01.02.2019

Die Zukunft des Geldes

Foto: shutterstock.com

Hat die Barzahlung in näherer Zukunft tatsächlich ein Ablaufdatum?

Bei aller Technologisierung und Digitalisierung gibt es immer noch quasi unerschütterliche, reale Bastionen. Bargeld zum Beispiel. Auch für Armin Schneider, Direktor der Zweigstelle West der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), stimmt die Gleichung Bargeld ist gleich Freiheit noch. Für ihn ist Bargeld etwas ganz Einfaches, das jeder versteht. Eine öffentliche Stelle garantiert überdies den Wert. Es braucht keine technische Infrastruktur, um zu existieren, und man kann dem Banksystem ausweichen. Was er sonst über die Zukunft des Geldes denkt, darüber haben wir mit Schneider gesprochen.

 

eco.nova: Wie wird sich der Zahlungsverkehr in Österreich in den kommenden Jahren entwickeln?

Armin Schneider: Man kann feststellen, dass es eine langsame, aber kontinuierliche Entwicklung hin zur elektronischen Zahlung gibt. Die NFC-Technologie ist hier ein starker Wachstumstreiber. Im vergangenen Jahr wurden in Österreich 661 Millionen Zahlungen am Point of Sale mit Bankomatkarte getätigt. Das sind immerhin um 15 Prozent mehr als 2017. Jede zweite dieser Zahlungen wurde kontaktlos, also via NFC, ausgelöst. Die Bankomatkarte hat den Vorteil, dass das Vertrauen der Menschen ihr gegenüber sehr groß ist, weil man sich an sie gewöhnt hat. Es gibt auch bei der NFC-Technologie bislang keinen Schadensfall.

 

Das Smartphone, jenes Gerät, das unsere Zeit prägt wie kein anderes, spielt im kontaktlosen Bezahlen erstaunlicherweise keine Rolle, obwohl die Technik dafür da ist. Wie lässt sich das erklären?

Grundsätzlich kann man die Bankomatkartenfunktion auf das Smartphone transferieren. Zahlen mit Handy ist bei uns aber aktuell tatsächlich kein großes Thema. Ich habe noch nie jemanden gesehen, der mit seinem Smartphone gezahlt hätte. Das steckt bei uns noch in den Kinderschuhen. Vielleicht ist es kulturell bedingt, dass das Smartphone in erster Linie noch als Gerät zum Telefonieren, Chatten und Surfen wahrgenommen wird. Gewisse Sicherheitsbedenken und der Wunsch nach Anonymität spielen auch eine Rolle. Zudem sind gewisse Bezahlsysteme auch an die Type des Smartphones gebunden bzw. werden auch nicht flächendeckend akzeptiert.

 

Zusammengefasst kann man sagen, dass es eine dynamischer werdende Tendenz um bargeldlosen Zahlungsverkehr gibt.

Die Tendenz ist da. Nach wie vor werden allerdings drei Viertel aller Zahlungen in bar getätigt. NFC war ein wesentlicher Treiber, Instant Payments werden ein weiterer werden. Dadurch wird bargeldloses Bezahlen bzw. Überweisen in Echtzeit möglich, 24/7 und 365 Tage im Jahr. Seit November wird von der EZB ein derartiges System angeboten. Außerdem gibt es mit der Einführung der Zahlungsdienstrichtlinie PSD2 das Modell der Zahlungsauslöse- oder Kontoinformationsdienste, ein spezielles Gebiet für FinTechs, denen mit eigener Zustimmung ein Zugriff auf das Konto ermöglicht wird. Das bringt auch noch ein gewisses Momentum hin zum elektronischen Zahlungsverkehr.

 

Der Trend weist in Richtung elektronisches Bezahlen. Was spricht dennoch dafür, dass das Bargeld im Wesentlichen auch in Zeiten der immer einfacher werdenden elektronischen Möglichkeiten seinen Stellenwert behalten wird?

Dafür gibt es kulturelle, strukturelle und praktische Gründe. Es kommt darauf an, wie der Umgang vorgelebt wird, wie auch in der unmittelbaren Umgebung bezahlt wird. In der DACH-Region ist die Barzahlung das klassische Mittel, in Schweden oder den Niederlanden überwiegen unbare Zahlformen. So wie die landesüblichen Usancen sind, wird man es in der Regel auch mit dem Bezahlen halten. Strukturell wird das Bargeld so lange attraktiv sein, wie es akzeptiert wird.

 

Zumal die kontinuierliche Bereitstellung von Bargeld mit Kosten verbunden ist. 

Natürlich kostet die Infrastruktur für Bargeld etwas, für die Kunden ist die Behebung von Bargeld meistens gratis. Elektronisches Bezahlen ist derzeit aber nicht gratis und wird es in Zukunft auch nicht sein. Die meisten Kunden haben heute einen Pauschalpreis für die Kontoführung, da sind alle Kosten für Bankomatkarte und Überweisungen eingepreist. Wir als OeNB sind für einen Wettbewerb der Zahlungsmittel. Gibt es einmal kein Bargeld mehr, dann bestünde die Gefahr, dass elektronisches Zahlen teurer wird. Bargeld bietet zusätzlich den Vorteil der Privatsphäre durch die Anonymität, für die meisten Menschen ein hohes Gut. Bargeld wird zudem als Selbstbeschränkung gesehen, die Ausgabendisziplin erleichtert. Zudem wird Bargeld hierzulande überall akzeptiert. Deshalb wird sich an der Bedeutung des Bargelds kurz- und mittelfristig nichts ändern.

