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Publikation: Wirtschaftsmagazin | Ausgabe: September 2011 | Ressort: eco.wirtschaft | Datum: 7.9.11

Belletristik oder Sachbuch, Tirolensien oder Kinderbuch, Schulbuch oder Bergführer, die Bandbreite von in Tirol herausgegebenen Büchern ist groß. Und vor allem lesenswert. Der Branche geht es gut, aber wie werden sich E-Books und leseunfreudige Jugendliche auf das Marktgeschehen auswirken? Was sagen Tiroler Experten zur Buchpreisbindung? Und wie entsteht überhaupt ein Buch? Wir haben nachgefragt und eine interessante Tiroler Verlagsszene entdeckt.
Österreicher, Deutsche und Schweizer sind starke Mediennutzer. Mehr als 10 Stunden täglich werden mit den Massenmedien Internet, Fernsehen, Radio,
Buch, Tageszeitung, Zeitschrift und Hörbuch zugebracht. Auf das Bücherlesen entfällt davon im Durchschnitt eine halbe Stunde pro Tag. So lautet das Ergebnis einer im deutschsprachigen Raum durchgeführten Studie.
In Österreich gibt es laut der Studie besonders viele E-Book-interessierte Internet-Freaks und Fantasy-begeisterte Online-LeserInnen. Doch auch das gedruckte Buch steht hoch im Kurs: Mit elf Titeln pro Jahr und pro Befragten werden in Österreich die meisten Bücher gelesen. Das bestätigen auch Tiroler Experten: „Wir haben in Österreich und vor allem in Tirol eine erfreulich positive Entwicklung. Während andere Märkte wie in den USA, der Schweiz und auch Deutschland massive Rückgänge verbuchen, erfreuen wir uns stetiger Zuwächse“ erläutert Markus Renk, Vorstand der Verlagsanstalt Tyrolia und Fachgruppenobmann der Buch- und Medienwirtschaft in der Wirtschaftskammer Tirol.
Auch Markus Hatzer von der Studienverlagsgruppe bestätigt die positive Entwicklung: „Die Verlagsgruppe weist eine deutlich positive Entwicklung auf und auch in der Buchhandlung läuft es gut.“ Zur Studienverlagsgruppe gehören neben dem Studienverlag, dem Skarabäus Verlag und dem Löwenzahnverlag seit heuer auch der Universitätsverlag Wagner und die Haymon Buchhandlung (ehemals Wiederin) am Sparkassenplatz.
Kontinuierlich steigende Umsätze verbuchen auch die Musikverlage hannibal und Edition Koch. „Unsere Umsätze sind in den letzten Jahren gestiegen, vielleicht auch weil wir mit unseren Produkten eine Nische besetzen“, bestätigt Monika Koch.
Dr. Wolfgang Ingenhaeff-Berenkamp vom Berenkamp Verlag freut sich ebenso über Umsatzzuwächse: „Die Krise haben wir kurzfristig schon gespürt, das war aber schnell wieder vorbei. Das Buch als Geschenk hat schnell wieder an Attraktivität gewonnen. Bestimmte Werke verzeichnen derzeit sogar ein außergewöhnlich starkes Umsatzplus, andere wieder weniger.“
Einzig im Kinderbuchbereich der 6- bis 10-Jährigen verzeichnet der Obelisk Verlag einen konstanten leichten Rückgang. Die Ursachen dafür sieht Verlegerin Ing. Helga Buchroithner in der Tatsache, „dass es immer weniger Kinder gibt. Große Hoffnung setze ich darauf, dass auch Immigrantenkinder die deutsche Sprache so erlernen, dass sie auch deutsche Bücher lesen.“
Leseoffensive gegen schiefen Pisa-Turm?
Rund ein Drittel der in Tirol getesteten Jugendlichen hat Schwächen im Bereich Lesekompetenz und sogar 54 % der Befragten gaben an, nicht zum Vergnügen zu lesen. Eine traurige Bilanz, die dem Buchhandel eigentlich Sorgen bereiten sollte. Markus Renk von der Tyrolia Buchhandlung kann diesen Trend nicht bestätigen: „Der Kinder- und Jugendbuchbereich wächst bei uns Jahr für Jahr. Ob die gekauften Bücher dann auch gelesen werden, kann ich natürlich nicht beurteilen. Ich kann nur sagen, dass sowohl engagierte Lehrer als auch wir mit Leseförderungsprojekten im Buchhandel vieles unternehmen, dieser Problematik entgegenzuwirken.“
Ing. Helga Buchroithner vom Kinderbuchverlag Obelisk kann die negative Entwicklung nur bestätigen: „Der Kinder- und Jugendbuchmarkt ist seit Jahren kontinuierlich leicht rückläufig.“ Ob die von Landesrätin Beate Palfrader angekündigten Leseoffensiven diesem Bildungsproblem Abhilfe schaffen können und wie sich diese Situation in weiterer Ferne auf den Buchhandel auswirken wird, hängt wohl auch zum großen Teil von einer schon lange ersehnten und notwendigen Bildungsreform ab.
