„Sammeln sollte immer mit Leidenschaft, der Liebe auf den ersten Blick zu tun haben.“
Publikation: Kunst | Ausgabe: SPEZIAL: September 2009 | Ressort: kunst.09 | Datum: 8.9.09

Die ART COLOGNE gilt als „Mutter aller Kunstmessen“. Zur 43. Ausgabe zog es wieder rund 56.000 Kunstfreunde an die Stadt am Rhein, um sich einen repräsentativen Überblick über die zeitgenössische Kunst und die großen Avantgarden der Vergangenheit zu verschaffen.
Daniel Hug, Direktor der ART COLOGNE, erzählt
eco.nova vom finanziellen Aspekt der holden Kunst und vom so genannten „grauen Markt“ der Galerien. Der Messedirektor versucht sich an einem „profanen Definitionsversuch“ und will im Wesen eines Sammlers niemals einen reinen Investor sehen.
eco.nova: Sie sind seit 1. Mai 2008 Direktor der ART COLOGNE. Ein kurzer Rückblick auf ein Jahr künstlerische und strategische Weiterentwicklung der „Mutter alles Kunstmessen“?
Daniel Hug: Als Erstes galt es, eine Bestandsaufnahme zu machen. Einige Probleme der ART COLOGNE waren offensichtlich, und es galt eben dort anzusetzen: Die Messe war zu groß und wirkte gesichtslos. Das haben wir geändert und haben 2009 mit der ART COLOGNE wieder ein sehr sehenswertes Erlebnis geboten. Dabei war es mir besonders wichtig, mich nicht von anderen Messen beeinflussen zu lassen, sondern bei der Entwicklung der ART COLOGNE wirklich auf ihre eigenen Stärken zu setzen. Denn genau so hat alles einmal angefangen, als achtzehn Aussteller 1967 die Satzung der Messe verfassten. Diese ursprünglichen Grundsätze der Messe sollten wir fortführen. Wir haben mit diesen Ideen gearbeitet, sind zurück zu den Wurzeln der ART COLOGNE gegangen: Die Messe ist wieder auf die Galerien ausgerichtet, wir haben uns von Überflüssigem getrennt und weniger Sonderausstellungen veranstaltet. Das wurde von allen Beteiligten positiv aufgenommen und ich schaue gemeinsam mit meinem Team auf ein Jahr zurück, in dem wir die Ziele erreicht haben, die wir uns für mein erstes Jahr als Direktor der ART COLOGNE gesetzt hatten. Hier gilt es fortzusetzen.
Wie rangiert die Bedeutung der Kunstmesse Ihrer Meinung nach: Ist eine Kunstmesse immer noch der einzig wahre Handelsplatz für Kunstkenner und Sammler?
Kunstmessen sind wichtige Kunsthandelsplätze – aber sicherlich nicht die einzigen. Denken Sie zum Beispiel an die Ausstellungsräume der Galerien selbst oder auch an Veranstaltungen wie die Biennale in Venedig oder das Gallery Weekend in Berlin. Dies sind alles vielfältige Präsentationsformen und Handelsplätze für Kunst. Verstehen Sie mich aber bitte nicht falsch, hier liegt kein Widerspruch zur Aufgabe einer Kunstmesse – denn Sinn unserer Messen ist es primär, Sammler, Kuratoren, Museumsleute und Ankaufskommissionen mit den Galeristen in Kontakt zu bringen. Und zwar weit über unsere Messelaufzeit hinaus. Idealerweise treffen Galeristen zur ART
COLOGNE sowohl auf Stammkunden, kommen zeitgleich aber auch mit neuen Sammlern in Kontakt, die sie ansonsten aus unterschiedlichen Gründen nicht ohne weiteres kennen gelernt hätten.
Messen, Galerien, Sammlerbörsen und Auktionen bestimmen den Kunsthandelsmarkt. Wie schätzen Sie das finanzielle Volumen des internationalen Kunstmarktes ein?
Auf diese Frage lässt sich schwer mit verlässlichen Zahlen antworten. Mitunter liest man von einem Volumen von gut 20 Milliarden Euro; wobei sich der Handel jedoch primär auf Metropolen wie London und New York beschränke. Eine Studie des Bundes zum Wirtschaftsvolumen der Kultur- und Kreativwirtschaft beziffert wiederum für den deutschen Kunstmarkt ein Umsatzvolumen von schätzungsweise rund 1,9 Milliarden Euro. Für den Kunsthandel sind dies rund 570 Millionen. In dieser Statistik sind jedoch die Umsätze der größeren marktbeherrschenden Galerien und Kunsthändler, die im Ausland erwirtschaftet werden, nicht mit eingerechnet, denn sie werden zumeist über ausländische Dependancen bilanziert. Sie sehen also selbst – die Zahlen sind hoch, wie hoch genau, ist schwer zu sagen.
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Foto: art cologne













