Fluch oder Segen?
Publikation: IT | Ausgabe: SPEZIAL Jänner 2011 | Datum: 10.12.10
Die Schlagwörter Social Media und Web 2.0 sind mittlerweile täglich in den Nachrichten zu lesen, zu sehen und zu hören. Angekommen im Wissenszeitalter geht es im Jahr 2010 um eine neue Art der Informationsverarbeitung im Unternehmen. Mit mehr Interaktion, schnellerer Kommunikation und natürlich einem deutlichen Produktivitätsschub durch den Einsatz moderner Internettechnologien. Doch welche Maßnahmen lassen sich mit dem „Wunder Web 2.0“ wirklich in mittelständischen Unternehmen umsetzen?
Immer mehr Unternehmen – von klein bis groß – entschließen sich, Social-Networking-Plattformen wie Facebook & Co. in ihr Marketingkonzept zu integrieren. Beispiele für Social-Media-Anwendungen sind Weblogs, Mikroblogging-Dienste, soziale Netzwerke, Eventportale, Bewertungsportale, Wikis, Social-Bookmarking-Tools, Foto- und Videoplattformen etc. Die Chancen für Unternehmen sind vielfältig und umfangreich. Doch häufig ist ihnen nicht bewusst, welches Ziel sie mit Aktivitäten in den „sozialen Medien“ verfolgen wollen und wie sie dabei vorgehen.
Eines der zentralsten Ziele, die Steigerung des Umsatzes, steht nicht nur bei den kleinen und mittleren Unternehmen im Mittelpunkt. Wieso also nicht dort Bedarf wecken, wo sich täglich Millionen Konsumenten bewegen?
Die Social-Networking-Plattform Facebook verzeichnet über 500 Millionen Nutzer, davon 2,1 Millionen Österreicher. Grund genug, sich auch im Unternehmensumfeld mit diesem Thema zu beschäftigen. Speziell dafür bietet Facebook die Möglichkeit, eigene „Seiten“ anzumelden und „Fans“ zu gewinnen, um dort z.B. ein neues Produkt vorzustellen und über spezielle Sonderangebote zu informieren. Ein Fahrradhändler platziert eine Werbeanzeige bei allen Benutzern, die jemals „Mountainbike“ in einem Posting geschrieben haben. Das Wort „personalisiert“ erfährt hier eine tiefere Bedeutung, denn der potentielle Kunde sucht hier nicht wie bei Google ein bestimmtes Produkt, sondern trifft eher zufällig aufgrund seiner Präferenzen auf die Anzeige.
Doch Facebook ist nicht alles. „Mir ist wichtig, an dieser Stelle einmal darauf hinzuweisen, dass Facebook nicht das einzige soziale Netzwerk ist.“, meint Günter Jaritz, Social-Media-Experte. „Das Social Web bietet unterschiedlichste Kanäle an. Wichtig ist, sich klar zu werden, wofür man mit seiner Marke im Web 2.0 stehen will. Anhand dieser Überlegungen kann eine effiziente Strategie erarbeitet und die für Ihr Unternehmen geeignetsten Netzwerke ausgewählt werden.“
Schnelle und unmittelbare Meinungen, Kritik und Anregungen zu Produkten oder Dienstleistungen zu erhalten ist eine weitere Möglichkeit, von der Unternehmen profitieren können. Der Benutzer wird sozusagen von einem Konsumenten zu einem „Prosumenten“.
Der Microblogging-Dienst Twitter bietet die Möglichkeit, Kurznachrichten – ähnlich wie SMS – zu veröffentlichen und so die eigene Community, bestehend aus „Followern“, mit aktuellen Infos zu erfreuen. Doch es geht auch anders herum – schon mal Ihren Firmennamen in die Twitter-Suche eingegeben? So finden Sie schnell heraus, wie über das eigene Unternehmen gesprochen wird. Um dann auch entsprechend mitreden zu können, sollte man auf eigene Social-Networking-Kanäle zurückgreifen können. Im schlimmsten Fall findet die Diskussion ohne das betroffene Unternehmen statt.
