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Bankensektor vor neuer Pleitewelle.

Publikation: Wirtschaftsmagazin |  Ausgabe: September 2010 | Ressort: eco.geld | Datum: 8.9.10

Dank staatlicher Interventionen und einer raschen Liquiditätsversorgung durch die Notenbanken scheint ein neuer Aufschwung eingeleitet worden zu sein. Doch der Schein trügt: Am US-Gewerbeimmobilienmarkt ziehen bereits erste Gewitterwolken auf und restriktivere gesetzliche Rahmenbedingungen für den Bankensektor verschärfen die Situation. Experten warnen vor einer Bankenpleiten-Welle.

Den Anstoß zu neuen Rahmenbedingungen für den Kapitalmarkt hatten die größten Industrie- und Schwellenländer (G20) im September 2009 auf dem Pittsburgh-Gipfel gegeben, wobei ein wesentlicher Punkt in der Begrenzung der Risiken von Banken durch strengere Regulierung lag. Je nachdem, ob das ursprüngliche restriktive Konzept des Baseler Ausschusses (besteht aus Aufsichtsbehörden und Notenbanken von 27 Staaten) von Dezember 2009 oder die aufgelockerte Version vom Juli 2010 zum Tragen kommt, liegt der dadurch bedingte zusätzliche Eigenkapitalbedarf der 16 europäischen Großbanken bei 200 oder 300 Milliarden Euro und jener der größten 35 Bankenholdings bei 115 oder 225 Milliarden US-Dollar. Wesentliche Punkte sind dabei die Höhe der zukünftigen Kernkapitalquote, die Behandlung des Eigenkapitals bei Mehrheitsbeteiligungen sowie diverse bilanzspezifische Details. Liegt derzeit basierend auf Basel I die Mindest-Kernkapitalquote (Tier 1 Ratio) bei 4 Prozent, so wird sie im Zuge von Basel III voraussichtlich auf 6 Prozent (ursprünglich geplant 8 Prozent) angehoben. Weitere Diskussionspunkte sind der Wegfall der Kapitalstärkung aus steuerlichen Verlustvorträgen und ein neuer Ansatz bei den Mehrheitsbeteiligungen der Banken. Auch sollte ursprünglich das Eigenkapital von Tochtergesellschaften nicht mehr bei der Muttergesellschaft angerechnet werden können. Hingegen sollten die Risiken von Banken-Tochtergesellschaften voll konsolidiert werden.
Der Baseler Ausschuss will seine endgültigen Beschlüsse im September präsentieren. Die Staats- und Regierungschefs der G20 sollen das Ergebnis dann bei ihrem Gipfel im November absegnen. Die Umsetzung der einzelnen Schritte soll nach dem neuesten Zeitplan bis spätestens 2018 erfolgt sein, wodurch eine gewisse Zeit bleibt, die daraus resultierenden volkswirtschaftlichen Konsequenzen infolge einer sich abzeichnenden noch restriktiveren Kreditvergabepolitik der Banken abzufedern. Die ursprüngliche Version von Basel III würde laut Aussagen des Vorsitzenden des globalen Bankenverbandes IIF, Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, weltweit 9,7 Millionen Arbeitsplätze gefährden.

Fast 40 Prozent aller US-Banken konkursgefährdet

Dass diese Bankenreform zu einem denkbar ungüns­tigen Zeitpunkt umgesetzt wird, zeigen neben ersten konjunkturellen Abkühlungstendenzen auch die Entwicklungen an den globalen Immobilienmärkten. Neben aktuellen Immobilienblasen in China und Kanada bricht gerade der amerikanische Markt für Gewerbe­immobilien zusammen, was bereits in einschlägigen Immobilienfonds zu Milliardenverlusten führte.
In den USA ist der Markt für Gewerbeimmobilienkredite mit ca. 3,5 Billionen Dollar der zweitgrößte Kreditmarkt vgl. mit vergleichsweise niedrigen 1,2 Billionen Dollar Volumen im Subprime-Hypothekenmarkt, der die jüngste Finanzkrise verursachte. Berkeley-Professor Kenneth Rosen warnte bei einer Anhörung vor dem US-Kongress vor den gewaltigen Problemen, die sich im Gewerbeimmobilienmarkt aufstauen. Seinen Ausführungen zufolge würde ein Crash auf diesem Sektor 800 bis 1000 Milliarden US-Dollar an Krediten und Eigenkapital der Banken vernichten. Dies würde dann unter verschärften gesetzlichen Rahmenbedingungen ein Ausmaß an Eigenkapitalbedarf bedeuten, das weder die bereits maroden Staaten noch die dann in Turbulenzen versetzten Kapitalmärkte decken könnten. Eine neue Banken-Pleitenwelle droht. In die gleiche Kerbe schlägt auch der US-Kongress: Elizabeth Warren, Vorsitzende des Kontrollausschusses des US-Kongresses, der sich mit der staatlichen Bankenhilfe auseinandersetzt (COP, Congressional Oversight Panel), quantifiziert die Lage wie folgt: 2988 bzw. 39,5 Prozent von insgesamt 7560 in den USA registrierten Banken weisen eine existenzgefährdende Häufung endfälliger Gewerbeimmobilienkredite auf. Insgesamt drohen laut offiziellen Schätzungen Kreditausfälle in Höhe von 700 Milliarden US-Dollar.
Die Analysten der Deutschen Bank rechnen sogar damit, dass 65 Prozent der zur Refinanzierung anstehenden Hypotheken ausfallgefährdet sind. Bedenkt man, dass laut Bericht des COP bis zum Jahr 2013 US-Gewerbeimmobilienkredite mit einem Volumen von knapp 1,2 Billionen und bis 2018 von insgesamt 2,24 Billionen Dollar fällig werden, von denen bereits die Hälfte unter Wasser steht (Kreditvolumen übersteigt aktuellen Wert der Objekte), so erscheinen die Schätzungen der DB durchaus plausibel.

Autor: Michael Kordovsky

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