Wirtschaftsförderung Tirol: Fokus auf Wachstumsbranchen
Publikation: Wirtschaftsmagazin | Ausgabe: September 2010 | Ressort: eco.wirtschaft | Datum: 8.9.10
Das Land Tirol zahlt im heurigen Jahr rund 23 Mio. Euro an Wirtschaftsförderungsmitteln aus. Von dem für 2011 angekündigten rigorosen Sparkurs wird auch die Tiroler Wirtschaftsförderung betroffen sein. Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf will an einer breit gestreuten Förderung mit Fokus auf die Wachstumsbranchen festhalten. Bis 2014 soll die Wirtschaftsförderung generell reformiert werden.
eco.nova: Das Landesbudget 2010 musste ja bereits mit einem Abgang von 189 Mio. Euro veranschlagt werden. Finanz-LR Switak kündigt ab 2011 einen rigorosen Sparkurs an, Handlungsbedarf sieht er vor allem in den Bereichen Soziales und Gesundheit. Die angekündigten Sparmaßnahmen werden aber auch die Wirtschaftsförderung betreffen. Wo kann Ihrer Meinung nach eingespart werden bzw. welche Förderungsmaßnahmen sind unverzichtbar?
Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf: Wir werden sparen, in welchen Bereichen genau der Sparstift angesetzt wird, dazu werde ich vor Abschluss der Budgetverhandlungen im Herbst aber keine Auskunft geben. Es gibt jedenfalls zahlreiche Fördermaßnahmen, die im Wesentlichen unangetastet bleiben werden. Dabei denke ich etwa an die Maßnahmen zur Tiroler Technologieoffensive, die ebenso weiterlaufen wird wie die wichtige Förderung der Vernetzung von Forschung und Wirtschaft in Tirol. Es ist uns gelungen, mit dem gezielten Einsatz von Fördermitteln Tirol zu einem herausragenden Forschungsstandort zu machen, bei den Forschungsausgaben liegen wir im Bundesländervergleich mittlerweile auf Platz drei. Forschung, Technologie und Innovation sind in Tirol eng miteinander verknüpft und das Resultat sind florierende Unternehmen, die der Tiroler Bevölkerung auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zukunftssichere und gut bezahlte Arbeitsplätze zur Verfügung stellen.
Eine Wirtschaftsförderung, die rein auf Darlehen beruht (Bsp. Hessen/Deutschland), lehnen Sie für Tirol ab und setzen stattdessen weiterhin auf Beihilfen, Zuschüsse und Darlehen. Warum?
Wirtschaftsförderung ist für mich ein legales Aufputschmittel, das Unternehmen zu Höchstleistungen antreibt. Damit die Tiroler Wirtschaft aber punktgenau unterstützt werden kann, dafür braucht es maßgeschneiderte Förderungen, die den individuellen Bedarf genau treffen. Deshalb braucht es ein Nebeneinander von nicht zurückzuzahlenden Zuschüssen und günstigen Darlehen, wie es unser bis zum Jahr 2013 laufendes Wirtschaftsförderungsprogramm vorsieht. Wir werden dieses erfolgreiche Konzept fortsetzen, eine Reduktion der Wirtschaftsförderung ausschließlich auf Darlehen wird es nicht geben.
Laut Top-100-Umfrage, durchgeführt in 210 Tiroler Unternehmen und der Tiroler Wirtschaftskammer, hat sich die Branche von den Auswirkungen der Wirtschaftskrise erholt und befindet sich im Aufwärtstrend. Motor und Konjunkturträger ist neben der Tourismusbranche auch der Handel. Welche Wirtschaftszweige sollen in Tirol zukünftig besonders gefördert werden?
Eine der großen Stärken des Standorts Tirol ist, dass wir sehr breit aufgestellt sind. Wir haben in der Tiroler Wirtschaft einen ausgezeichneten Branchenmix – viele verschiedene Wirtschaftszweige sind im Land stark ausgeprägt und es ist ideal, wie diese Wirtschaftszweige einander ergänzen. Das Resultat ist eine ausgewogene Wirtschaftsstruktur, die uns auch sehr dabei geholfen hat, die jüngste Krise einigermaßen gut zu überstehen, und jetzt geht es sowohl am Arbeitsmarkt als auch mit der Konjunktur wieder aufwärts. Damit diese ausgewogene Struktur nicht durcheinandergebracht wird, setze ich auf Kontinuität und werde auch die Wirtschaftsförderung möglichst breit gestreut belassen, wobei wir den Fokus auf jene Bereiche legen werden, wo auch ein Wachstum möglich ist.
Sie beabsichtigen, die Wirtschaftsförderung bis 2014 zu reformieren. Das eingesetzte Geld soll bestmöglich multipliziert werden. Gibt es für die angekündigte Reform schon Anhaltspunkte?
Das aktuelle Wirtschaftsförderungsprogramm läuft noch bis zum Jahr 2013 und somit wäre es wirklich verfrüht, schon über die Details einer Neuausrichtung zu sprechen.
Welche Rolle spielt die Tiroler Zukunftsstiftung bei der Reformierung der Wirtschaftsförderung?
Mit der nun vorliegenden Novelle des Tiroler Zukunftsstiftungsgesetzes werden die Aufgaben der Tiroler Zukunftsstiftung konkretisiert. Die unternehmensbezogenen Förderungen werden künftig ausschließlich durch das Land Tirol abgewickelt. Damit verfolgen wir das Ziel, Doppelgleisigkeiten zu beseitigen und für die Tiroler Unternehmer klar ersichtliche Strukturen zu schaffen. Das umfangreiche Know-how der Zukunftsstiftung fließt weiterhin in die Abwicklung von Forschungsprogrammen, wie etwa das Bundes-Kompetenzzentrenprogramm „COMET“, ein. Ein wesentlicher Bestandteil des Betätigungsfeldes der Zukunftsstiftung bleibt die Stärkung und Vermarktung des Wirtschaftsstandortes Tirol, wobei auch die Beratungs- und Dienstleistungsstärke unserer Standortagentur noch sichtbarer werden soll.
Autor: Barbara Liesener
Foto: Florian Schneider













