Kostenloses Probeexemplar

Vergangene Emerging-Markets-Krisen boten günstige Einstiegschancen.

Publikation: Wirtschaftsmagazin |  Ausgabe: Februar 2010 | Ressort: eco.geld | Datum: 5.2.10

Die Zustände in Dubai wecken Erinnerungen an die Asienkrise der Jahre 1997/98. Doch gerade in diesen Phasen wurden in der Vergangenheit die Grundsteine größerer Vermögen gelegt. Deshalb sollten Anleger im Falle erneuter Kurseinbrüche an den Aktienmärkten günstige Chancen in Schwellenländern abwarten.

Als die staatsnahe Holding Dubai-World am 25.11.2009 die Gläubiger ihrer Immobilienentwicklungstochter Nakheel Properties für eine islamische Anleihe im Wert von 4,1 Milliarden Dollar um einen sechsmonatigen Zahlungsaufschub bat, brach Panik aus. Vom 25.11. bis 09.12.2009 fiel der den Aktienmarkt in Dubai repräsentierende DFM-General-Index um 26,8 Prozent, ehe nach der Bekanntgabe einer Finanzspritze (Volumen 10 Milliarden Dollar) aus dem Nachbaremirat Abu Dhabi am 14. Dezember ein Rebound in der Größenordnung von über 10 Prozent erfolgte. Mit diesen Geldern sollen die fälligen Schulden des Palmeninsel-Erbauers Nakheel-Steel und bis Ende April 2010 fällig werdende Verbindlichkeiten der übrigen Unternehmen der Dubai-World-Gruppe verwendet werden. Doch nach einer kurzen Erholung bröckelten die Kurse erneut ab, denn Dubai leidet unter einer Schuldenkrise in Kombination mit einer geplatzten spekulativen Blase:
Nach einem jahrelangen Bauboom entstanden Überkapazitäten mit der Folge, dass 59 Bauprojekte mit mehr als 50 Millionen US-Dollar Investitionsvolumen, darunter eine Inselgruppe in Form der Weltkarte und der 38 Milliarden Dollar teure Nakheel Tower, unterbrochen oder storniert wurden. Derartige Megaprojekte über 25 bis 30 Jahre wurden meist mit kurzfris­tigen Darlehen mit Laufzeiten von drei bis fünf Jahren finanziert. Laut einer vor einem Jahr veröffentlichten Studie von Moody‘s haben Dubai und staatsnahe Firmen Schulden von 80 Milliarden Dollar angehäuft, von denen bis Ende 2012 49 Milliarden getilgt werden müssen. Die Rahmenbedingungen für eine schnelle Rückzahlung sind derzeit besonders schlecht: Inves­toren fehlen, die Immobilienpreise haben sich halbiert und bei den Büroflächen sind die Mieten in den vergangenen zwölf Monaten um bis zu 40 Prozent eingebrochen, während in den Wohnblocks der Leerstand bei 25 Prozent liegt. Somit ist von einer zweiten Welle der Krise auszugehen, wenn weitere Umschuldungen anstehen. Diese sollte jedoch nur von kurzer Dauer sein und günstige Einstiegschancen bieten.
Diese Zuversicht ergibt sich aus einer Betrachtung vergangener Krisenszenarios in Emerging Markets. Lediglich politische Umstürze gefolgt von Enteignungen und Schließungen der Börse und der Beginn langjähriger Kriege stellen eine nachhaltige Vermögensvernichtung am Aktienmarkt dar. In den anderen Krisenfällen gab es Kaufgelegenheiten. Ein klassisches Beispiel, das viele Elemente von Schwellenländerkrisen kombiniert und auch einige Parallelen zur aktuellen Dubai-Krise aufweist, ist die Asienkrise, von der eine ganze Region betroffen war:

Die Asienkrise 1997/98

Die Liberalisierung der Finanzmärkte löste einen regelrechten Kredit- und Investitionsboom im asiatischen Raum aus, der insbesondere in Indonesien, Thailand und Korea durch Korruption und Vetternwirtschaft zu einer Fehlallokation von Kapital führte. Dies in Kombination mit einer durch Inflationsdifferenzen zu westlichen Ländern bedingten realen Währungsaufwertung und somit in der Folge hohe Handelsbilanzdefizite waren der Nährboden der darauffolgenden Kontraktion. Im südostasiatischen Raum lag in den 90er-Jahren das Wachstum des Kreditvolumens im Schnitt um 8 bis 10 Prozentpunkte über den Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts (BIP), woraus ein Liquiditätsüberschuss für Aktien- und Immobilienspekulationen resultierte. Die Folge war ein Anstieg der Aktien- und Immobilienpreise um das bis zu Vierfache. Die teuren Immobilien dienten dabei sogar als Sicherheiten für Aktienkäufe. Ende 1997 lag der Anteil durch Immobilien besicherter Kredite in Thailand, Indonesien und Malaysia zwischen 25 und 40 Prozent (normalerweise 15 bis 20 Prozent) der Gesamtkreditvergabe. Vor allem in thailändischen Metropolen boomte der Immobilienmarkt. Anfang der 90er-Jahre wurden sogar Preissteigerungen von bis zu über 40 Prozent p.a. registriert. Die Börsenkapitalisierung Malaysias erreichte in bes­ten Zeiten das dreieinhalbfache BIP und quer durch den asiatischen Raum boomten die Börsen.
Die Höhe der Auslandsschulden hätte den einzelnen boomenden Ökonomien keinen größeren Schaden zugefügt, denn das Wirtschaftswachstum war enorm und die Bedienung von Staats- und Unternehmensschulden stellte im Grunde genommen keinerlei Probleme dar. In der Zeit von 1987 bis 1995 verzeichnete Thailand ein Wirtschaftswachstum von 10 Prozent p.a. und es gab kontinuierliche Haushaltsüberschüsse. Koreas Auslandsverschuldung von nur 22 Prozent bzw. ein gesamter Schuldendienst in Relation zu den Exporterlösen von lediglich 7 Prozent verdienten das Zertifikat „Musterschüler“.

Lesen Sie den gesamten Artikel in der Printausgabe.

Autor: Michael Kordovsky

diese Seite drucken | zurück an den Seitenanfang

Aktuelle Magazine

Aktuelle Ausgabe
Juli/August 2010


eco.nova
Das Wirtschaftsmagazin
mehr dazu

Aktuelle eco.nova SPEZIAL:
LIFESTYLE
mehr dazu

Aktuelle eco.nova SPEZIAL:
TIROL IM SOMMER
mehr dazu

eco.nova SPEZIAL
ARCHITEKTUR
mehr dazu

eco.nova SPEZIAL
LIFESTYLE & WOHLFÜHLEN
mehr dazu

eco.nova SPEZIAL
RECHT
mehr dazu

eco.nova SPEZIAL
KAPITAL GESUNDHEIT
mehr dazu

eco.nova SPEZIAL
BAUEN UND WOHNEN
mehr dazu

eco.nova SPEZIAL
KUNST
mehr dazu

eco.nova SPEZIAL
KULINARIUM
mehr dazu

eco.nova SPEZIAL
IT IN TIROL
mehr dazu

eco.nova SPEZIAL
FINANZMAGAZIN
mehr dazu

eco.nova SPEZIAL
NOTARE
mehr dazu

Archiv/Suche

Geben Sie bitte hier den gewünschten Suchbegriff ein!