Kampf um Männerleben – Innsbrucker Forschung erfolgreich gegen Prostatakarzinom
Publikation: Kapital Gesundheit | Ausgabe: SPEZIAL Oktober 2011 | Ressort: forschung | Datum: 6.10.11

Die Universitätsklinik für Urologie in Innsbruck zählt zu den Vorreitern in der Prostatakrebs-Behandlung. Der neue Direktor Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Horninger setzt den Kurs des Institutes fort und betont die Senkung der Mortalität.
„Prostatakarzinome sind die häufigste Krebsart bei Männern und die zweit- bis dreihäufigste Todesursache“, berichtet Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Horninger, der neue Direktor der Innsbrucker Universitätsklinik für Urologie. Seine Abteilung zählt europaweit zu den führenden Zentren für die Behandlung von Prostatakarzinomen. Bereits seit 20 Jahren hat sich die Urologie in Innsbruck auf Forschung, Behandlungsmethoden und Programme gegen den Prostatakrebs spezialisiert. Vor allem die PSA-Messungen gehören zu den wesentlichen Früherkennungsmethoden, die bereits seit Jahrzehnten in Innsbruck durchgeführt werden. Ein erhöhter Wert des prostataspezifischen Antigens (PSA), der im Blut nachweisbar ist, kann auf eine Prostatakrebserkrankung hindeuten. „Tirol war eine der ersten Gruppen, die die Möglichkeiten des konstanten Screenings erkannt hat. Die Urologie wurde deshalb oft von Epidemiologen angefeindet“, berichtet der Direktor. „Screenings senken aber nachweislich die Sterblichkeit. Allerdings schlagen sich diese Ergebnisse erst nach Jahren in der Statistik nieder.“ Rund 25.000 PSA-Messungen werden jährlich an der Innsbrucker Urologie durchgeführt, gut 80 Prozent der Männer ab 45 kommen regelmäßig zur Untersuchung, weiß Prof. Horninger. „Wichtig ist für uns, die Erkrankung möglichst früh zu erkennen. Prostatakrebs ist nur im Frühstadium komplett heilbar. „Mit PSA kann man das Risiko abschätzen, bei Unsicherheiten helfen bildgebende Methoden (Ultraschall, MRI), um zu entscheiden, ob eine Probeentnahme aus der Prostata durchzuführen ist oder nicht“, erläutert Horninger.
Fachleute im OP
Auch bei den Operationsmethoden gehört Innsbrucks Urologie zu den Vorreitern. Seit 2005 kann das 22-köpfige Ärzteteam mit der so genannten „laparoskopischen, radikalen Prostatektomie“ mithilfe moderner Robotertechnik operieren. Bei dem Da-Vinci-Robotersystem steuert der Operateur über eine Konsole den Eingriff. „Wesentlich für erfolgreiche Eingriffe ist allerdings weniger die Operationsmethode als die Erfahrung des Arztes“, betont Horninger die hohe Kompetenz der Innsbrucker Operateure, die jährlich rund 170 Prostatakrebsoperationen durchführen. Die Erfolge der Station, die über 62 Betten, eine eigene Kinderstation und fünf OP-Säle verfügt, geben Betroffenen neuen Mut: „Prostatakrebs im Frühstadium kann erfolgreich therapiert werden. 97 Prozent der Patienten sind nach der Prostata-OP kontinent und immerhin 70 Prozent noch potent“, so der Facharzt.
Größte Blut- und Gewebebank
Mit dem Prostatazentrum, bei der Gründung 1993 das erste Zentrum seiner Art in Europa, unterstreicht die Innsbrucker Universitätsklinik für Urologie ihre Vorreiterrolle im Kampf um Männerleben. Das 2007 ISO-zertifizierte Prostatazentrum stellt ein „virtuelles Zentrum“ für sämtliche an Diagnostik und Therapie beteiligten Fachbereiche wie Pathologie, Nuklearmedizin, interne Onkologie, experimentelle Urologie, Epidemiologie und andere mehr dar. Gemeinsam kann die Forschung für nationale und internationale Projekte auf die größte Gewebe- und Blutprobenbank zugreifen. Prof. Horninger erwartet sich von den Forschungen künftig auch Auskünfte über den Zusammenhang von PSA-Verlauf und Krebsmortalität. „Und vielleicht können wir irgendwann aufgrund der Proteinzusammensetzung Prostatakrebs bereits voraussagen und rasch eingreifen“, sieht er eine Vision für die Forschung in Innsbruck.
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Im Bild: V. l.: Univ.-Prof. Dr. Martin Thurnher (Leiter des Labors für Immunologie und Immuntherapie), Univ.-Prof. Dr. Helmut Klocker (Leiter des Forschungslabors), Direktor Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Horninger und Prof. Zoran Culig
Autor: Doris Penna, Ulrike Delacher
Foto: BLICKFANG photographie – Julia Türtscher













