Durchwachsen Bilanz 2009.
Publikation: Wirtschaftsmagazin | Ausgabe: Juni 2010 | Ressort: top.500 | Datum: 31.5.10
Unterschiedlich fielen die Ergebnisse der heimischen Banken im abgelaufenen Jahr aus. Während sich einige über teilweise deutliche Ergebniszuwächse freuen durften, sorgten bei anderen Wertberichtigungen und Risikovorsorgen in Rekordhöhe für weniger positive Ertragszahlen. Alles in allem sind die heimischen Banken aber sehr gut durch die Krise gekommen und nahmen ihre Funktion als Kreditversorger in der Region durchaus wahr.
Im zweiten Jahr nach Ausbruch der Finanzkrise wurden nun die Schwächen unterschiedlicher Geschäftsmodelle von Banken deutlich sichtbar. Sorgten 2008 riskante Veranlagungen im Eigenhandel und im Derivate-Bereich für Abschreibungen und Wertberichtigungen, so erhöhten im vergangenen Jahr schlagend gewordene Kreditrisiken den Risikovorsorgebedarf – beides mit den gleichen negativen Auswirkungen auf das Jahresergebnis der heimischen Banken. Verschärft wurde diese Situation durch die internationalen Bewertungsregeln (IFRS), die in den vergangenen Jahren Bewertungserträge in allen Bereichen zuließen, die im Verlauf der Krise zu massiven Bewertungsverlusten geführt haben, so Gerhard Schwaiger, Obmann der Sparte Banken und Versicherungen in der Wirtschaftskammer Tirol. Die Scheingewinne der letzten Jahre schmolzen dadurch wie der Schnee in der Frühjahrssonne. Übertriebene Expansion und die Jagd nach immer höheren Erträgen – bei einer teilweise zu geringen Eigenkapitaldecke – habe so manche (Groß-)Bank auf kaufmännische Prinzipien vergessen lassen, so Schwaiger.
Anders sieht dagegen das Geschäftsmodell der von Schwaiger gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen Anton Fuchs und Markus Hörmann geführten Volksbank Tirol Schwaz AG aus. „Unsere Spareinlagen kommen aus der Region und unsere Kredite fließen in die Region Tirol. Mit diesem einfachen Geschäftsmodell konnte die Volksbank Tirol Schwaz AG ihr Betriebsergebnis 2009 um 3,9 % auf 12,4 Millionen Euro steigern. „Zwar hat es 2008 aufgrund der Veränderung der Zinssituation, nicht aber wegen des Ausfalls von Schuldnern (wie bspw. Lehman oder isländische Banken) Bewertungsverluste bei der Eigenveranlagung gegeben. Diese haben sich 2009 aber großteils erholt und schlagen sich mittlerweile mit deutlichen Reserven zu Buche“, so Schwaiger. Trotzdem ist der Tiroler Bankboss mit dem abgelaufenen Jahr alles andere als glücklich, verhagelte ihm doch die 50-Prozent-Abwertung des Anteils an der Österreichischen Volksbanken AG das Jahresergebnis um mehr als 11 Millionen Euro, sodass die Tiroler Volksbank nur mehr einen mageren Gewinn von 1,1 Millionen Euro nach Steuern und Wertberichtigungen ausweist. „Nichtsdestotrotz ist die Volksbank Tirol Schwaz AG mit einer Eigenmittelquote von 22,1 % und einer Kernkapitalquote von ebenfalls über 20 % eine der am besten aufgestellten Banken in Österreich“, so Schwaiger nicht ohne Stolz. Ärger bereitet Schwaiger auch die seitens der Regierung und EU diskutierte Bankensteuer, die mit den Regionalbanken definitiv die Falschen treffe und diese wichtige Stütze der heimischen Wirtschaft schwäche.
