Ein Hoch auf die Tiroler Braukunst
Publikation: Kulinarisches Tirol | Ausgabe: SPEZIAL September 2011 | Ressort: trink.genuss | Datum: 9.9.11
Bier ist ein altes Kulturgetränk und erfreut sich auch bei uns großer Beliebtheit. Neben den alteingesessenen Brauereien kamen in Tirol, vor allem im vergangenen Jahrzehnt, mehrere Gasthausbrauereien dazu, die für den Eigenbedarf Bier brauen. Dass es sich dabei um eine wahre Kunst handelt, wusste man schon in der Urzeit der Bierherstellung.
Das Brauen von Bier kann auf eine lange Tradition verweisen und ist den Menschen wohl schon seit mehr als 6000 Jahren bekannt. Bereits im 2. und 3. Jahrtausend vor Christus stand das Brauwesen bei den Sumerern, Babyloniern und Assyrern im Vorderen Orient in hoher
Blüte. Die Ägypter kauften lange Zeit den Babyloniern Bier ab. Später brauten sie es selbst und wurden vor rund 3000 Jahren zu den bedeutendsten Bierbrauern. Fortan gehörte es im Land am Nil zu den wichtigsten Grundnahrungsmitteln. Selbst in der Medizin kam der Gerstensaft in früherer Zeit zum Einsatz. So wurden zum Beispiel in der Antike fast alle Heilmittel in Bier gelöst und auf diese Weise getrunken. Nach Europa gekommen ist Bier wahrscheinlich mit dem seefahrenden Handelsvolk der Phönizier. In Mitteleuropa ist es seit nunmehr 3000 Jahren gebräuchlich und ein fester Bestandteil unserer Kulturgeschichte. In Tirol heimisch geworden ist das Bier, im Unterschied zu unserem nördlichen Nachbarland Bayern, aber erst im 19. Jahrhundert. Vorher dominierten Wein und Schnaps bei der bäuerlichen Bevölkerung als Alltagsgetränke. Erste kleine Brauereien sind aber dennoch schon ab dem 14. Jahrhundert nachweisbar, wie zum Beispiel das „Breuhaus“ beim Kloster Wilten in Innsbruck.
Boomende Bierbraukunst
Neben der Zillertal Brauerei gibt es in Tirol weitere Brauhäuser mit einer langen Tradition: Die Familienbrauerei Huber in St. Johann existiert seit 1727, die Brauerei auf Schloss Starkenberg in Tarrenz seit 1810. Zu den bedeutendsten Brauereien in Tirol zählte lange Zeit das Adambräu in Innsbruck. Es wurde 1825 von Franz-Josef Adam gegründet und war in der Nähe des Innsbrucker Hauptbahnhofes angesiedelt. 1994 wurde das Adambräu von der Brau AG übernommen und in der Folge zugesperrt. Die Marke Adambräu blieb erhalten, die Produktion wurde in das Innsbrucker Bürgerbräu verlegt, bis auch dieses im Jahr 2003 seine Pforten schloss.
Laut einer Statistik des Verbandes der Brauereien Österreichs gab es in Tirol im Jahr 1980 sechs Braustätten. 20 Jahre später waren es neun, im Jahr 2010 stieg deren Zahl auf 17 an. Ein ähnlicher Trend bei der Zunahme der Braustätten war in den vergangenen 30 Jahren auch in den meisten anderen österreichischen Bundesländern die Regel. Die angestiegene Zahl der Braustätten in Tirol ist vor allem auf eine Reihe von Gasthaus- und Hausbrauereien zurückzuführen, die in den vergangenen Jahren gegründet wurden. Diese produzieren in erster Linie für die Gäste des eigenen Wirtsbetriebes Bier, wobei in den meisten Fällen aber auch der eine oder andere Liter abgefüllt erworben werden kann. Zu erwähnen sind etwa das Stöfflbräu in Schwoich (2004) oder das Achensee Bier (2010). Aber auch einige kleinere Brauereien, die sich voll und ganz der Braukunst verschrieben haben, haben sich in den vergangenen Jahren dazugesellt: Zum Beispiel die Brauerei Harald Baumgartner aus Innsbruck (1999), die Kristall Brauerei in Alpbach (2006) und die Hausbrauerei Martinesler in Ladis (2007).
Lesen Sie den gesamten Artikel in der Printausgabe.
Autor: Paul Salchner
Foto: iStockphoto













