Vielfalt statt Einfalt
Publikation: Wirtschaftsmagazin | Ausgabe: Feber 2012 | Ressort: eco.wirtschaft | Datum: 2.2.12
Es gibt einen Wirtschaftspreis in Österreich – den in Tirol so gut wie niemand kennt: den Meritus Award. Diese kleine wie feine Auszeichnung erhalten Firmen, die sich im Rahmen ihres Diversity-Managements bewusst um lesbische und schwule Mitarbeiter kümmern. Abermals glänzte Tirol bei der Verleihung durch Abwesenheit und das nahm eco.nova als Anlass zum Fragen und wünscht gute Unterhaltung mit den Antworten.
Alle Menschen sind gleich: vielleicht vor dem Gesetz, aber nicht am Arbeitsplatz. Dort gibt es zwischen den Mitarbeitern zahlreiche Unterschiede und wer diese alle schön auseinanderdividiert, landet beim Diversity-Management. Wie es ganz genau funktioniert, weiß Norbert Pauser. Der Unternehmensberater beschäftigt sich schon viele Jahre mit dem Thema und im Interview erklärt er die Essentials dieser Philosophie der großen Personalabteilungen. Auch die sexuelle Orientierung der Mitarbeiter stellte eine sogenannte Dimension dar und an sie richtet sich der Meritus Award. Initiiert wurde dieser Unternehmenspreis von zwei Vereinen und Netzwerken, die gezielt die Interessen homosexueller Führungskräfte und Unternehmer im Land wahrnehmen und vertreten. Die Queer-Business-Women repräsentieren lesbische Frauen und agpro ist die Abkürzung für „Austrian Gay Professionals“, das Pendant für die schwulen Business-Men in Österreich. Beide Organisationen dienen intern der Netzwerkerei, organisieren extern Workshops für interessierte Firmen und registrieren mit feinen Antennen, welche Ansätze oder Strategien die Arbeitgeber in Österreich wählen gegen die potentielle Diskriminierung homosexueller Mitarbeiter und welche Angebote sie den jeweiligen Gruppen unterbreiten.
Wien, Wien, nur du allein
Wie üblich ist auch bei diesem Thema die private Wirtschaft den öffentlichen Dienstgebern einen großen Schritt voraus – außer in Wien. Die Hauptstadt präsentiert sich nicht nur den Touristen gegenüber bewusst homosexuellenfreundlich, sondern engagiert sich auch für die Bewohner der Metropole. Die Wirtschaftskammer unterhält ein eigenes Referat, übernahm 2011 die Schirmherrschaft für den Meritus Award und die Zentralen der großen Konzerne üben sich hier im Diversity-Management. Wie die Bank Austria. Dort streitet Leopoldine Faber im Department Identity & Communication als Diversity-Managerin für die Entfaltungsfreiheit der österreichischen Mitarbeiter unter dem Dach des UniCredit-Konzerns. Für die Etablierung der ersten „Rainbowgroup“ im Hause der Bank Austria nahm sie im vergangenen Herbst den Meritus Award entgegen. Zur Erinnerung: Das ist besagter Preis, für den es aus Tirol nicht einmal eine einzige Einreichung gab.
Dafür kann es natürlich verschiedene Gründe geben: an erster Stelle die Struktur der Unternehmen. Tirol ist das Land der Ein-Personen-Unternehmen (EPU) sowie der Klein- und Mittelunternehmen (KMU) und dadurch sind die Horizonte und Perspektiven der jeweiligen Personalabteilungen doch stark geprägt vom Wesen der Chefs. Was die Sache nicht unbedingt erleichtert, weder für die Chefs noch für die Mitarbeiter. Einerseits. Andererseits werden so sensible Themen vielleicht gleich im Vorhinein völlig anders behandelt, eben weil man sich menschlich nahe steht, einander vertraut ist und keine anonyme Verwaltung für den Ausgleich der Interessen sorgen muss. Christian B. könnte so ein Chef sein – erfolgreicher Handwerksmeister, schwul, geoutet und einzige Speerspitze der agpro im weiten Westen von Österreich – aber trotzdem mit dem Wunsch nach Anonymität, dem wir natürlich nachkommen ...
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Autor: Stefan Becker













