Der modische Top-Spot.
Publikation: Wirtschaftsmagazin | Ausgabe: September 2010 | Ressort: eco.wirtschaft | Datum: 8.9.10
Das altehrwürdige Haus der Mode in der Maria-Theresien-Straße, Ecke Anichstraße, heißt nun by Fink‘s woman. Zeitgenössische Architektur wurde mit modernem Ladenbau kombiniert und auch auf historische Details aus der Vergangenheit wurde nicht vergessen. Betreiber Paul Fink hat das Haus von Grund auf umgebaut, neu konzipiert und geht damit „ganz bewusst ein Unternehmerrisiko ein“.
Inmitten von mondänen Säulen und Erkern findet sich nun trendige Markenmode – „for sunshiny people“ – Zitat im ersten Stock by Fink‘s woman, um mit dem modischen Einkauf auch gleich ein Lebensgefühl zu transportieren. Früher war hier das Café Maximilian, ein mit allem Luxus ausgestattetes echtes Wiener Kaffeehaus. Da gingen schicke Damen aus und ein, um ihre neuen Kleider bei der Nachmittagsmelange auszuführen. Später wurde es ein Haus der Mode und jahrelang war eine Filiale eines Innsbrucker Modeanbieters hier zu finden. Damals galten andere architektonische Parameter und historische Details wurden mit Gipskarton verbaut. Auch die Decken wurden in den 70er Jahren abgehängt und der gesamte Verkaufsraum büßte so wesentlich an Raumhöhe ein. Paul Fink hat nun gemeinsam mit einer Vorarlberger Ladendesign-Firma all diese ästhetischen Highlights wieder freigelegt: Die mondänen Säulen im ersten Stock wie auch die alte Stukkaturdecke sind jetzt gestalterischer Mittelpunkt des neuen Shops. Der Boden wurde mehrfach gedämmt und mit geölter Eiche verlegt. Auch der Denkmalschutz war by Fink‘s Umbau wichtig: „Diese harmonische Detailgestaltung konnte nur gemeinsam mit dem Denkmalamt zustande kommen“, erklärt Paul Fink. Der klassische Erkerbereich wurde wieder stärker betont und die Verglasung bis auf den Boden ausgedehnt, um die modisch gestylten Schaufensterpuppen auch im passenden Rahmen erscheinen zu lassen.
Ästhetische Finesse auf zwei Etagen und im Kellergewölbe
By Fink‘s stylt Frauen von Kopf bis Fuß: Modische Bekleidung von Patrizia Pepe, Liu Jo, Schumacher, Burberry, Fay, St. Emile und Hogan. Im Kellergewölbe im Untergeschoß findet man edle Accessoires wie Handtaschen und Schuhe. „Wir haben auch den Accessoireshop in der Wilhelm-Greil-Straße aufgelassen und bieten nun die gesamte Palette an Damenbekleidung unter einem Dach.“ Gediegenes Handwerk und das sichere Gespür für ästhetische Details, in der Architektur wie in der Auswahl der Damen-Markenmode, machen by Fink‘s woman nun zu einem modischen Top-Spot in Innsbruck. Aber auch der prominente Platz kommt by Fink‘s zugute: „Wir haben bereits in den ersten Tagen seit der Eröffnung gemerkt, dass uns der neue Standort zugute kommt.“ Paul Fink setzt sich ein hohes Ziel: Er rechnet mit einer Verdoppelung des Damenmode-
umsatzes, der am Standort in der Wilhelm-Greil-Straße erzielt wurde. Wohl auch eine gute Innenstadtlage, doch mussten die Kundinnen dort gezielt hingehen. In der prominenten Maria-Theresien-Straße finden auch Touristen und Passanten den Weg ins Geschäft. Der wohlgeplante Umbau hat insgesamt 1,6 Mio. Euro verschlungen, also sollte die Frequenz auch dementsprechend sein. Mit einer Investition dieser Höhe und der Miete von monatlich ca. 27.000 Euro lädt sich Paul Fink zweifellos ein großes Risiko auf, zumal er in einem übersättigten Markt agiert, der von hoher Fluktuation und starker Konkurrenz geprägt ist. „Ich gehe dieses Unternehmerrisiko ganz bewusst ein, weil ich auf eine starke Basis zurückgreifen kann.“ Er verweist auf seine jahrelange Erfahrung in der Modebranche und auf den großen Stammkundinnenkreis, der über Jahre aufgebaut wurde und mit dem der Unternehmer kalkuliert. Ob ausreichend kalkuliert wurde und der Kundenkreis für die Dimension des neuen Modehauses groß genug ist? „Das wird die Zukunft zeigen“, meint Paul Fink gelassen.
Modebewusstsein = Identitätsbewusstsein
Fink‘s inszeniert sich als neuer Trendsetter in der Stadt, ist aber auch ein traditioneller Familienbetrieb, der auf Beständigkeit baut. Das Unternehmen wurde von Paul senior im Jahre 1959 gegründet. „Er lieh sich damals Geld für ein Bügeleisen und eine Nähmaschine aus und machte sich mit geliehenem Geld als Schneidermeister selbständig“, erzählt Paul Fink. Früher waren Maßhosen von Fink Inbegriff von Passform und Qualität und wurden im Schneidereibetrieb verkauft. Erst in den 70er Jahren stieg Fink Moden auf den Einzelhandel um. Seit 1990 führt nun Paul Fink jun. die Geschicke des Unternehmens. Und wie hinter jedem erfolgreichen Mann eine ebenso tüchtige Frau steckt, hat Paul Fink sogar zwei hinter sich: Gattin Carina und Schwester Susanne Haid-Fink leiten den Damenbereich gemeinsam. Fink‘s versucht seine modische Identität mit internationalen Labels am Top-Spot Innsbrucks zu finden und „auch Modedesigner beweisen in ihren Kollektionen Mut und wissen nie, ob dieser Trend auch einschlägt. Das bleibt auch einem Unternehmer nicht erspart.“
Weiters in der Printausgabe: Paul Fink im Interview.
Autor: Julia Sparber
Foto: Florian Schneider













