Von Knickerbockern zur Hightech-Hose
Publikation: Wirtschaftsmagazin | Ausgabe: Feber 2012 | Ressort: eco.wirtschaft | Datum: 2.2.12
Fast schon als Relikt präsentiert sich das Unternehmen Astri in Ötztal-Bahnhof. Während andere Textilproduzenten ihre Produktion schon längst in Niedriglohnländer ausgelagert haben, hält Astri mit einem Großteil seiner Modelle erfolgreich mit heimischen Näherinnen am Standort Tirol fest. Ein außergewöhnlicher Familienbetrieb an einem außergewöhnlichen Standort mit einer außergewöhnlichen Philosophie.
Die Geschichte des bald sechzigjährigen Familienunternehmens Astri ist abwechslungsreich und durchaus spannend. Eingebettet im Föhrenwald von Ötztal-Bahnhof, umgeben von Einfamilienhäusern, scheint das Betriebsgebäude auf den ersten Blick fast unscheinbar, doch beherbergt es seit Jahrzehnten zahlreiche fleißige Näherinnen, die auch heute noch an die 30.000 hochwertige Outdoor-Produkte pro Jahr in Präzisionsarbeit von Hand fertigen. Da am Standort Ötztal-Bahnhof nicht alle Modelle gefertigt werden können, helfen Partnerbetriebe in Österreich und Slowenien dem Familienunternehmen aus. „Wir haben uns auf den funktionellen Nischenbereich spezialisiert“, lässt uns Seniorchef Helmut Strigl wissen und erklärt auch warum: „Die Konkurrenz ist riesig, jedoch in unserem Spezialbereich wiederum relativ. In Österreich gibt es fast keine freien Sporthändler mehr, fast alle sind Filialisten oder gehören einem Verband an. Die kaufen keine Waren, sondern Konditionen, und da können und wollen wir nicht mitspielen.“ Und so hat sich im kleinen Örtchen Ötztal-Bahnhof über Jahrzehnte ein Familienbetrieb behauptet, der sich durch stetige Innovationen und hohe Qualitätsstandards im Inland wie im Ausland einen Namen gemacht hat. Insider setzen auf Astri-Modelle, sowohl im Outdoor-Bereich als auch im stetig wachsenden Jagdbekleidungssegment.
ASTRI HUNT auf Erfolgskurs
Ein weiterer Schritt in Richtung Spezialisierung war die Entscheidung, den Jagdbereich zu forcieren. Denn hier sind hohe Qualität, besondere Stoffe und Stoffkombinationen, hoher Tragekomfort und auch Sondergrößen besonders gefragt. In diesem Bereich können große Hersteller nicht mithalten.
Ganze Kollektionen aus hochwertigsten Materialien überzeugen Jäger im ganzen Land von Bregenz bis Wien, von Bayern bis Norditalien und in der Schweiz. Ob traditioneller Loden, Loden vermischt mit Stretch oder Kunstfaser oder überhaupt neueste Hightech-Materialien, Weidmänner finden bei Astri eine große Auswahl an verschiedensten Modellen. Der große Vorteil: Astri bietet neben gängigen Größen auch sämtliche Sondergrößen, sowohl im Outdoorbereich als auch bei der Jagdbekleidung.
Kundenpflege statt Expansion
Die Strategie des Familienbetriebes entspricht zwar nicht den gängigen Normen der derzeit herrschenden Gewinnmaximierung um jeden Preis, sondern stellt erfreulicherweise bestehende Kundenbeziehungen in den Mittelpunkt. „Wir können und wollen nicht als Global Player auftreten und arbeiten in diesem Sinne auch nicht expansiv. Wir wollen laufend unsere Kundenbeziehungen pflegen und verbessern“, so Helmut Strigl über die strategische Ausrichtung. „Im Gegensatz zu großindustrieller Fertigung können wir kundenspezifische Wünsche erfüllen, kleine Serien produzieren, eine Vielzahl an Größen pro Serie nähen. Wir fertigen immer mehr Sondermodelle für Feuerwehren, Rettungen oder sonstige öffentliche Institutionen oder Vereine an“, freut sich auch Junior-Chef Clemens Strigl – seit 1996 mit an der Führungsspitze – über boomende Absatzquellen.
Dennoch könnte das Unternehmen ohne Export mittlerweile kaum mehr überleben. „Vor allem Japan ist nach wie vor ein sehr interessanter Markt für uns. Hier fahren wir mit einer etwas konservativen, aber funktionellen Linie, denn die Japaner tragen diese funktionelle Bekleidung auch im Alltag, nicht nur bei sportlichen Aktivitäten“, erläutert Helmut Strigl.
Lesen Sie das gesamte Firmenporträt in der Printausgabe.
Autor: Doris Penna
Foto: Julia Türtscher