E-Books, werden sie das klassische Buch verdrängen?
Der Markt für E-Books und E-Reader befindet sich noch im Aufbau. Während Verlage schon kräftig in diesem Segment investieren, sind Nutzer noch vorsichtig verhalten. Aussagekräftige Ergebnisse über Verkaufszahlen von elektronischen Lesegeräten im österreichischen Markt gibt es derzeit noch nicht, dasselbe gilt für die getätigten E-Book-Downloads.
„Nach einer Erhebung in Deutschland wurden im deutschen Käuferbuchmarkt im Jahr 2010 21,2 Millionen Euro und somit 0,5 Prozent des Gesamtumsatzes mit E-Books getätigt. Mittelfristig erwartet die Branche jedoch einen Marktanteil von 5 % in Österreich“, so Markus Renk. „Die Haptik des Buches ist vielen wichtig. In meiner 26-jährigen Tätigkeit in der Branche wurde das Buch schon mehrmals totgesagt, bislang haben sich aber neue Trägermedien immer als eine Ergänzung herausgestellt.“
„Es wird mehr Trägermedien geben. Aber wir gehen davon aus, dass die Trägermedien sich nicht substituieren“, schätzt auch Markus Hatzer die Lage ein. „Das Buch als Trägermedium wird nicht verschwinden, denn Bücher sind im Grunde auch sehr günstig. Natürlich wird sich viel verändern und ich glaube auch an den Erfolg des E-Books. Wichtig ist der Inhalt und die Aufbereitung, ob dieser dann als Buch oder als App vermarktet wird, ist eigentlich egal. Umso wichtiger ist die Preisbindung auch im
E-Book-Bereich, denn das Buch ist eine geistige Leistung und braucht Einnahmen.“
„Für uns haben E-Books Vorteile. Musikaffine Leser
können so weltweit in den Genuss unserer Werke kommen, wo es sonst kein Vertriebsnetz deutschsprachiger Bücher gibt. Unsere E-Books sind günstiger als gedruckte Bücher, aber nicht kostenlos. Die Autoren bekommen sogar höhere Lizenzsätze beim E-Book als beim gedruckten Buch“, erläutert Dr. Monika Koch, Verlagsleiterin des hannibal Verlages und des Verlages Edition Koch. „Obwohl der E-Book-Anteil ständig im Steigen begriffen ist, ist er trotzdem noch sehr gering“, so Koch weiter.
„Ich glaube schon, dass das E-Book eine Zukunft hat“, ist auch Wolfgang Ingenhaeff-Berenkamp überzeugt. „Jedoch vermittelt das gedruckte Buch ein haptisches Gefühl, einen stillen Rückzug, der mit anderen Medien schwer zu erlangen ist.“
In den USA macht das Geschäft mit den E-Books bereits 3 Prozent des US-Buchmarktes aus, 2014 werden laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens iSuppli vom April 2011 13 Prozent erwartet.
Standort Tirol
Den Standort Tirol sehen alle befragten Verleger unisono als gut. Die gesamte Branche wird als eher freundschaftliches Miteinander anstatt feindlicher Konkurrenz empfunden. „Die Solidarität und Kollegialität unter den Verlagen ist sehr groß“, betont Mag. Bernd Schuchter vom Limbus Verlag. Auch für Markus Renk ist ein Konkurrenzdenken so gut wie nicht vorhanden: „Es ist unser gemeinsames Bestreben, das Buch hochzuhalten und mit gemeinsamen Aktionen wie zum Beispiel dem Welttag des Buches oder dem Lesemonat April im Buchhandel Impulse zu setzen.“
„Unter den Verlagen in Tirol herrscht ein eher familiärer, sehr kollegialer Umgang“, bestätigt auch Markus Hatzer die Stimmung in Tirol. „Im Buchhandel jedoch herrscht vor allem bei den österreichweiten Filialisten wie Morawa oder Thalia durchaus ein Konkurrenzkampf“, so Hatzer weiter.
Als reiner Kinderbuchverlag ist der Obelisk Verlag in Tirol konkurrenzlos, „unsere Konkurrenz sitzt in Wien. Die Konkurrenzsituation äußerst sich in unserem Bereich insofern, dass andere Kinderbuchverlage versuchen, Autoren und vor allem Illustratoren abzuwerben“, so Inge Buchroithner.
Finden Sie den gesamten Artikel sowie Infos zu den Tiroler Verlagen in der Printausgabe.
Autor: Doris Penna
Foto: Julia Türtscher













