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„Man muss den Geist finden, den ein Objekt atmet“

Publikation: Kunst |  Ausgabe: SPEZIAL: September 2009 | Ressort: galerien.künstler | Datum: 8.9.09

Kann ein Foto nur reale Inhalte vermitteln oder lässt es Raum für subjektive Interpretationen? In der Umsetzung des deutschen Fotokünstlers Tilmann Krieg werden Fotografien zu geistreichen Objekten und die vielschichtigen Möglichkeiten erkennbar, mit denen das Medium Foto variiert werden kann.

Tilmann Krieg ist 1954 in Stuttgart geboren, absolvierte die Ausbildung zum Fotografen in Frankfurt und studierte Visuelle Kommunikation in Düsseldorf und Freie Kunst und Malerei in Straßburg. Er war Professor am UNESCO Formation Center in Venedig und seit 2006 ist er Gastlektor an der Universität in Belo Horizonte in Brasilien. Das Medium Foto ist Tilmann Kriegs künstlerisches Genre, das er in sukzessiver Kleinarbeit weiterentwickelte. „Man muss den Geist finden, den ein Objekt atmet“, ist heute seine Intention. Seine geistige Sicht sind starke Unschärfeeffekte, die er malerisch umsetzt. Der Geist der abgebildeten Landschaften, Gesichter und Objekte zeigt sich in Abstraktionsgraden, die an gestische Malerei erinnern. Ein Beispiel ist das Bild Paris-Cross, das eine unscharfe Stadtansicht von Paris zeigt und mit einem Kreuz als Symbol eines Alltagszitates des realen Lebens versehen wird. „Es entstehen Bilder, die an Gerhard Richter erinnern“, schrieb die Badische Zeitung über Tilmann Krieg und verglich den Fotografen mit dem großen deutschen Maler. Dieser malt in einer dem Fotorealismus ähnlichen Methode, indem er die Vorlagen verfremdet. Der Fotokünstler greift diese Methode auf, arbeitet jedoch mit Blende und Belichtung seiner Kamera. „Men Walking“ und „Saturation“ zeigen Abbildungen von Männern mit Hose, Hemd und Sakko bekleidet und in typisch männlichen Haltungen – Hände in den Hosentaschen, jedoch ohne Gesichter. Nur Licht spiegelt sich in den Körpern und in der Umgebung und fordert das Auge des Betrachters. Der intensive Anblick der unscharfen, aber statischen Bilder lässt eine optische Animation entstehen – nur durch die Abbildung der Bewegungen.

Lesen Sie mehr über Tilmanns erzählende Bilder in der Printausgabe.

Autor: Julia Sparber
Foto: Tilmann Krieg

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