Warten ist doch klasse
Publikation: Kapital Gesundheit | Ausgabe: SPEZIAL Oktober 2011 | Ressort: system | Datum: 6.10.11
Medien, die dieser Tage in Tirols Krankenhäusern zum Thema Operationstermine und Wartezeiten nachfragen, bekommen die Nase vor der Tür zugeknallt. Da ging es eco.nova nicht anders. Dennoch haben wir versucht, die Hintergründe dieser Problematik zu beleuchten.
Das Aufsehen war groß, als der Verein für Konsumenteninformation (VKI) vor einem Monat die OP-Wartenzeiten in Österreichs Spitälern erhob. Eine anonyme Testperson erhielt dabei oft die Auskunft, dass es bei der von ihr gewünschten Operation eines Grauen Stars wochenlange Wartezeiten gebe. Sollte sie freilich Privatpatientin sein, würde sich das Warten drastisch verringern. Auch Tiroler Spitäler waren unter jenen, die solch „unmoralische Angebote“ gemacht haben. Seither gibt es heftige Diskussionen über Zwei-Klassen-Medizin. Eine Novelle des Krankenanstaltengesetzes im kommenden Jahr soll Abhilfe schaffen und ein mehr oder weniger „transparentes Wartezeitmanagement“ bringen.
Anfragen zum Thema OP-Wartezeiten in St. Johann blieben unbeantwortet, aus anderen Tiroler Krankenhäusern kommen Antworten eher ungern und spärlich. Beim größten Tiroler Lrankenhausbetreiber, der Tilak, stellten sich allerdings Vorstandsdirektor Stefan Deflorian und die Ärztliche Direktorin des Landeskrankenhauses Innsbruck, Alexandra Kofler, unseren Fragen.
Wartezeiten für planbare Eingriffe – also keine akuten Fälle – gibt es natürlich auch an der Innsbrucker Klinik. Meist sind sie eher geringer Natur, in einigen Bereichen betragen sie aber Wochen bis Monate. Die derzeitige „Hitparade“: Kataraktoperationen (Grauer Star) bis zu sechs Monate, Bandscheiben etwa drei Monate, Endoprothetik (zum Beispiel Hüft- oder Kniegelenke) zwei bis drei Monate. Bei den Bandscheibenoperationen gab es schon beinahe doppelt so lange Wartezeiten. Hier greifen inzwischen aber langsam organisatorische Maßnahmen an der Neurochirurgie. An den anderen Häusern der Tilak gibt es dieses Problem nur in sehr eingeschränktem Maße. Wartezeiten gibt es in Hall zum Beispiel ebenfalls in der Endoprothetik.
Wartezeit auf Operationen aufgrund des organisatorischen Aufwands
Lange Wartezeiten in den Griff zu bekommen, ist gar nicht so einfach. Denn es ist nicht damit getan, mehr Operateure einzusetzen. Alexandra Kofler beschreibt, warum das so schwierig ist: „Das hängt von der Gesamtkapazität ab: Man braucht einen Operationssaal, der entsprechend ausgerüstet ist. Dann ein Team. Das ist ja nicht nur der Operateur alleine, das sind ja auch OP-Schwestern, Gehilfen, die Anästhesie. Und selbst wenn wir es schaffen, dass wir bei den Operationssälen einen größeren Durchsatz haben, dann muss man natürlich auch schauen, dass der Patient nach der Operation weiter betreut werden kann. Wir brauchen Aufwachplätze, Betten auf den Stationen und so weiter.“ Insgesamt also ein riesiger organisatorischer Aufwand, der kaum ein Patentrezept für die Verkürzung von Wartezeiten bietet. Versucht wird das natürlich dennoch, versichert Kofler: „Was wir von der Verwaltung tun können, ist vor allem, das alles besser zu organisieren. Ebenfalls wichtig ist eine Zusammenarbeit mit dem niedergelassenen Bereich. Dass an der Klinik nur Eingriffe durchgeführt werden, die hier gemacht werden müssen, und nicht alles bei uns abgearbeitet wird.“ Definitiv keine Wartezeiten, so versichert Vorstand Deflorian, gibt es bei Akut- und Notfällen.
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Autor: Uwe Schwinghammer
Foto: iStockphoto













