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Zwoa Brettln, a gführiga Schnee ...

Publikation: Lifestyle |  Ausgabe: SPEZIAL November 2011 | Ressort: life.style | Datum: 7.12.11

Tirol wäre ohne die Erfindung des Skis wahrscheinlich ein armes Land. Oder jedenfalls ein anderes. eco.nova folgt der Skispur von den Anfängen bis in die jüngste Zeit.

Wer am Anfang die Skispitze vorne hatte, ist bis heute strittig. War es der Haller Alfons Siber, der Alpinist Julius Pock oder der Kitzbüheler Gastwirt Franz Reisch? Fest steht, dass die genannten Herren Anfang der 1890er-Jahre „norwegische Schneeschuhe“ – so nannte man damals Skier – nach Tirol brachten und erste Touren und Abfahrten damit unternahmen. Erste Befunde zum neuen Sportgerät fielen unterschiedlich aus. Pock etwa stellte 1892 fest, dass „das Abfahren über stark geneigte Hänge, z.B. von 20° bis 35° Neigung, und gefrorenen Schnee nicht harmlos“ sei, weil es in rasender Fahrt dahin ginge und man sich, um vor einem Hindernis anzuhalten, nur hinwerfen könne. Reisch hingegen, der im März 1893 mit Skiern das Kitzbüheler Horn bezwungen hatte, verlieh seiner Freude auf derbe Weise Ausdruck. Er soll zu einem Freund gesagt haben: „Sepp, komm her, i muss dir a Watschn gebn, so schön war des.“ Doch wie auch immer: Der Skilauf war in Tirol angekommen und bald nicht mehr aufzuhalten. 1893 wurde der Akademische Alpenclub Innsbruck gegründet, der zwei Jahre später das erste dokumentierte Skirennen in Tirol mit 15 Teilnehmern abhielt.

Skifahren, das bedeutete damals Anstieg und Abfahrt mit den Skiern. Statt zweier kurzer Skistöcke wurde in den Anfangsjahren eine lange dicke Stange verwendet. Man fuhr in „Einstocktechnik“. Die Bretter selbst waren tatsächlich solche. Lange Holzlatten mit einer Halterung für lederne Riemen, mit denen der Schuh festgeschnallt wurde.

Erste Blüte, erstes Tief

Um die Jahrhundertwende erfuhr der Skisport in Tirol einen ersten Höhepunkt. Am 3. Jänner 1901 wurde am Arlberg der erste Skiclub gegründet, im Jahr darauf folgte Kitzbühel. Zwei zukünftige Zentren des Skilaufs und Winterfremdenverkehrs kristallisierten sich somit bereits heraus. Im Jahr 1902 wurden am Arlberg auch erste Skikurse abgehalten. Damals war’s allerdings noch so, dass ein Deutscher den Tirolern das Skilaufen beibrachte. Im Jänner 1905 schließlich wurden die ers­t­en Tiroler Meisterschaften abgehalten. Sie bestanden aus Abfahrtslauf, Langlauf und Skisprung. Alle drei Disziplinen wurden allerdings von denselben Sportlern bestritten. Eine Kombination, die bis weit in die 30er-Jahre beibehalten wurde. Im Jahr 1906 schließlich schlug auch die Geburtsstunde des Skiklubs Innsbruck (SKI), im Jahr darauf wurden in Kitzbühel die ersten gesamtösterreichischen Meisterschaften, bei denen allerdings auch Ausländer startberechtigt waren, ausgetragen. Tatsächlich gewannen sowohl im Skisprung als auch im Dauerlauf keine Österreicher.

Immer mehr Orte gründeten in den folgenden Jahren Skivereine, immer mehr Rennen wurden ausgerichtet. Als Konsequenz daraus schuf man 1913 den Tiroler Skiverband (TSV). Eine jähe Unterbrechung erfuhr der Skisport freilich im Jahr darauf mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Jedenfalls im zivilen Bereich, denn militärisch wurden während dieser Zeit viele Männer aus allen Teilen der damaligen Monarchie oft erstmals mit dem Skilauf konfrontiert. Inmitten der globalen Katastrophe des Weltkrieges hatte diese Massen-Skiausbildung durchaus ihre positiven Auswirkungen: Zahlreiche Heimkehrer machten aus dem Skilauf nach dem Krieg einen Beruf und legten so den Grundstein für den modernen Wintertourismus.

Die „goldenen“ 20er- und 30er-Jahre

Vorerst waren in den ersten Jahren nach 1918 aber nur die negativen Auswirkungen zu spüren: Viele Männer waren gefallen, die wirtschaftliche Lage war triste, Skisport wurde zur Nebensächlichkeit, oft sogar zur Unmöglichkeit. Manfred Mumelter, Lehrer an der Realschule (dem heutigen Gymnasium) am Innsbrucker Adolf-Pichler-Platz, erinnert sich in einer Festschrift an diese Zeit: „Während in den oberen Klassen vor dem Krieg zwei Drittel der Schüler eigene Brettel besaßen, waren [nach dem Krieg, Anmerkung] nur mehr zwei Fünftel Skifahrer, von denen viele keine eigenen Brettel hatten. Kein Sport hat wie der Skisport so unter den Teuerungsverhältnissen gelitten. Die Skikurse entfielen mangels Teilnehmern.“ Doch die Zeiten wurden langsam besser und man schnallte sich in Tirol wieder die „Brettel“ an. Gleichzeitig schlich sich bereits eine politische Radikalisierung in den Sport ein. Der Österreichische Skiverband (ÖSV) beschloss 1923 die Aufnahme eines „Arierparagrafen“ in seine Statuten. Demnach war die Aufnahme von jüdischen Mitgliedern verboten. Der SK Arlberg trat daraufhin aus Protest aus ÖSV und TSV aus.

Den gesamten Artikel finden Sie nebst zahlreichen Bilder "von damals" in der Printausgabe.

Autor: Uwe Schwinghammer

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