Der Schatzsucher.
Publikation: Wirtschaftsmagazin | Ausgabe: Februar 2010 | Ressort: eco.wirtschaft | Datum: 5.2.10
Aufgrund von Verlusten im Jahr 2008, Problemen bei der Quoten-Einhaltung der Tiroler Milchbauern und der Milchpreisauszahlung unter dem österreichischen Durchschnittspreis ist die Tirol Milch in die medialen Schlagzeilen gekommen. eco.nova sprach mit dem neuen Tirol-Milch-Geschäftsführer Carl-Albrecht Benker über die Neuausrichtung der Tirol Milch und geplante Strategien und Innovationen.
eco.nova: Herr Benker, Sie wurden Ende August 2009 aus über 200 internationalen Bewerbern zum Geschäftsführer der Tirol Milch gewählt. Was macht für Sie als langjähriger Branchenkenner den besonderen Reiz dieser Aufgabe aus?
Carl-Albrecht Benker: Die Tirol Milch hat für mich einfach ein großes Potenzial. Meine Aufgabe ist es, diesen Schatz zu heben und die Produkte national und international bekannter zu machen. Die genossenschaftliche Organisation der Tirol Milch ist in meinen Augen ein weiterer Pluspunkt. Ich arbeite für die Bauern, die unmittelbar mit dem Unternehmen verbunden sind, und nicht für anonyme Eigentümer, wie zum Beispiel bei einer Aktiengesellschaft. In Tirol lässt sich das Credo „Global denken, regional handeln“ hervorragend umsetzen. Nehmen wir zum Beispiel den weltweiten Trend zu Naturprodukten. Die traditionelle Landwirtschaft in Tirol bietet die besten Grundlagen für die Herstellung von natürlichen, qualitativ hochwertigen Lebensmitteln. Die Tirol Milch hat gute Chancen, sich auch international als Anbieter solcher Premium-Naturprodukte durchzusetzen.
Nach Verlusten von über 5 Mio. Euro im Jahr 2008 wird für das abgeschlossene Jahr 2009 ein Jahresüberschuss erwartet (geplante Bekanntgabe Ergebnis bei Bilanzpressekonferenz Frühjahr 2010). Wodurch konnte dieser „Turnaround“ so schnell erreicht werden und wie nachhaltig ist er?
In den vergangenen Monaten wurden alle Bereiche des Unternehmens intensiv analysiert. Wir haben erste fundamentale Schritte gemacht, um Prozesse im Unternehmen zu optimieren und Ressourcen besser zu nutzen. Zum Beispiel haben wir unrentable Produkte aus dem Sortiment genommen und intern erstmalig ein professionelles Controlling eingeführt. Zur Ergebniswende beigetragen haben auch neue Einkaufsstrukturen und eine erhöhte Produktionseffizienz. Es sind viele einzelne Stellschrauben, an denen wir arbeiten. Und die Summe all dieser Maßnahmen und die Planungen für die Zukunft werden die Ertragsstärke der Tirol Milch nachhaltig verbessern.
Aufgrund der bisher erfolgten internen Optimierungen der Tirol Milch im Rahmen ihrer Neuausrichtung „Zusammen Zukunft machen“ profitieren die rund 4000 Milchbauern der Tirol Milch seit Jänner von einer siebenprozentigen Milchpreiserhöhung von 28 auf 30 Cent/kg Milch. Ist für 2010 eine weitere Erhöhung des Milchpreises und damit Annäherung an den österreichischen Durchschnittspreis geplant?
Wir wollen unseren Bauern stets den bestmöglichen Preis zahlen, der im Milchmarkt möglich ist. Die Annäherung an den durchschnittlichen österreichischen Milchpreis ist unser erklärtes Ziel. Klar ist jedoch auch, dass wir das Geld auf den Absatzmärkten erst verdienen müssen. Deshalb: Die Umsetzbarkeit hängt einerseits von der Lage auf dem Milchmarkt und andererseits vom weiteren Unternehmensfortschritt der Tirol Milch ab.
