, und müssen dann das Beste daraus machen.
Das Beste daran: Nach drei Jahren sind immer noch 80 Prozent am Markt aktiv, sagt Wolfgang Teuchner von der Wirtschaftskammer. Er leitet in der Zentrale in Innsbruck den Gründerservice und wacht so gut es geht über seine Schäfchen. Und die heterogene Herde ist im Jahr der Krise sogar wieder etwas gewachsen: 2157 neue Firmen gingen 2009 in Tirol an den Start. Nachdem die Anzahl der Gründungen von 2007 auf 2008 um 10 Prozent sank, verzeichnet sie nun ein kleines Plus. Was Teuchner freut, aber auch nicht aus der Reserve lockt. „Mir ist ein stabiles Niveau wichtiger als kurzfristiger Jubel, der dann wieder einhergeht mit dem Katzenjammer – für uns zählt primär die Nachhaltigkeit der Entscheidung“, so Teuchner.
Und die sei in den meisten Fällen gegeben, beträgt das Durchschnittsalter der neuen Chefs doch 37,3 Jahre – da haben viele bereits eine Familie und die will versorgt sein. „Zu der Verantwortung kommen so noch diverse Verpflichtungen“, sagt der Chef von sieben Mitarbeitern und legt die eigene Leistungsbilanz des vergangenen Jahres vor: Demnach klingelte das Telefon allein für Kurzkontakte fast 15.000-mal und beinharte Beratungen gab es fast 6.000-mal. Verteilt auf das ganze Land und so sieht die GründerInnen-Statistik verteilt nach Bezirken aus:
Innsbruck-Land landet auf dem ersten Platz mit 501 neuen Namen, gefolgt von Innsbruck-Stadt mit 406 Firmen. Auf den dritten Rang schaffte es Kufstein mit 311 Betrieben, dann kommen Schwaz, 235, dicht dahinter Kitzbühel mit 228 und etwas abgeschlagen das Oberland: Imst zählt 161 Gründungen, Landeck 114, Lienz 106 und das Schlusslicht bildet Reutte mit 94 Firmen. Damit konsolidiert sich zwar das Ost-West-Gefälle, doch verbirgt sich in den Zahlen auch ein positiver Trend und den reklamieren die Damen für sich. Innerhalb der Einzelunternehmen bauten die Gründerinnen ihre Position auf einen Anteil von 41,6 Prozent aus und toppen dabei auch den Bundeswert in Höhe von 40,6 Prozent um ein Pünktchen. Da freut sich auch Anton Kern vom AMS, weil Frauen am Arbeitsmarkt als abhängig Beschäftigte immer noch benachteiligt sind.
Wollen sie ihre ökonomische Situation verbessern, müssen sie diese wohl selbst in die Hand nehmen, und die Statistik der Wirtschaftskammer macht ihnen dabei Mut: Denn 63 Prozent der GründerInnen geben als Motivation den Wunsch nach einem höheren Einkommen an. Dafür muss natürlich in den ersten Jahren besonders hart gearbeitet werden. Falls dann die einstige Strategie außer Sicht gerät, weil das Tagesgeschäft so gut wie keine Zeit lässt für große Gedanken, dann bietet der Gründerservice seinen Kunden einen neuen Dienst an. Denn die Crew bildet ja gleichzeitig auch den Unternehmerservice und mit dem Programm „Pluss 2010“ sollen besonders motivierte Kleinst- und Kleinunternehmer eine Chance bekommen für ihre strategische Neuausrichtung.
Da darf das „Pluss“ dann auch ruhig einmal zwei „s“ haben, wenn es der Sache dient und die Unternehmer mobilisiert. Denn die Aktion hat den Charakter eines Wettbewerbs. Wer in den Genuss des Dienstes kommen möchte, muss zuvor eine Jury von den ernsthaften Absichten überzeugen. „Dabei geht es auch um Unternehmskultur“, sagt Robin Wolf, der das Projekt gemeinsam mit Marlene Hopfgartner betreut. „Das Programm richtet sich primär an bestehende Betriebe, die ihre Strategie prüfen wollen, wie zeitgemäß und marktkonform sie noch ist. Nebenbei geht es auch um die individuelle Entwicklung von Ideen für Innovationen innerhalb des Betriebes. Das ist ein Prozess, der in den Alltag der Firma integriert werden soll – der aber die Initiative des Unternehmers voraussetzt“, ergänzt Teuchner. Die Infos zum Förderprogramm „Fit für den Aufschwung“ gibt es auf der Homepage, dort stehen auch die Termine der monatlichen Gründerworkshops und der Gründermesse.
„Pluss“ könnte die Qualität zum Instrument besitzen, das die Gründer von heute morgen vielleicht schon als Standard präsentiert bekommen, wenn sie einmal in die Klemme geraten oder das Gefühl haben, dass sich etwas verändern muss. Denn die Wirtschaft lebt vom Wandel und wer darauf rechtzeitig reagieren kann, bleibt vorne mit dabei. Wie die folgenden fünf Kandidaten, die sich jüngst getraut haben und jetzt wirtschaftlich auf eigenen Füßen stehen.
In der Printausgabe finden Sie fünf Porträts erfolgreicher Tiroler Gründer.
Autor: Stefan Becker
Foto: Stefan Becker