Ebenfalls einen Kratzer abbekommen hat das Ergebnis der Hypo Tirol Bank AG. Hier waren es vor allem Wertberichtigungen in Rekordhöhe von 72,5 Millionen Euro, die das Ergebnis auf knapp über zwei Millionen Euro (vor Steuern) zusammenschrumpfen ließen. „Nichtsdestotrotz konnten wir unsere Aufgabe als Tiroler Landesbank voll erfüllen – über 550 Millionen Euro wurden der Tiroler Wirtschaft und Privatkunden zur Verfügung gestellt“, erklärte Vorstandssprecher Werner Pfeifer, der bis zur Bekanntgabe eines neuen Vorstandsvorsitzenden diese Funktion vom mit Jahresende ausgeschiedenen Hannes Gruber übernommen hat. Diese positive Sicht teilt auch der scheidende Aufsichtsratsvorsitzende Helmut Mader: „Die Hypo Tirol Bank ist heute das größte Geldinstitut in der Europaregion. Sie ist gut aufgestellt und vor allem eine Bank mit hoher Liquidität. Das ist jetzt wichtiger denn je und hat dafür gesorgt, dass wir bisher mit wenigen Schrammen durch die Krise gekommen sind.“ So blieb die Hypo Tirol Bank auch 2009 der starke Partner der heimischen Wirtschaft: „Jedes zweite Großunternehmen und jedes dritte mittelständische Unternehmen steht heute in Geschäftsbeziehung zur Hypo Tirol Bank. Zudem ist jedes vierte Hotel und jede zweite Tiroler Bergbahn Hypo- Kunde. Und last, but not least pflegen nicht weniger als 70 Prozent der Tiroler Gemeinden Geschäftsbeziehungen zur Landesbank, weiß Vorstandskollege Günther Unterleitner.
Insgesamt stieg das Ausleihungsvolumen bei der Hypo Tirol Bank im abgelaufenen Jahr um 3,9 % auf
7,2 Milliarden Euro an. Davon entfallen 75 % auf Firmenkunden. Pfeifer: „Diese deutliche Zunahme beweist auch, dass es die viel diskutierte Kreditklemme bei der Hypo Tirol Bank nicht gibt.“ Und auch im Privatkundengeschäft sind die Ausleihungen gestiegen, insbesondere im Wohnbaubereich, so Pfeifer. Ausgesprochen stark – um 24,4 % – auf 161 Millionen Euro gestiegen sind im Berichtsjahr die Betriebserträge – dies ist der beste Abschluss der vergangenen fünf Jahre. Gestiegene Aufwendungen, aber wie schon berichtet insbesondere die hohe Risikovorsorge – u.a. auch durch den Einzelfall M-Solar in Bayern bedingt – verhinderten aber ein besseres Ergebnis. Auch heuer hat die Hypo konjunkturell bedingt ihre Risikovorsorge im Kreditbereich mit 50 Millionen Euro hoch dotiert. Diese sei aber bewusst vorsichtig kalkuliert und müsse nicht unbedingt schlagend werden, so Pfeifer.
Einen exakt gegenläufigen Verlauf zur Landesbank zeigt der Ergebnisverlauf der Tiroler Sparkasse Bank AG. Nachdem das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit 2008 krisenbedingt durch hohe Wertberichtigungen auf 2,3 Millionen Euro gedrückt wurde, konnten wir es im vergangenen Jahr auf 9,5 Millionen Euro mehr als vervierfachen“, freut sich Sparkassen-Vorstand Markus Jochum. Gleichzeitig hat aber auch die Tiroler Sparkasse die Risikovorsorgen im Kreditbereich deutlich erhöht – ein Hinweis, dass auch aus Sicht der Tiroler Sparkasse die Wirtschaftslage trotz der Trendwende noch nicht als stabil einzustufen ist. Auch die Betriebserträge gingen nach dem historischen Höchstwert 2008 nur leicht um 1,8 % auf 105 Millionen Euro zurück. Da auch die Betriebsaufwendungen deutlich gesenkt werden konnten, legte das Betriebsergebnis nochmals kräftig um 35 % auf 33,6 Millionen zu. Besonders erfreulich ist die hohe Kundenzufriedenheit der Sparkassenkunden in ihrer Region. So erhält die Sparkasse in einer repräsentativen Umfrage die besten Branchenwerte in puncto Sympathie – 39 % der Befragten finden die Sparkasse besonders sympathisch – und bei der Kundenzufriedenheit erhält die Sparkasse eine Note von 1,36 nach dem Schulnotensystem. „Zweifellos hat das Image der gesamten Finanzbranche in den letzten zwei Jahren massiv gelitten. Trotzdem registrieren wir aber, dass die Kunden sehr wohl zwischen ihrem vertrauten Geldinstitut in der Region und den internationalen Finanzspekulanten und Investmentbanken unterscheiden“, so Jochum, und nimmt dieses Ergebnis zum Ansporn, „das Vertrauen der Kunden mit der täglichen Arbeit zu rechtfertigen“.