Es ist aber nicht zielführend, nur auf den Milchpreis zu starren, wir müssen auch andere kreative Möglichkeiten entwickeln, um die Bauern bestmöglich zu unterstützen. Deshalb bieten wir unseren Mitgliedern zum Beispiel auch eine Hofberatung an, die zur Verbesserung ihrer Betriebsergebnisse beitragen soll. Diese Hofberatung wollen wir auch gezielt ausbauen.
Die Quoten-Einhaltung bzw. Milch-Überlieferung der Tiroler Milchbauern (die Milchkontingentierung wird 2015 von der EU aufgehoben) stellte 2009 ein Problem dar. Wie wollen Sie das künftig regeln?
Fest steht, dass wir einen größeren Teil der angelieferten Milch nicht mehr in den Versandhandel geben wollen, sondern mit einem Programm zur Verwertungsoptimierung einen steigenden Anteil zu hochwertigen Produkten veredeln möchten. Dies geschieht in Anlehnung an unsere Strategie, dass wir unsere Absatzmärkte zukünftig erweitern wollen. Die eben angesprochene Hofberatung erfüllt dabei einen weiteren Aspekt, denn wir möchten uns auch darum kümmern, wie wir intelligente Anpassungsmechanismen für die Erzeugungsmenge pro Betrieb und Milchsorte entwickeln können.
Bei Ihrer Pressekonferenz Ende 2009 haben Sie das begonnene Jahr 2010 insgesamt als Jahr der Neuausrichtung und Transformation bezeichnet. Was bedeutet das konkret?
Ziel der Neuausrichtung ist es, die Tirol Milch in nachhaltiger Weise auf ein profitables Fundament zu stellen und die Qualitätsführerschaft unserer Produkte, wie Milch, Käse, Joghurt und der Marke Lattella, auszubauen. Wir können den Absatz von Top-Naturprodukten aus Tirol in Österreich intensivieren und noch internationaler werden. Auch das Thema Innovationen gehen wir gezielt und strukturiert an. Ich bin zuversichtlich, dass wir bei all den anstehenden Aufgaben auch 2010 erneut einen großen Schritt weiterkommen werden. Nehmen Sie etwa das Thema neue Absatzmärkte. Wir stellen jetzt für Danone ein Produkt für den italienischen Markt her. Ein Zeichen dafür, dass die Qualität der Tirol Milch auch in anderen Ländern geschätzt wird.
Mit Ihren qualitativ hochwertigen, frischen und ab Jänner 2010 ausschließlich gentechnikfreien Produkten entsprechen Sie dem weltweiten Megatrend der Premium-Naturprodukte. Mit welchen Maßnahmen wollen Sie eine optimierte Nutzung dieses Trends für die Tirol Milch erreichen?
Das geht natürlich nicht ohne eine offensive Vermarktung, die dem Verbraucher eindeutig zeigt, welche besondere Qualität er von Tirol Milch einkauft. Wir haben deshalb vorgesehen, das Marketingbudget 2010 zu erhöhen. Verschiedene Maßnahmen und Projekte sind derzeit schon in der Planung. Ich rechne damit, dass wir unser ausgeweitetes Marketing ab Mitte des Jahres der Öffentlichkeit vorstellen können. Wir werden unter anderem die Verpackungen in unserer Gastro-Linie ändern und arbeiten an Convenience-Produkten.
Was ist Ihre mittelfristige Strategie für die Tirol Milch? Wo möchten Sie in fünf Jahren stehen?
Mein Ziel ist es, dass die Tirol Milch dann ein völlig neu ausgerichtetes, wirtschaftlich stabiles Unternehmen mit starker Ertragskraft ist, das national und international bekannt ist. Die starken Fundamente des Unternehmens sind die Marken Tirol Milch und Lattella, die mit weiteren Innovationen aufwarten können. Damit einher geht das Ziel, eine wertvolle Marke durch ihren gezielten Aufbau zum Botschafter unseres Landes zu machen.
Autor: Barbara Liesener
Foto: Florian Schneider













