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Gewinnchancen trotz drohender Turbulenzen.

Publikation: Wirtschaftsmagazin |  Ausgabe: September 2010 | Ressort: eco.geld | Datum: 8.9.10

eco.nova-Investmenttrends: Ein Rückfall in die Rezession wird von zahlreichen Ökonomen nicht ausgeschlossen, weshalb an den Aktienmärkten eher neutrale Anlagestrategien verfolgt werden sollten. Einstiegschancen ergeben sich bei Agrarrohstoffen und seltenen Erden, deren Preise aufgrund chinesischer Exporteinschränkungen massiv anstiegen.

Auf den ersten Blick mag es nach Erholung aussehen, wenn sich das Wirtschaftswachstum der Eurozone im 2. Quartal von 0,6 auf 1,7 Prozent beschleunigt und die Industrieproduktionssteigerung von Jänner bis Mai kontinuierlich von 2,2 auf 9,9 % anstieg. Doch erste Verlangsamungstendenzen der jüngsten Aufwärtsdynamik sind erkennbar. So geht den Konsumenten langsam das Geld aus und die Industriestaaten stehen weltweit in den kommenden Jahren vor massiven Sparmaßnahmen. In die gleiche Kerbe schlägt auch der Offenmarktausschuss der amerikanischen Notenbank, Fed, der in seiner jüngsten Sitzung einräumte, dass sich in den vergangenen Monaten bereits der Aufschwung in Produktion und Beschäftigung verlangsamt habe und man mittelfristig bereits wieder über weitere Stützungsmaßnahmen nachdenkt, nachdem das Handelsbilanzdefizit der USA infolge rückläufiger Exporte im Juni 2010 mit 49,9 Milliarden Dollar den höchsten Stand seit Oktober 2008 erreichte. In einer Untersuchung anhand wirtschaftlicher Frühindikatoren gelangten die beiden Ökonomen der San Francisco Fed, Oscar Jorda und Travis Berge, zu dem Ergebnis, dass ein Abrutschen der US-Wirtschaft in eine Rezession innerhalb der kommenden 2 Jahre eine „signifikante Möglichkeit“ darstelle. Den mittlerweile optimistischen Gewinnschätzungen der Analysten droht somit eine Verfehlung, weshalb in puncto zukünftiger KGVs im Worst Case eine „Bewertungsfalle“ droht. Darüber hinaus mahnt noch die im Juni mit 3,8 Prozent im historischen Vergleich niedrige Cash-Quote amerikanischer Aktienfonds vor einer kräftigen Korrektur an den Aktienmärkten.

Short-ETFs auf Aktienindizes

Deshalb sollte man bestehende Aktienpositionen mit Shortpositionen in bedeutenden Aktienindizes absichern oder sogar spekulative Netto-Shortpositionen aufbauen. Um die mit hohen Hebelwirkungen verbundenen Risiken bei Derivaten oder die Emittentenrisiken bei einschlägigen Short-Hebelzertifikaten zu vermeiden, sollte in Short-ETFs investiert werden, mit denen man im gleichen Ausmaß gewinnt als der zugrundeliegende Aktienindex an Wert verliert. Interessante Short-ETFs mit einer inversen Abbildung des betreffenden Index wären:
FTSE 100 SHORT DAILY ETF (ISIN: LU0328473581) von db x-trackers: Der FTSE-100-Index ist bankenlastig und könnte im Falle einer nächsten Abschreibungswelle im Finanzsektor besonders stark unter Druck geraten, was für die Anteils­eigner dieses Short-ETFs von Vorteil wäre.
EURO STOXX 50® SHORT DAILY ETF (ISIN: LU0292106753) von db x-trackers: Sparpakete der Regierungen treffen die Eurozone besonders hart.
STOXX® 600 BANKS SHORT DAILY ETF (ISIN: LU0322249037) von db x-trackers: Damit kann an einer erneuten Panikwelle an den Finanzmärkten erfolgreich partizipiert werden. Geraten Bankenaktien unter Druck, steigt dieser Short-ETF.
S&P 500 INVERSE DAILY ETF (ISIN: LU0328473581) von db x-trackers: Den USA droht eine erneute Rezession.

Seltene Erden und Deepest Discounter

Mit gewissen Nischenbereichen des Aktienspektrums kann unter Umständen sogar gegen einen negativen Markttrend eine leicht positive Performance erzielt werden. Dabei geht es um Anbieter von Produkten, deren Preise unabhängig von konjunkturzyklischen Schwankungen angehoben werden können, oder um Anbieter inferiorer Güter, die sich in Krisenzeiten einer stärkeren Nachfrage erfreuen. Klare Nischeninvestments sind bei Anbietern seltener Erden zu finden. China hat hier eine Monopolstellung und fördert derzeit mehr als 95 Prozent des globalen Angebots der 17 Metalle der Gruppe „Seltener Erden“. Damit hat China die westliche Elektronikindustrie in der Hand, denn diese Materialien werden für die Produktion von Handys, Flachbildschirmen, Windkraftanlagen, Elektromotoren und Energiesparlampen benötigt. Genau das machte sich die chinesische Regierung am 8. Juli auch zunutze, indem sie die Exportquoten für seltene Erden von 16.304 Tonnen im Vorjahr auf nur noch 6208 Tonnen im 2. Halbjahr 2010 senkte. Seither folgten explosionsartige Preisanstiege von 10 (Europium) bis 650 Prozent (Samarium). Langfristig zeigt der Preistrend ebenfalls stark nach oben. Von 2007 bis zum 16. August 2010 stieg beispielsweise der Preis für Lanthan Oxid von 3,44 auf 27 US-Dollar pro Kilo und Cerium Oxid verteuerte sich von 3,04 auf 26 US-Dollar pro Kilo. Während in China die Produktion dieser Metalle bereits auf Hochtouren läuft, dauert es in Australien, Kanada und den USA noch einige Jahre, bis die einzelnen Projekte mit der Produktion beginnen können. In der Zwischenzeit ist mit bereits produzierenden chinesischen Minen hervorragend zu verdienen. Doch auf lange Sicht mehr Sicherheit und Transparenz bieten australische, kanadische und US-amerikanische Alternativen.

Lesen Sie mehr zum Thema in der Printausgabe.

Autor: Michael Kordovsky

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