 

Der OeNB sammelt Jahr für Jahr immer noch Millionen von Schillingen ein. Wissen Sie, wie viel an altem Bargeld sich noch im Umlauf befindet?

Das können wir sehr genau sagen, weil wir wissen, welche Geldmenge an Schillingen wir ausgegeben und wie viel wir davon zurückbekommen haben. Die Österreicher sind sehr treue Wesen. Von den Banknoten sind mehr als 98 Prozent zurück zur OeNB gekommen, bei den Münzen sind es 44 Prozent. Trotzdem macht der Anteil des nicht umgetauschten Geldes sieben Milliarden Schilling bzw. 505 Millionen Euro aus. Es fehlen uns Schilling-Scheine im Wert von 225 Millionen Euro und Münzen im Wert von 280 Millionen Euro. Wir tauschen noch alle Scheine der letzten Serie und Münzen um. Die häufigste fehlende Note ist der 20-Schilling-Schein mit Moritz Daffinger. Der 100-Schilling-Schein macht in Summe den höchsten fehlenden Betrag aus. Uns fehlen aber auch immer noch 107.000 5.000-Schilling-Scheine. Dafür haben wir keine wirklich plausible Erklärung. Größere Vermögen, die bei uns eingetauscht werden, haben immer denselben Hintergrund. Sie werden gefunden, nachdem Eltern oder Großeltern ins Altersheim gebracht wurden oder verstorben sind. Bei den Münzen fehlen uns 3,7 Milliarden Stück. Fast die Hälfte davon sind Zehn-Groschen-Münzen. Von den zehn Groschen, die in Tirol fehlen, könnte man alleine 50 Mittelklasseautos kaufen. Ein Landecker hat einmal nachgefragt, ob die Zehn-Groschen-Münzen noch eingetauscht würden, mir nach Bestätigung aber gesagt, dass er diese lieber als Beilagscheiben für Schrauben verwenden würde, weil das billiger sei. Seit der Euro-Einführung hat die OeNB dem Finanzminister 200 Millionen Euro für nicht mehr umtauschbare Schillinge überwiesen. Allein 107 Millionen sind auf die im vergangenen Jahr abgelaufenen Wagner-500er und Schrödinger-1.000er zurückzuführen.

 

Sie haben als Antwort auf meine Frage Bargeld als etwas „old-fashioned“ bezeichnet. Bargeld erscheint bei näherer Betrachtung dennoch als zeitloses Medium. Es ermöglicht Anonymität in einer Zeit, in der jeder Einzelne einen ständig größer werdenden digitalen Fußabdruck hinterlässt.

Bargeld ist sicher nicht leicht umzubringen, hat eine jahrtausendealte Geschichte. Ich sehe aber, dass beispielsweise meine Kinder einen viel lockereren Umgang mit den neuen technologischen Möglichkeiten pflegen als ich selbst. Die junge Generation hat einen anderen Zugang. Ich sehe aber auch, dass viele junge Menschen merken, dass sie sich mit Social Media und Co. überfordern und das zunehmend Stress bedeutet. Die Unternehmen leben zudem von den Daten. Langsam formiert sich eine Gegenbewegung.

 

Ist das Bargeld die letzte Bastion, die uns vor der totalen Transparenz und geldpolitischer Willkür wie etwa flächendeckenden Negativzinsen schützt?

Die EZB betreibt ihre Geldpolitik nicht aus Willkür, sondern handelt gemäß ihrem Mandat. Und sie war in den letzten Jahren sehr erfolgreich damit. Negativzinsen hat es übrigens für keinen Bürger in Österreich gegeben. Die Banken waren davon betroffen. Gäbe es kein Bargeld, wäre das natürlich möglich. Wird diese Zeit einmal kommen? Ich glaube nicht, dass dies auf lange Zeit eine realistische Chance hat. Es geht uns nicht darum, das Bargeld als das einzig Wahre darzustellen. Wir wollen nur den Menschen in Österreich die Freiheit erhalten, dass man sein bevorzugtes Zahlungsmittel selbst wählen kann und sich damit ein Stück Freiheit bewahrt.  

 

Ist die bargeldlose Gesellschaft, ebenso wie das papierlose Büro, folglich nicht mehr als eine Fiktion?

Zumindest mittelfristig auf jeden Fall. Man darf auch nicht immer von der Generation der 20- bis 50-Jährigen als Standard ausgehen. Es gibt auch Kinder, die den verantwortungsvollen Umgang mit Geld erlernen sollten. Das ist sehr schwer, wenn Geldausgeben nur einen Klick bedeutet. Zudem bleibt die Gruppe der Senioren, zu der wir alle einmal gehören werden, die sich mit Technik nicht so leicht tut.

 

Text: Marian Kröll / Aus: eco.nova Feber 2019

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