Sterben für Anfänger
Publikation: Wirtschaftsmagazin | Ausgabe: Oktober 2011 | Ressort: eco.wirtschaft | Datum: 7.10.11

Wer macht sich Gedanken über die Endlichkeit des eigenen Lebens? Wahrscheinlich die wenigsten Zeitgenossen: Der Tod bleibt das Tabu unserer Zeit. Doch neben Schmerz und Trauer besitzt der Tod auch eine kommerzielle Komponente, verlangen die Gesetze unserer Gesellschaft doch eine professionelle wie pietätvolle Abwicklung des Ablebens und diese gewährleistet traditionell die Branche der Bestatter. eco.nova besuchte einige Beerdigungsinstitute in und um Innsbruck und fragte nach, wer am Geschäft mit dem Tod so alles verdient.
Sterben kostet Geld – das ist kein Geheimnis. Wie viel aber genau, daraus wird in der Öffentlichkeit gern ein Geheimnis gemacht. Einerseits von Seiten der Bestatter, weil sich keiner der Akteure in die Karten, sprich Kalkulationen schauen lassen will, schließlich agieren die Konkurrenten oft im gleichen Gemeindegebiet. Ähneln sich dann die Preise, wird schnell der Ruf nach dem Kartell der Bestatter laut. Fehlen dagegen die Mitbewerber vor Ort, macht gleich das Gerücht vom Gebietsschutz die Runde. Kein einfaches Gewerbe, einerseits, anderseits aber schon, denn außer zwei Jahren Berufspraxis und einer Befähigungsprüfung bedarf es keiner weiteren formalen Qualifikationen zum Ausüben der Profession.
Deshalb befinden sich fast alle der 30 Betriebe in Tirol seit Generationen in Familienbesitz und wenn sich auf dem Markt etwas ändert, dann handelt es sich meist um Filialen bestehender Unternehmen. So eröffnete das Bestattungsinstitut von Othmar Lechner aus Schwaz vor einem Jahr eine Dependance in Wattens – wo sich seit zwei Generationen primär die Familie von Evelin Lechner um die Verstorbenen der Marktgemeinde kümmerte. Und belebt die Konkurrenz das Geschäft? Falsch formulierte Frage, schließlich sterben deswegen ja nicht mehr Menschen, eher schrumpft der individuelle Marktanteil. „In unserem Fall sorgt der Mitbewerber eher für Verwirrung, weil einige Postboten die Namensgleichheit immer noch irritiert“, sagt die Juniorchefin.
Zwischen Seelsorge und Familienstreitereien
Vor acht Jahren entschied sie für sich für den Beruf der Bestatterin, verabschiedete sich aus der Glitzerwelt von Swarovski, entsagte dem schönen Schein und widmete sich von da an dem finalen Ernst des Lebens. „Meine Freundinnen reagierten erst etwas zurückhaltend, doch dann fanden sie es ziemlich cool, zu sagen – meine Freundin ist Bestatterin!“, sagt die junge Dame mit den wachen Augen. Die ihre ganz eigene Strategie entwickelt hat, um mit den Härten des Berufs fertig zu werden: Die Freude am Leben genießen. Denn neben den typischen Todesfällen, denen die Bestatter durchaus mit Routine begegnen, schocken auch immer wieder heftige Schicksalsschläge den Alltag: „Wenn die Polizei nachts anruft, um Leichen von einem Unfallort abzuholen, oder sich ein Jugendlicher aus Liebeskummer vor den Zug geworfen hat – diese Bilder beschäftigen einen lange“, sagt sie.
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Autor: Stefan Becker
Foto: iStockphoto