Der Verbraucher wird immer mächtiger
Der durchschnittliche Verbraucher ist topinformiert – und das Web 2.0 hilft ihm dabei. Mit zunehmender Verbreitung von Smartphones gilt dies für nahezu jede Tageszeit und jeden Ort. Damit ist der Otto Normalverbraucher um ein Vielfaches mächtiger als noch vor 5 Jahren. Eine Herausforderung für Unternehmen!
Die Webseite ist tot. Es lebe Facebook.
Mitte dieses Jahres ließ das Magazin FHM mit einem radikalen Schritt aufhorchen. Die eigene Webseite (Anm.: die deutsche Ausgabe) wurde eliminiert und durch die FHM-Fanpage auf Facebook ersetzt. Auf den ersten Blick erscheint dies mutig und – vor allem für eine Zeitschrift – logisch. Aber auf den zweiten Blick erschreckt diese Verhaltensweise. Man begibt sich damit in die Abhängigkeit einer Plattform, die per Telefon überhaupt nicht und per E-Mail nur sehr schwer erreichbar ist. „Facebook ändert Richtlinien, Programmiervorgaben für Reiter und Spalten, ja sogar Schriftgrößen schneller, als wir zuschauen können. Hierfür braucht es qualifizierte Mitarbeiter, die ständig am Ball bleiben und die entsprechenden Social-Media-Tools auch wirklich verstehen“, ist sich Social-Media-Experte Marco Wegleiter sicher. Fehler passieren meist schon bei der Erstellung einer Seite und Facebook bietet keine Möglichkeiten, diese dann später „auszubügeln“. Basiswissen alleine reicht nicht mehr aus. „Um eine konkurrenzfähige Facebook-Seite an den Start schicken zu können, braucht es ein motiviertes und trainiertes Team, das die Spielregeln beherrscht und das Publikum zu begeistern weiß. Es muss auch Klarheit über die Verantwortlichkeit herrschen, das heißt, wer wann und in welcher Form Updates verfassen darf und zudem die Möglichkeit hat, rasch auf Kommentare zu reagieren“, rät Wegleiter.
Langfristige Strategien notwendig
Manche Unternehmen verstehen Social Media als zusätzlichen PR-Kanal und andere wiederum setzen das Thema auf die Agenda für die IT-Abteilung. Beides ist definitiv der falsche Weg. Social Media ist ein riesiger, weltweiter Pool, in dem Interessierte, Kunden und Kritiker gleichermaßen zu Wort kommen. Günter Jaritz von Social Media Consulting meint dazu: „Die Regeln des klassischen Marketings und der Public Relation lassen sich nicht eins zu eins ins Social Web übertragen. So viele neue Chancen das Medium bietet, so viel Gefahren lauern auch darin. Die Erarbeitung einer einheitlichen Social-Media- Strategie ist dabei essentiell. Hier wird definiert, wie in den Netzwerken gearbeitet werden sollte, welcher Sprache man sich bedient und letztlich auch wie negative Kommentare in positive Effekte für Ihre Marke umgewandelt werden können.“
Social Media übermorgen?
Die Entwicklung verschiedener Plattformen wie Facebook, Twitter & Co. vorherzusagen ist schwierig. Für Unternehmer ist dabei wichtig, sich bewusst zu machen, dass der Verbraucher eine immer größere Rolle spielt. Dafür braucht es langfristige Strategien. Wenn Kunden an der Kassa mit schlechten Bewertungen im Internet drohen, um einen Rabatt zu bekommen, dann wissen wir, wie einflussreich Web 2.0 geworden ist. Der Druck auf die Unternehmen steigt. Um es mit den Worten von Harry Gatterer, Tiroler Trendforscher, zu sagen: Facebook ist längst kein „Teenie-Phänomen“ mehr.
Autor: Barbara M. Thaler