Sehr gut aufgestellt sieht Jochum die Tiroler Sparkasse auch in puncto Eigenkapital, mit einer Kernkapitalquote von 11,54 %. „Mit dieser mehr als soliden Eigenkapitalausstattung ist die Tiroler Sparkasse auch im Licht der bevorstehenden regulatorischen Änderungen, etwa durch Basel III, bestens gerüstet.“ Positive Geschäftszahlen für 2009 präsentierte auch die Raiffeisenlandesbank Tirol AG im Rahmen ihrer Bilanzpressekonferenz. Das Spitzeninstitut des Tiroler Raiffeisensektors weist für das Geschäftsjahr 2009 eine Bilanzsumme von 7,3 Milliarden Euro (+ 9,7 %) aus. Die Betriebserträge stiegen gegenüber 2008 um 3,2 Prozent auf 114,16 Millionen Euro. Die Betriebsaufwendungen erhöhten sich auf 72,83 Millionen Euro. Daraus resultiert ein Betriebsergebnis von 41,33 Millionen Euro – das zweitbeste in der Unternehmensgeschichte. Trotz des äußerst schwierigen Umfelds konnte das EGT um fast elf Prozent auf 16,71 Millionen Euro gesteigert werden. Ähnlich wie alle anderen Banken hat auch die RLB Tirol die Kreditrisikovorsorge um 58 % auf 24,11 Millionen Euro deutlich erhöht.
Im abgelaufenen Jahr betreuten die Mitarbeiterinnen der RLB Tirol AG mehr als 72.500 Kunden. Das Geschäftsvolumen betrug rund 4,86 Milliarden Euro. Wie im Jahr zuvor verzeichnete die Bank auch im abgelaufenen Jahr einen Zuwachs bei den Kundeneinlagen um 6,5 Prozent auf 1,335 Millionen Euro, was Vorstandssprecher Hannes Schmid insbesondere auf das erhöhte Sicherheitsbedürfnis der Tirolerinnen und Tiroler zurückführte, bei dem die RLB „neuerlich sehr stark punkten konnte“.
Deutlich steigern konnte man auch das Geschäft mit Konsumkrediten im Privatkundenbereich. Durch ein neues Produktangebot stiegen die Konsumfinanzierungen um 60 Prozent.Aber auch als Partner der Tiroler Wirtschaft hat die RLB ihre Position behauptet. „Zwar werde oft versucht, eine Kreditklemme herbeizureden, die Zahlen für 2009 unterstreichen aber neuerlich, dass es diese bei Raiffeisen nachweislich nicht gibt“, so der für Kommerzkunden zuständige Vorstand Hans Unterdorfer. So stiegen die Ausleihungen im Kommerzkundenbereich um 3,9 % auf erstmals deutlich über zwei Milliarden Euro. Die Aktionäre der RLB Tirol – zu 99 %
die Tiroler Raiffeisenbanken – erhalten heuer eine Dividende von acht Prozent beziehungsweise 80 Euro je Aktie.
