Gegen den Strom
Publikation: Lifestyle | Ausgabe: SPEZIAL November 2011 | Ressort: uhren.schmuck | Datum: 7.12.11

Am 22. Jänner 1823 wurde Ulysse Nardin im Schweizerischen Le Locle geboren. 23 Jahre später gründete er eine Uhrenmarke, der er seinen Namen gab. Ulysse Nardin steht für Technologie, Innovation und Vision – versteckt sich nicht hinter einem Synonym, sondern huldigt bis heute dem Geist des Gründers.
Ulysse Nardin ist ganz bestimmt keine Marke für gewöhnliche Menschen, denn sie verlangt ihrem Träger einiges ab. Allem voran den Mut, eine optisch außergewöhnlich präsente Uhr umzulegen.
Gegründet 1846 setzte Ulysse Nardin als Mensch wie als Marke von Beginn an Maßstäbe, lernte Nardin doch sein Handwerk bei William Dubois, einem der angesehensten Präzisions-Uhrmacher dieser Zeit. Von Beginn an fühlte sich Nardin astronomischen Uhren und sehr komplexen Taschenuhren verbunden. 1862 brachte ihm dies mit der Preismedaille die höchste Auszeichnung in der Kategorie „komplizierte Uhren, Taschenuhren“ bei der Weltausstellung in London ein und setzte damit den Startschuss für viele weitere Auszeichnungen. Bis heute wurde die Marke mit über 4.300 Ehrungen bedacht, darunter mit 18 Goldmedaillen. Zudem haben in den vergangenen elf Jahren vier Modelle (Freak, Sonata Cathedral, Ewiger Kalender GMT und Minutenrepetition Genghis Khan) den renommierten und begehrten Innovationspreis gewonnen. Im Bereich der mechanischen Uhrmacherei hält die Manufaktur die meisten Patente überhaupt. Möglich macht dies ein unbeirrbares Streben nach steter Weiterentwicklung und Perfektion, die auch nach dem Tod Nardins im Jahr 1876 ständiger Begleiter und eine der tragenden Säulen der Marke ist.
Sohn Paul-David Nardin übernahm nach dem Tod des Vaters die Geschicke des Unternehmens und ließ dessen Leidenschaft für Marine-Chronometer weiterleben. 1893 erhielt Ulysse Nardin den ersten Preis für einen außergewöhnlichen Chronometer und die Goldmedaille in der Kategorie „Marine- und Taschenchronometer“ bei der Weltausstellung in Chicago. In der Folge werden Admiralitäten von Russland und Japan mit ebendiesen Chronometern beliefert. Die danach folgende Geschichte liest sich wie ein Buch der Superlative. Ulysse Nardin findet sich ständig an den ersten Plätzen unter den weltweit getesteten Marine-Chronometern, 1935 fertigt das Unternehmen den Chronograph Rattrapante mit einer Messgenauigkeit von 1/10-Sekunde, 1950 bricht Ulysse Nardin alle seit 1901 aufgestellten Chronometer-Leistungsrekorde. Dabei war die Marke immer eine unangepasste. Und seit der Übernahme des Unternehmens durch Rolf W. Schnyder im Jahr 1983 noch viel mehr. Schnyder verkörpert gemeinsam mit Dr. Ludwig Oechslin eine ganz eigenständige Philosophie und einen sehr freigeistigen Ansatz in Bezug auf Konstruktion und Design. Die beiden arbeiten gemeinsam gegen den Strom der Schweizer Uhrmacherkonventionen ... und haben damit Erfolg!
Wissenschaft und Philosophie
Rolf Schnyder war verblüfft von einer Astrolab-Wanduhr, die Oechslin nach der Restaurierung der astronomischen Farnese-Uhr im Vatikanmuseum baute und beauftragte ihn mit dem Bau der Astrolabium in Armbanduhrgröße. So wurde 1985 die Astrolabium Galileo Galilei aus der Taufe gehoben – die erste Uhr der Serie Trilogy of Time, der erste Meilenstein des Unternehmens unter Schnyders Führung und die endgültige Positionierung als Meister der Innovation. Es folgte die „InnoVision“, eine spektakuläre Uhr, die neben ihren zehn technischen Besonderheiten auch mit dem Einsatz von Silizium bahnbrechende Uhrengeschichte schrieb und dafür mit dem „New-Technology“-Preis gerühmt wurde. Diese Kreation ist gleichzeitig eine Bestätigung für die bemerkenswerte FREAK aus dem Haus Ulysse Nardin. Mit der Einführung der Silizium-Dual-Ulysse-Hemmung wurde FREAK zu einem echten Erfolgsmodell und eine der intelligentesten Uhren, die je entwickelt wurden. Mit ihr demonstriert Ulysse Nardin wissenschaftliche Kompetenz und wegweisende Innovationskraft, die viel Mut, aber auch Leidenschaft erfordert.
2010 ist die FREAK abermals für eine Überraschung gut. Dieses Mal in Form des außergewöhnlichen Zeitmessers FREAK Diavolo, dessen Schlüsselelemente aus hochwertigsten Elementen wie Silizium und LIGA Nickel bestehen. Fortschritte wurden mit ihr auch hinsichtlich der Leistung und Präzision des komplett intern entwickelten Karussell-Tourbillons erzielt. Zusätzlich wurde ein fliegender Tourbillon zur Sekundenanzeige ergänzt. Heuer schreibt das Kaliber 118 die lange Liste der Errungenschaften als Meilenstein bei der Anwendung neuer Technologien für die Uhrmacherkunst und bei der Herstellung diamantbeschichteter Elemente für das Uhrwerk fort. Das selbstaufziehende Grundkaliber von Ulysse Nardin wird auschließlich intern entwickelt und gefertigt.
Im heurigen April ist Rolf Schneyder unerwartet verstorben, doch seine Visionen leben weiter, damit die Marke auch weiterhin tief in Tradition und Innovation verankert bleibt.













