Entwürfe und Ausführungen des Klassikers der Moderne.
Publikation: sommer | Ausgabe: SPEZIAL Juli 2010 | Ressort: kunst.kulinarik | Datum: 29.6.10

Der 100. Geburtstag von Max Weiler ist Anlass für eine Reihe von Ausstellungen, die im Sommer 2010 zu sehen sind. Eine Würdigung des großen Tiroler Künstlers, dessen Kunst als spezifisch österreichische Form der internationalen Moderne gilt.
Max Weiler als Künstler einzuordnen ist kein leichtes Unterfangen. Er fühlte sich der Natur verpflichtet, die er mit einer eigenständigen Formen- und Farbensprache auflud, die ihn zeitlebens von künstlerischen Strömungen unabhängig machte. „Mein Werk ist ein geistiges“, schrieb Weiler 1972 in seinen Tag- und Nachtheften, „... dies verbindet mich mit den Strömungen, die in gebirgigen Ländern von China bis Tirol vorkommen ...“ Der österreichische Kunsthistoriker Otto Breicha spricht 1980 davon, dass „Weiler das Zillertal in sich selbst überwunden hatte“ und meinte, dass die Tiroler Bergwelt prägend, aber nicht mehr als eine exemplarische Erfahrung für ihn war. Peter Weiermeier beschrieb ihn als „Begreifender und Ergriffener“, der sich in unnachahmlicher Weise für „das Werden der Natur und deren geistiger Kräfte“ hingab. Aus dem Kanon der umfassenden Weiler-Präsentationen ragt die Ausstellung im Tiroler Landesmuseum heraus, widmet sie sich doch einem Teil des Œuvres Weilers, der bis dato kaum erforscht war: das Werk im öffentlichen Raum.
Genese und Skandal
Innerhalb der österreichischen Kunst der Nachkriegszeit gibt es keinen anderen Künstler, der so viele Werke für den öffentlichen Raum geschaffen hat wie Max Weiler. Die Kunst am Bau feierte in den 50er- und 60er-Jahren Hochkonjunktur und kam ihm zugute. Wie auch die Freundschaft mit dem bekannten Architekten Clemens Holzmeister förderlich für Max Weiler war. Die meisten Aufträge dieser Art erhielt er auf Grund von öffentlich ausgeschrieben Wettbewerben, die er für sich entscheiden konnte.
Kurz nach Kriegsende erhielt Weiler den Auftrag, die Theresienkirche auf der Innsbrucker Hungerburg auszugestalten. Seine starke Malweise und vor allem die Darstellung der Tiroler Bauern in der Kreuzigungsszene sorgten damals für einen Skandal, der so weit führte, dass die Fresken ein knappes Jahrzehnt nicht gezeigt werden durften. Ein Detail in diesem Werk zeigt ein blaues Pferd, genau im Mittelpunkt im Herzen Jesu, das damals für größten Unmut sorgte. Weiler reagierte darauf: „… Nach meiner Empfindung kann dieses Pferd gar nicht anders sein als eben blau – dieses Pferd ist eine Versinnbildlichung aller Kreaturen und nicht das Portrait eines Unpaarzehers und Haustieres ...“ Die Bildstöcke auf der Haller Straße, die Wandmalereien auf Schloss Ambras, im Hofgarten und im Stadtsaal sowie am Innsbrucker Hauptbahnhof, sind nur einige der von Max Weiler geschaffenen Arbeiten für den öffentlichen Raum, die seinem sonstigen Schaffen ebenbürtig sind. Er kreierte diese mit derselben Genauigkeit und Ernsthaftigkeit. Trotzdem sorgte nicht nur die kontroversielle Auseinandersetzung Weilers mit den vorgegebenen Inhalten, sondern auch seine für die damalige Zeit ungewohnt moderne Formensprache in kräftigen Farben für Aufsehen. In der Broschüre zu Weilers öffentlichen Werken findet man eine Aufzeichnung aus dem Jahre 1954: „Ich male die Sonne, abgegrenzte Strahlen- und Wellensysteme um die gelbe runde Scheibe, bald rund ausstrahlend, bald wasserfallartig herunterfließend. Dann den Himmel, blau mit gelben Streifen … Die Berge, den Fluss, den Baum weiß oder schwarz – was mir als eine besondere Erfindung erschien ... der Mehrheit meiner Landsleute gefiel das damals gar nicht. Sie hatten sich auch angewöhnt, alles, was ich machte, abzulehnen ...“
Pathos und Dialog in Innsbrucks Museen
In all seinen Werken manifestiert sich sein zwiespältiges Verhältnis zum Land seiner Herkunft, auch wenn er unter anderem durch das heftige Gerede Berühmtheit erlangte. Bei der Eröffnung der Ausstellung im Tiroler Landesmuseum meinte LR Beate Palfrader: „Max Weiler gelang mitunter auf sehr subtile Weise die Bloßstellung Tiroler Scheinheiligkeit!“ Heute zählt Max Weiler zu den Visionären in der Kunst, die ihrer Zeit voraus waren. Seinen früher abgelehnten Arbeiten kommt heute großer Stellenwert hinzu und sie prägten die öffentliche Wahrnehmung von Kunst am Bau auf besondere Weise. Im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum wird man dieser Wahrnehmung gerecht, indem man im Foyer mittels Baugerüsten und vorgesetzten Paneelen eine Art Atelier- und Arbeitssituation entstehen lässt. Auch der Original-Farbkoffer von Max Weiler mit der Aufschrift „Alles fürs Freie“ steht am Gerüst und verleiht der bildlichen Schöpfungsgeschichte reichlich Pathos. Die Ausstellung im Ferdinandeum ist seinen öffentlichen Arbeiten von den 30er bis zu den 90er Jahren gewidmet. Kurator Günther Dankl ging zunächst von 40 Arbeiten aus, die aufgrund eingehender Recherchen und öffentlicher Aufrufe auf 60 angewachsen sind. Man schöpfte auch aus den reichen Archiven der Künstlerwitwe Yvonne Weiler und brachte zum Teil erstmals gezeigte Skizzen, Entwürfe und Studien hervor, die als Vorbereitung großer öffentlicher Werke dienten und den Prozess der Entstehung darstellen.
In einer Begleitschau im Stadtarchiv/Stadtmuseum werden „Die großen Werke“ Weilers als Beispiel gelebter Zeitgeschichte gezeigt. Die Exponate der Ausstellung treten in einen wechselseitigen Dialog zur Innsbrucker Stadtgeschichte und erklären auch die Entwicklungsstufen seiner frühen Skizzen und Entwürfe. In Innsbruck steht das öffentliche Werk des Künstlers Max Weiler im Mittelpunkt, das vom Entwurf bis zur Ausführung aufgearbeitet wird. Der 100. Geburtstag des großen Tiroler Künstlers Max Weiler ist aber auch im Klosterneuburger Essl-Museum Thema, in dem man sich dem Maler Weiler widmet. In der Wiener Albertina steht ab Jänner 2011 der Zeichner im Mittelpunkt.
Aller Termine zu den Weiler-Ausstellungen finden Sie in der Printausgabe.
Autor: Julia Sparber
Foto: TLMF













