God save the Golfball
Publikation: sommer | Ausgabe: SPEZIAL Juli/August 2011 | Ressort: berg.sport | Datum: 1.7.11

Nette Etikette. Bisher herrschte auf den Golfplätzen in Tirol immer eitel Sonnenschein – doch jetzt kommen erstmals die Schläger von GolfPunk vorbei und die Party kann beginnen. Wobei die Stätte der Ballkünstler nicht würdiger hätte gewählt werden können: Am Fuße des Wilden Kaisers werden die wilden Spieler wüten.
Das Magazin GolfPunk kokettiert mit dem Image der ersten Crossgolfer. Man erinnere sich: Das waren diese verwegenen Typen, die einfach nur gut abschlagen und möglichst präzise einlochen wollten – vorzugsweise auf Schrottplätzen, Industriebrachen und in den Innenstädten. Wo nicht wirklich viel kaputt gehen konnte und eigentlich jeder Schlag ein Treffer war. Golf für alle, so lautete die Parole. Die Missionare
mit ihren 7er-Hölzern zogen los, den bis dato eher chicen Societysport von den gepflegten Grüns hinaus auf die Straße zu tragen. Im Namen des „Pling“. Dieser sensationelle Klang, dieser einzigartige Ton. Wenn das Holz den Ball perfekt trifft und vom Tee feuert. Wenn die kleine Kugel schnurstracks in den Himmel steigt. Das sollten alle erlernen und erleben.
Auch heute noch. „Plopp“ macht der Ball und jagt im hohen Bogen auf die 50er-Fahne der Driving Range zu. Der Coach hört und sieht sofort, welchen Fehler sein Musterknabe an diesem frühen sonnigen Samstagmorgen in Igls gemacht hat. Seine korrigierenden Worte: „Deine linke Schulter war zu weit oben und du hast nicht wirklich auf die Uhr geschaut.“ Oh diese Abschläge, Fluch und Segen liegen so nah beieinander, wie es wohl nur in wenigen Sportarten der Fall ist. Der Schwung will gelernt sein, daran führt kein Weg vorbei. Und so pendelt sich jeder erst locker ein, bevor der Luftzug des Schlags dem Nachbarn die Kappe vom Kopf pustet. Denn so soll er sein: nahtlos durchgezogen in einer fließenden Bewegung, weit ausholend, den Blick dabei auf die weiße Kugel geheftet, um dann mit voller Pulle und eingeknickten Knien den Schläger als Verlängerung der gestreckten Arme dem Gummiball entgegenzuschleudern.
Bogey oder Birdie
„Plopp“. Wieder dieses „Plopp“. Was hat der GolfPunk aus Innsbruck diesmal vergessen? „Dein linker Fuß soll doch stehen bleiben“, sagt der Coach und grinst. Weil er als Pro natürlich weiß, wie heftig es für einen Anfänger ist, an all diese Dinge zu denken und sie gleichzeitig wieder auszublenden, weil die Konzentration doch allein dem Ball gelten soll. Nächster Versuch: „Pling“ und vergessen sind die Hoppel-Hooks oder Shitty-Slices. Der Ball steigt auf in den schon postkartenblauen Himmel und berührt den Boden erst wieder an der magischen 100er-Marke. „Geht doch“, lautet der lakonische Kommentar vom Trainer, und mit so einem Abschlag im Rücken kann man die nächste 9er-Runde entspannt angehen. Denn 18 Loch sind ja eine tolle Sache, rein landschaftlich extrem reizvoll und natürlich platzarchitektonisch eine riesige Herausforderung. Aber gerade Anfängern genügt meist schon die halbe Runde, damit sie am Ende des Tages überhaupt wieder ankommen. Zum Glück bietet Tirol allen Könnerklassen ein passendes Programm und so findet jeder recht fix den Platz seiner Wahl. Zur Auswahl stehen 19 Anlagen und demnächst kommt bestimmt schon die nächste dazu: Der potentielle Golfplatz im Zillertal sei ziemlich fix, sagt Heinrich Menardi, Präsident des Tiroler Golfverbandes. Die Verhandlungen mit den Betreibern seien im Gange und der Rest nur eine Frage der Zeit.
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