Industrieländer in Schuldenkrise – Ihr Vermögen in Gefahr!
Publikation: Wirtschaftsmagazin | Ausgabe: Juni 2010 | Ressort: eco.geld | Datum: 31.5.10
Staatsbankrotte sind keine ultimativen Tragödien, sondern Meilensteine der Geschichte. Nach Jahrzehnten der Prosperität mehren sich nun wieder die Gefahrensignale in Bezug auf potenzielle Zahlungskrisen mehrerer Staaten. Doch Anleger können sich darauf vorbereiten und ihr Geld noch rechtzeitig in Sicherheit bringen.
Die Schulden der OECD-Staaten werden voraussichtlich 2010 bereits 100 Prozent ihres BIPs überschreiten und somit den höchsten Stand erreichen, den es je in Friedenszeiten gegeben hat. Und es kann noch schlimmer kommen, denn die fiskalen Nachwirkungen von Bankenkrisen sind enorm und noch kann nicht von einem definitiven Ende der globalen Finanzkrise, sondern eher von der Ruhe vor dem Sturm gesprochen werden, denn die nächste Kontraktionswelle, hervorgerufen durch massive Wertverluste bei US-Gewerbeimmobilien und erste Liquiditätsengpässe von Staaten
(z. B. Griechenland und Dubai), ist gerade im Aufbau.
Anhand einer aus 13 Bankenkrisen nach dem 2. Weltkrieg bestehenden Benchmark illustrierten die Universitätsprofessoren Carmen M. Reinhart und Kenneth S. Rogoff in ihrem Paper „The Aftermath of Financial Crises“, dass der durchschnittliche kumulierte Anstieg der realen öffentlichen Schulden in den 3 Jahren nach der Krise im Schnitt bei 86,3 % lag. Besonders stark wüteten 1991 die Bankenkrisen in Finnland und Schweden. In Schweden verwandelte sich ein Budgetüberschuss von 3,8 Prozent im Jahr 1990 bis 1993 in ein Defizit von 11,6 Prozent des BIPs. Um insgesamt 11,8 Prozentpunkte verschlechterte sich der Staatshaushalt in Finnland. Vor allem Steuerausfälle machen den Regierungen zu schaffen, denn im Schnitt schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) während einer Bankenkrise um 9,3 Prozent. In der gegenwärtigen Krise stiegen in der Eurozone die Staatsausgaben von 2007 bis 2009 von 46 auf 50,7 Prozent des BIPs an, während die Einnahmen von 45,4 auf 44,4 Prozent zurückgingen. Die Staatsschuldenquote stieg von 2007 bis 2009 bereits um 19,2 Prozent und bis 2011 wird von offiziellen Stellen ein weiterer Anstieg um 12,1 Prozent erwartet. In den OECD-Ländern verschlangen die Bankenrettungen insgesamt 13,2 Prozent und in der EU 27 14,7 Prozent des BIPs. Einen explosionsartigen Anstieg der Staatsverschuldung verzeichnen in diesem Umfeld vor allem Irland, Spanien, Portugal und Griechenland.
Auf dem Weg zum Staatsbankrott
Wohin der Trend geht, zeigen Rechensimulationen renommierter Volkswirte. In ihrer Publikation „The Future of Public Debt: Prospects and Implications“ gingen die IWF-Ökonomen Stephen G. Cecchetti,
M. S. Mohanty und Fabrizio Zampolli davon aus, dass im wahrscheinlicheren Basisszenario bis 2040 in Großbritannien, den USA, Deutschland und Österreich
die Staatsschuldenquoten auf jeweils über 500 Prozent, ca. 420 Prozent, 300 Prozent bzw. ca. 280 Prozent ansteigen werden. Kritisch werden vor allem die zukünftigen Sozialausgaben infolge der Überalterung der Bevölkerung. Bis zum Jahr 2014 würden laut offiziellen Schätzungen in den USA inklusive Pensions- und Krankenversicherungen die Staatsschulden auf 18,4 Billionen US-Dollar bzw. 135 Prozent des BIPs ansteigen. Alarmierend sind auch die Berechnungen der EU-Kommission, wonach die Staatsschuldenquote in Europa bis 2060 auf 320 Prozent des BIPs anwachsen würde. Ohne Haushaltssanierung würden in diesem Zeitraum in Großbritannien, Spanien und Griechenland die Schuldenquoten auf jeweils 760, 770 bzw. 880 Prozent des BIPs steigen. Im Vergleich dazu wird in einem Industrieland – je nach Steuereinnahmen und Zinsaufwendungen für Staatsanleihen – eine Währungsreform (Neufestlegung des Verhältnisses zwischen Schulden, Sparguthaben und Einkommen) ab einer Staatsschuldenquote zwischen 140 und 200 Prozent des BIPs zunehmend wahrscheinlicher. Was viele Marktteilnehmer dabei zu wenig beachten, ist die Tatsache, dass die meisten Staaten der Erde in Wirklichkeit schon pleite sind, denn künftige Renten- und Pensionsleistungen scheinen nicht in den amtlichen Statistiken auf.
Steigende Staatsschulden = höhere Zinsen plus weniger Wachstum
Diese einfache Formel bringt das Ergebnis langjähriger empirischer Studien der Zusammenhänge zwischen Staatsschulden und Wirtschaftswachstum und Haushaltsdefiziten und Zinsaufwendungen auf den Punkt.
In ihrem Paper „Growth in a Time of Debt“ schrieben Carmen M. Reinhart und Kenneth S. Rogoff über eine kritische Schuldengrenze von 90 Prozent des BIP, die sowohl für Industrie- als auch Schwellenländer gilt. Über diesem Wert fällt das Wirtschaftswachstum gegenüber Perioden mit niedrigerer Staatsverschuldung im Schnitt um 1,7 Prozentpunkte (Ergebnis einer Untersuchung von 20 Industrieländern im Zeitraum von 1790 bis 2009).
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Autor: Michael Kordovsky













