Initiative Anti-Burn-out – wenn Arbeit Spaß macht
Publikation: Wirtschaftsmagazin | Ausgabe: Feber 2012 | Ressort: eco.gesundheit | Datum: 2.2.12

Genug von Burn-out, Stress und Frust? Dann sind Sie hier richtig: Wir widmen uns dem Spaß im Leben, der Arbeit. Denn wer sagt, dass Arbeit nicht Spaß sein kann? Arbeit macht nicht zwangsläufig krank, sondern kann – wenn richtig gewählt – auch das Gegenteil bewirken und glücklich machen. Vielleicht aber sitzen Sie im falschen Büro? Oder stimmen die Rahmenbedingungen nicht? Vielleicht macht der Job so viel Spaß, dass man doch Gefahr läuft, andere Lebensinhalte zu vernachlässigen? Hier ein paar Anlässe zur kritischen Selbstreflexion – mit literarischem Abschluss bzw. Ausblick ...
Redakteure des Radiosenders NDR1 Welle Nord machen sich für die Sendung „Mehr Spaß am Arbeitsplatz“ regelmäßig auf den Weg, um Menschen zu ihrer Arbeit zu befragen: „Vormittags kommen wir zu Ihnen – ins Büro, in die Bäckerei, in den Friseursalon und in die Werkstatt. Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit? Haben Sie sich über etwas besonders gefreut oder vielleicht auch geärgert? Erzählen Sie uns über Ihre Arbeit, lassen Sie Ihrem Ärger über die zuletzt missratene Dauerwelle freien Lauf oder bedanken Sie sich einfach mal bei Ihren netten Kollegen. Und dazu können Sie sich auch noch Ihre Lieblingshits wünschen!“ Wunderbar. Haben Sie sich schon gefragt, was Ihnen an Ihrer Arbeit gefällt? Oder worüber Sie sich zuletzt besonders gefreut haben? Und wie viel Platz hat der Lieblingshit – also der Spaß – in Ihrem Arbeitsalltag? Arbeit muss nämlich nicht zwangsläufig krank machen und zum Burn-out führen, sondern kann auch Glück bringen und Sinn stiften. Dafür sind natürlich verschiedene Voraussetzungen notwendig, einen großen Teil können wir aber auch selbst zu unserem Glück beitragen.
Carpe vitam!
Wofür wir uns im Leben alles Zeit nehmen: Für 23 Jahre Schlaf, 7 Jahre für Nahrungsaufnahme, 4,1 Jahre verbringen wir mit Körperpflege und 2 Jahre sitzen wir in der Badewanne. 1,45 Jahre vertelefonieren wir (140 Tage davon hängen wir in der Warteschleife), Männer widmen 380 Tage ihres Lebens ihren Hobbys, Frauen 152 Tage. Gemeinsam aber lachen wir durchgehend 11 Tage lang. Insgesamt 7 Jahre verbringen wir in der Arbeit, 8 Monate davon werfen wir Spam-Mails in den Papierkorb. Etwa 13 Prozent unserer Arbeitszeit verbringen wir mit Suchen, das sind durchschnittlich 6 Wochen im Jahr für die Suche nach Notizen, Rechnungen, Schriftstücken, E-Mails usw. So gefunden auf der Website love your life. Das gibt zu denken. 140 Tage Warteschleife und 8 Monate Spam-Mails vernichten – da kann man nicht von einem erfüllten Zeitvertreib sprechen. Die viel zitierten Zeiträuber sind Stressverursacher und schnellstens zu vermeiden, dafür allerdings müssen sie erst einmal ins Bewusstsein rücken. „Das beginnt mit der Selbstwahrnehmung: Was stresst mich? Menschen im Hamsterrad müssen erkennen, dass Dinge veränderbar sind und gar nicht unbedingt ein Jobwechsel notwendig ist, um manches zu ändern“, erklärt Coach und Supervisorin Mag. Christina Arnold. „Je mehr wir unter Termindruck stehen, desto mehr fühlen wir uns getrieben und umso mehr haben wir das Gefühl, keine Zeit zu haben – für uns selbst, für Wesentliches, fürs Leben. Wir können nur eines dagegen tun: langsamer werden. Eine alte Weisheit formuliert es so: ‚Wenn Du es eilig hast, gehe langsam’.“ Die Expertin gibt praktische Tipps, die jeder einhalten kann: „Finden Sie Ihre Tagesstruktur, indem Sie Pausen machen, sich für körperliche Bedürfnisse wie für die Toilette auch die Zeit nehmen, legen Sie eine fixe Mittagspause ein. Wenn Sie zu sehr ins Gedränge kommen, gehen Sie auch mal außer Haus für kurze Zeit, das alles hilft dabei, die Hektik zu verlangsamen.“
Der Weg zur erfüllenden Arbeit
Der Traumjob setzt schon als Begriff hohe Maßstäbe. Voraussetzung dafür allerdings ist, dass man selbst es erst einmal für möglich hält, eine Tätigkeit zu finden, die zufrieden macht. Jeder kennt Beispiele von Menschen, die eine erfüllende Arbeit gefunden haben. Vielleicht ist es die Selbständigkeit, vielleicht muss man zuerst einige Arbeitsplätze ausprobieren bis zum richtigen, oder aber man verändert im bestehenden Job so lange kleine und große Dinge, bis man zufrieden ist. „Auf dem Weg zur erfüllenden Arbeit treffen wir zuerst einmal die Entscheidung zur Ausbildung – also welche Tätigkeit liegt mir überhaupt? – und später die Entscheidung, welchen Platz im Unternehmen ich einnehmen möchte, um mich optimal entfalten zu können. Für Ersteres gibt es verschiedene Tests, die ein realitätsnahes Bild der persönlichen Kompetenzen und Neigungen zeichnen und daher zur Orientierung gut geeignet sind. Meine Berufung entdecke ich, indem ich mich selbst besser kennenlerne, und dazu gehört, manche Dinge einfach auszuprobieren, eigene Erfahrungen zu machen“, erklärt Christina Arnold.
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Autor: Ulrike Delacher
Foto: iStockphoto