Ebenfalls über das zweitbeste Ergebnis der Firmengeschichte freuten sich Peter Gaugg und Matthias Moncher anlässlich der Präsentation ihres Bilanzergebnisses. Mit einem Jahresüberschuss vor Steuern von 51,3 Millionen Euro hat die Bank für Tirol und Vorarlberg „das wirtschaftlich schwierigste Jahr nach dem Zweiten Weltkrieg“ gut überstanden, erklärten die beiden Vorstände unisono. Auch die BTV ist ihrem Ziel, die Wirtschaft in der Region bestmöglich zu unterstützen, nachgekommen. So habe man das hohe Kreditvolumen von 2008 dank einer weiteren Steigerung im Firmenkundenbereich annähernd stabil halten können
(–5,9 %). Vor allem die Spareinlagen konnten massiv gesteigert werden, was einen massiven Vertrauensbeweis seitens der Kunden darstellt, so Gaugg. Trotz vorsichtiger Bilanzierung weist die BTV-Bilanz bei einem Kreditportfeuille von rund 5,5 Milliarden Euro Wertberichtigungen in der Höhe von 44,5 Millionen Euro aus. Für 2010 und 2011 sind pauschal jeweils 10 Millionen Euro eingeplant. – Und das obwohl beziehungsweise „weil wir glauben, dass für die Unternehmen noch eine harte Zeit bevorsteht“, so Gaugg.
Während sowohl der Euro 2009 stark geblieben ist und sich die Finanzmärkte (insbesondere Aktien und Rohstoffe) erholt haben, ist die Realwirtschaft eingebrochen – und das obwohl die staatlichen Hilfs- und Regulierungsmaßnahmen sehr gut funktioniert haben, so Moncher. Differenziert sieht Moncher die neuen Regulierungsmaßnahmen (Eigenmittelvorschriften) der EU. Diese sollten nicht zu streng ausfallen, weil viele Banken keine Kredite mehr vergeben können oder gar abbauen müssten. Umgekehrt könne Europa seine Wirtschaft aber nur über Kredite wieder in Schwung bringen. Keine Probleme sieht Moncher in dieser Hinsicht für die BTV, die mit Eigenmitteln in der Höhe von erstmals mehr als 800 Millionen Euro und einer Kernkapitalquote von
9,4 % sehr gut aufgestellt ist.
Alles in allem stellt auch ÖNB-Regionaldirektor Armin Schneider den Tiroler Bankinstituten ein gutes Zeugnis aus. „Vielleicht war das Modell der Regionalbanken in den letzten Jahren nicht immer besonders sexy, aber in der Krise hat sich gezeigt, dass dieses sehr beständig ist.“ So blieben die Tiroler Institute von größeren Schwierigkeiten infolge der Finanz- und Liquiditätskrise weitgehend verschont und sie kommen auch ihrer Kreditversorgerfunktion in der Region nach wie vor nach. So weist der ÖNB-Bericht für die Tiroler Bankinstitute für 2009 einen Jahresüberschuss nach Steuern von rund 130 Millionen Euro auf und sie trugen damit zu mehr als der Hälfte zum Österreich-Ergebnis (247 Mio. Euro) bei, das durch Großschäden (Hypo Alpe Adria, Kommunalkredit/ÖVAG u.a.) massiv beeinträchtigt wurde. Trotz eines leicht rückgängigen Betriebsergebnisses (–3,2 % auf 368 Mio. Euro) konnte das EGT um 34,6 % auf 179 Millionen Euro gesteigert werden. Vor allem für die Kunden stellt sich die Tiroler Bankenlandschaft als Schlaraffenland dar. So weist Tirol mit mehr als 5.000 Bankstellen eine überdurchschnittlich hohe Bankstellendichte auf. Nichtsdestotrotz – oder gerade wegen dieses hohen Wettbewerbs – sind die Kreditzinsen in Tirol durchschnittlich um einen halben Prozent niedriger als in Restösterreich. Umgekehrt liegt der Einlagenzins nur geringfügig unter dem österreichischen Durchschnitt, der aber auch von Direkt- und Onlinebanken geprägt ist, so Schneider. Auch vor diesem Hintergrund ist das Agieren der Banken am Markt sehr positiv hervorzuheben und man kann den heimischen Instituten zu ihren Erfolgen nur gratulieren.
Die Kennzahlen der Tiroler Banken auf einen Blick finden Sie in der Printausgabe.
Autor: Michael Posselt













