Von Kufen, Kurven und Könnern
Publikation: Tirol im Winter | Ausgabe: SPEZIAL Dezember 2011/Jänner 2012 | Ressort: rodeln in tirol | Datum: 7.12.11

Tiefer, breiter, schneller: Die schärfsten Schlitten kommen aus Tirol. Hier hat die Rennrodel ihre Heimat und wer sein Gesäß auf einem gescheiten Gefährt platzieren möchte, scheut auch nicht den Weg zum Hersteller. Die heißen Fluckinger, Gallzeiner, Gasser sowie Kathrein und jede Werkstatt oder Manufaktur arbeitet mit dem Know-how von Generationen, entwickelt stetig neue Ideen für die idealen Begleiter am Berg und legt größten Wert auf Handarbeit.
eco.nova betrat die verborgenen Stätten des Rodlerglücks, schaute sich um zwischen hohen Holzstapeln, prähistorischen Dampfgarern, Arsenalen von Schraubzwingen und sorgfältig gekanteten Kufen. Die Welt fährt ab auf Rodeln made in Tirol und eco.nova gibt ihnen jetzt ein Gesicht. Wir zeigen die Macher des Machbaren aus Holz und haben dabei auch die Legende aus Kitzbühel nicht vergessen – den Zipflbob. Der Plastikveteran transportiert den Pistenspaß, während die hölzernen Boliden die sportliche Schussfahrt durch die Spitzkehren repräsentieren. Und wer überholt wen? Die Szene bewegt sich da zwischen Glaubensbekenntnis und Statussymbolik, wenn Schwüre geleistet werden auf die Vorzüge der verschiedenen Freizeitgeräte. Die klassischen Pflegetipps zum Erhalt der Rodeln stehen auf den Homepages der Firmen, doch die wahren Tipps und Tricks fürs Fahren am Limit, die gibt es nur von den Meistern persönlich. Bei denen schon im Sommer die Nationalteams vieler Länder auf der Matte stehen und ihre Wünsche für die nächste Saison platzieren.
Wer auch ohne Temporausch, aber trotzdem mit guter Technik die Naturrodelbahnen hinunterflitzen möchte, kann seine Fertigkeiten diesen Winter regulär verbessern: Erich Eder gründete die erste Rodelschule in Tirol nahe Jenbach und vermittelt Theorie und Praxis auf der gütesiegelbewehrten Kogelmoos-Rodelbahn. Ein Kurs dauert 4 Stunden und kostet pro Person 20 Euro. Gewisse Grundregeln sollten alle Rodler beherrschen, sagt Eder und erklärt die Basics für eine gepflegte Abfahrt: „Die Sitzposition soll in der Mitte sein. Mit einer Hand hält man sich an der Rodel, mit der anderen am Holm fest. Gebremst wird vor der Kurve und mit vollem Ferseneinsatz – seitlich der Kufen werden die Füße fest auf den Boden gedrückt und die Rodel am Lenkriemen leicht angehoben.“ Es folgt die schwungvolle Kurvenfahrt: „Fährt man in eine Linkskurve, hält man den Gurt in der rechten Hand, verlegt sein Gewicht auf die linke Seite und drückt mit dem rechten Fuß vorne auf die Kufe. Bei einer Rechtskurve gilt entsprechend das Gegenteil. Rodelt ein Duo zu Tal, so setzt sich der Größere nach vorn, der Copilot stellt seine Füße auf die Kufen und hält sich am Vordermann fest.“
So schön gesund kann Rodeln sein: dynamischer Aufstieg und elegante Abfahrt, geprägt von der Rücksicht auf die anderen Verkehrsteilnehmer. Allerdings besitzen noch nicht alle der 100 Rodelbahnen in Tirol das Gütesiegel des Landes. Diese Auszeichnung erhalten die Betreiber der Rodelbahnen, wenn ihre Strecken verschiedene Kriterien erfüllen wie Präparierung, Sicherheit, Schneelage und bei Bedarf auch notwendige Bahnsperren. Wer es dann tagesaktuell und ganz präzise wissen möchte, schaut nach auf dem Portal von www.winterrodeln.org. Seit 15 Jahren präsentiert das Rodelkollektiv auf seiner Homepage alle relevanten Infos für Freizeitsportler und Familien und wird dabei immer populärer: Die monatlichen Zugriffe auf die Strecken verzeichneten in der vergangenen Saison eine Steigerung von rund 40 Prozent.
In der Printausgabe finden Sie neben den 10 Rodelregeln mehr zu den heimischen Rodelherstellern Fluckinger, Gallzeiner, Gasser und Kathrein.
Autor: Stefan Becker
Foto: Stefan Becker













