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Kunstmesse im Zeichen der Weiblichkeit.

Publikation: Wirtschaftsmagazin |  Ausgabe: Februar 2010 | Ressort: eco.art | Datum: 5.2.10

Wenn man Sie nach bedeutenden KünstlerInnen fragt, welche Namen fallen Ihnen auf Anhieb ein? eco.nova hat gefragt und spontan Michelangelo, Gustav Klimt, Pablo Picasso, Kandinsky, Joseph Beuys und Andy Warhol zur Antwort bekommen. Lauter männliche Künstler der verschiedensten Richtungen und Epochen – es war keine Frau dabei. Auf die Frage, ob denn Kunst ein Geschlecht besitze, kam jedoch ein „Nein, natürlich nicht“. Die realen Geschlechterverhältnisse unserer Gesellschaft, die weit von Gleichberechtigung entfernt ist, spiegeln sich also auch in der Kunstwelt wider? Die ART Innsbruck geht heuer dem weiblichen Kunstschaffen nach und stellt ganz bewusst Frauen in den Mittelpunkt.

„Warum solle es in der Kunstwelt anders sein als in der Politik und natürlich auch am Arbeitsmarkt?“, meint Messedirektorin Johanna Penz zu ihrer diesjährigen expliziten ART-Fraueninitiative. Von Gleichberechtigung kann keine Rede sein, obwohl es national wie international sehr viele anerkannte und erfolgreiche Künstlerinnen gibt und mit Maria Lassnig sogar eine Frau an der Spitze des österreichischen Kunstbarometers steht. Trotzdem finden sich nur 20 Frauen unter den Top 100 der wichtigsten KünstlerInnen Österreichs. Also lediglich ein Fünftel der am Kunstmarkt auch ökonomisch relevanten Namen. Dieser Tatsache möchte die ART Innsbruck heuer offen ins Auge sehen und sie im Rahmen der diesjährigen Kunstmesse thematisieren, denn „jeder gesellschaftlichen Veränderung müsse erst mal eine Bewusstwerdung und ein Bewusstseinswandel vorausgehen“, so Messedirektorin Johanna Penz.

Hat Kunst ein Geschlecht?

Die amerikanische Kunsthistorikerin Linda Nochlin hat sich bereits im Jahre 1971 mit der Wertschätzung weiblichen Kunstschaffens auseinandergesetzt und mit ihrem Essay „Why Have There Been No Great Woman Artists?“ aufhorchen lassen. Sie hinterfragte die Geschlechterrolle in der Kunst aus unterschiedlichen Blickwinkeln und legte den Grundstein für eine feministische Kunstgeschichte. Im Zuge ihrer detaillierten empirischen Untersuchungen kam sie zum Schluss, „dass es kaum Förderung für Frauen in der Kunst gab, niemand ermutigte sie. Es gab keine Vorläuferinnen, keine Vorbilder und keine Belohnung.“ Frauen durften lange nicht einmal das Aktzeichnen lernen, obwohl dies als grundlegende Kenntnis in der Kunstausbildung gilt. Sie waren vom System ausgeschlossen. Linda
Nochlin gab auf die Warum-Frage einst auch eine lustige Antwort: „Es gibt keine bedeutenden Künstlerinnen – so wenig, wie es Eskimotennisspieler oder litauische Jazzpianisten gibt.“ Dabei verwies sie darauf, dass sich doch im Laufe der Jahre einige Umstände ändern können, und heute gibt es immerhin erfolgreiche tschechische Tennisspieler. Sie erklärte, dass in ihrer Jugendzeit Tennisspieler aus Australien, Kalifornien oder England kamen. Danach waren die Tschechen, dank Ivan Lendl, sehr erfolgreich. Für Linda Nochlin ein Beispiel, das auch für die Kunst von Frauen anwendbar ist. Es wurde ein Umfeld geschaffen, in dem sich junge Tschechen ermutigt fühlten, Tennis zu spielen, und gefördert wurden. Das sei in der Kunstwelt immer mehr geschehen, jedoch noch nicht ausreichend. Linda Nochlins Essay hat bis heute Aktualität, denn darin wird die Rolle der Kulturvermittlung hervorgehoben, die „die Selbstverständlichkeiten tradierter Stereotypen und Bilder, seien es solche des Geschlechtes oder der Kunst, in Frage stellen kann“. Dem zeitgenössischen Kommunikationsprozess der Kulturvermittlung ist es unter anderem zu verdanken, dass die Liste bekannter Namen umfassender wird, je mehr man an gegenwärtige kunstgeschichtliche Strömungen heranrückt.
eco.nova wurden jedoch erst nach intensiverem Nachfragen und bei wirklich Kunstinteressierten Namen wie Niki de Saint Phalle, Yoko Ono, Frida Kahlo oder Käthe Kollwitz genannt.

Lesen Sie mehr zum Thema in der Printausgabe.

Autor: Julia Sparber
Foto: ART Innsbruck

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