Die Geschichte vom Geben und Nehmen.
Publikation: Wirtschaftsmagazin | Ausgabe: Juni 2010 | Ressort: top.500 | Datum: 31.5.10
Und hier die Gewinner 2010: Die EFM Versicherungsmakler AG erhielt dieses Jahr auf der großen Franchise-Gala in Wien den Award als bester Franchise-Geber, Unimarkt Hagenberg wurde zum besten Franchise-Nehmer gekürt.
Jeder kennt die Marken und täglich kommen neue hinzu: Franchising hat die Firmenwelt verändert, Franchising bietet Vielfalt und Varietät – denn alles funktioniert nach System. Der Monolith der Multiplizität heißt McDonald‘s und besagte Burgerkette ist eigentlich gar keine, denn die einzelnen Glieder in den verschiedenen Ländern arbeiten alle auf eigene Rechnung. Ein europäischer Gigant mit großer Tradition ist das Unternehmen Spar aus den Niederlanden. Sie seien keine Franchiser, heißt es zwar aus der Österreich-Zentrale in Wien, weil sich aber selbständige Kaufleute unter dem Dach der Organisation sammeln und mit System ihre Märkte bestücken und bewerben, seien sie es doch, sagen die Verbände. Und reihen Spar in die erste Franchise-Liga.
Auch Tirol praktiziert intensiv Franchising und bietet beide Seiten des Business: Das kleine Land beherbergt sowohl namhafte Geber wie natürlich auch eine Vielzahl von Nehmern. Die Geber sind die Damen und Herren mit der gewinnbringenden Geschäftsidee, die auf Basis eines Vertrages ein erfolgreiches und erprobtes Konzept an selbständige Partner verkaufen. Das Handelshaus Wedl in Mils gehört mit seiner Systemgastronomie „Testa Rossa caffèbar“ zu den heimischen Gebern und zählt international bereits über 70 Vertragspartner, 500 sollen es einmal werden und stetig kommen neue Standorte hinzu. Wie jüngst im Testmarkt Indien. Dort könnte dann ein so genannter Master-Franchise-Nehmer auf nationaler Ebene die Konzession für den Vertrieb des Systems erhalten und würde sich seine regionalen Partner selbst suchen.Wahrscheinlich wird es nicht mehr lange dauern und dann erscheinen die Cafés made in Tirol mit dem Kaffee aus eigener italienischer Rösterei auch im Ranking des Internetportals www.franchiseeurope.com auf. Kriterium für die Top 500 ist die Zahl der Geschäfte und da rangiert McDonald‘s auf dem 2. Platz mit 31.000 Burgerschmieden hinter der Nummer 1 namens 7-Eleven. Der 24-Stunden-Supermarkt zählt laut Liste 35.200 Läden. Spar liegt mit 17.500 Supermärkten auf dem 5. Rang, gefolgt von Pizza-Hut, den Putzteufeln von Jani-King, Burger King und mit Platz 12 positioniert sich das erste Textilienunternehmen: Mexx aus den Niederlanden bieten 9.000 Stores, Benetton aus Italien begnügt sich mit 5.000 Geschäften (25.), Esprit mit 1.140 Shops belegt den 65. Platz, umzingelt von Intimissimi und Calzedonia.
Benetton besitzt dabei in Tirol eine eigene Tradition, hier erwarb die Familie Bodenseer unter dem Dach des Handelshauses Alois Wild die ersten Lizenzen, später kam die Marke Champion hinzu. „Franchising bietet die Möglichkeit, sich relativ abgefedert und abgesichert in die Selbständigkeit zu begeben, die Marken garantieren eine gewisse Absatzsicherheit, doch hängt der wirtschaftliche Erfolg eben stark vom Vertrag ab, wie hoch die Royalties, Gebühren und Provisionen wirklich sind“, sagt Bodenseer. Als das Label Champion sein aufgesetzt amerikanisches Flair langsam einbüßte, wechselte Bodenseer zur italienischen Sportswear von Kappa. „Wir hatten einmal über 60 Geschäfte, doch jetzt sind es nur noch ganz wenige. Oft sind Franchise-Nehmer leider nur nützliche Erfüllungsgehilfen unter dem Diktat der Franchise-Geber. Und in vielen 1a-Lagen betreiben die Markenfirmen das Business sowieso selbst mit ihren Flagship-Stores“, so der Präsident der Tiroler Wirtschaftskammer.
Was verschiedene Franchise-Nehmer von ihren Systemen halten, das zeigt unsere über die Seiten verteilte Galerie von Unternehmern in Tirol, die sich getraut und das kalkulierte Risiko gewählt haben. Am Beispiel des Tiroler Bauernstadls erzählen wir die Geschichte eines Franchise-Gebers und seine Nöte und im großen Interview mit Franchise-Fachfrau Waltraud Martius aus Salzburg erfahren Sie von den Trends am Markt und den internationalen Marken von morgen. Schließlich sind alle einmal klein gestartet und jede gute Marke habe zudem eine eigene Geschichte, sagt Jürgen Bodenseer.
Dazu zählen große Namen, wie das dänische Designlabel Bang & Olufsen (1.350 / seit 1925), die französische Autovermietung Europcar (5.300 / seit 1946), der schwedische Möbelriese Ikea (292 / seit 1943) oder der US-amerikanische Immobilien-Händler Remax (7.016/
seit 1973). Das Land mit dem großen Binnenmarkt stellt traditionell die meisten Systeme, doch durch die Globalisierung holen die Europäer weiter auf, erschließen den Osten des Kontinents und scheuen keine fernen Märkte. Denn der Markenmarathon geht weiter und jeder darf gespannt sein, welcher Systemshop mit welcher Idee um die Kunden wirbt. Langweilig wird es dabei ganz bestimmt nicht und neue Modelle können Begriffe wie Ganzheitlichkeit oder Nachhaltigkeit mit Leben füllen. Die Nachfrage ist da.
Lesen Sie den gesamten Artikel inkl. Statements von Franchise-Nehmern in der Printausgabe.
Autor: Stefan Becker
Foto: Stefan Becker













