Allianz aus Kunst und Technik.
Publikation: Kunst | Ausgabe: SPEZIAL: September 2009 | Ressort: galerien.künstler | Datum: 8.9.09

Tiefrot gerahmte Fenster in der Innsbrucker Erlerstraße: Auf den ersten Blick erspäht man einen „white cube“ und eine schwarze Empore aus Stahl und Glas. Johann Widauers Galerie in der Erlerstraße lebt vom Minimalismus, der mit hochwertiger Kunst angereichert wird. Beim Galeriebesuch ist der „white cube“ noch ein „red room“ mit Werken des österreichischen Künstlers Hubert Schmalix. Am Boden ausgebreitet die großformatig bedruckten Planen von Thomas Bayrle, einem deutscher Maler, Grafiker und Videokünstler. Einer der repräsentativsten Künstler im Sortiment der Galerie: „Ihn verfolge ich schon sehr lange. Seine Werke entstanden in den 60ern und 70ern, erst in den letzten drei Jahren erfuhren sie eine immense Wertsteigerung“, so der Galerist, der für Bayrles serielle Kunst stets „Platz im Kopf“ hatte.
Sexpüppchen und Suppenwürze
Thomas Bayrle war ein Gründungsmitglied der legendären Kommune I. Eine politisch motivierte Wohngemeinschaft in Berlin, die als Gegenbewegung zur spießigen Kleinbürgerfamilie gedacht war. Man wollte sich damals von konservativen Werthaltungen lösen, lebte die freie Sexualität. Thomas Bayrle reagierte in seinen Werken auf die neue sexuelle Freiheit, indem er beispielsweise eine Vielzahl von weiblichen Vaginas und Phallussymbolen aneinanderreihte und neu arrangierte. Das Museu d‘Art Contemporani de Barcelona widmete dem großen deutschen Künstler heuer eine umfassende Retrospektive und kleidete einen kapellenförmigen Saal mit dem endlos gereihten Bild eines sich entkleidenden Paares aus – ein Ballett serieller Sexpüppchen. Am Boden klebte, ebenfalls hundertfach, wie ein Teppichmuster, ein Bild von weit geöffneten Schenkeln, gebildet von einem Heer ineinander verhakter Leiber.
Mehr über die Galerie und deren Künstler finden Sie in der Printausgabe.
Autor: Julia Sparber
Foto: Galerie Widauer













