05.07.2019

Erfolg

Ethik zahlt sich aus.

Der Erfolg hängt oft davon ab, dass man weiß, wie viel Zeit für ihn nötig ist. Das wusste schon der französische Staatstheoretiker Montesquieu. Doch was ist Erfolg? Im unternehmerischen Kontext ist Erfolg zwangsläufig immer, aber nicht ausschließlich, auch finanzieller Natur. Monetärer Erfolg sichert schließlich den Fortbestand eines Unternehmens. Erfolg ist aber mehr als das in monetären Größen erfasste bzw. ausgedrückte Ergebnis des Wirtschaftens, mehr als nur positive Kennzahlen wie Gewinn, Return on Investment oder Shareholder Value und solide (Wachstums-)Prognosen. Erfolg ist die Fähigkeit, gesetzte Ziele zu erreichen. Diese Definition gilt sowohl für Individuen als auch für Organisationen. Erzwingen lässt er sich jedoch nicht, der Erfolg. Er ist manchmal wie ein scheues Rehlein. Dem einen scheint er an den Fersen zu heften, den anderen zu meiden wie der Teufel das Weihwasser. Es gibt aber sehr wohl einige Zutaten zum Erfolgsrezept, die zu beherzigen die Erfolgswahrscheinlichkeit steigen lassen. Eine ethische Unternehmensführung ist eine davon. Wie zu zeigen sein wird, ist Ethik in wirtschaftlichen Zusammenhängen nicht „nice to have“, sondern – ganz im Gegenteil – eine unverzichtbare Grundlage und Vorbedingung für ein funktionierendes System und ein nachhaltig erfolgreiches Wirtschaften.

 

Die Wiederentdeckung des Menschen

 

Seit den 1980er-Jahren gibt es Bemühungen, die Ethik in die Ökonomie zu reintegrieren. Mit dem Übergang zur Informations- und Dienstleistungsgesellschaft fand in der Ökonomie die „Wiederentdeckung des Menschen“ statt. Das ist aber nicht etwa ein romantischer Akt, sondern ein zutiefst rationaler. Der Mensch wird nämlich in diesem Zusammenhang als „Ressource“ begriffen, deren erfolgreiche Bewirtschaftung über den zukünftigen Erfolg bestimmt. Damit wird die Pflege „weicher Faktoren“ im Rahmen einer Unternehmenskultur unabdingbar, wie Annette Kleinfeld in ihrem Buch „Persona Oeconomica – Personalität als Ansatz der Unternehmensethik“ festhält. Zu diesen weichen Faktoren gehören etwa ein partnerschaftlicher Umgangs- und Führungsstil, wechselseitige Akzeptanz, Kooperation statt Konfrontation, vertrauensschaffende Verständigungskultur und Transparenz. Im Anforderungsprofil nehmen kommunikative und Sozialkompetenz seit vielen Jahren beständig mehr Raum ein. Das macht freilich eine grundlegende Methoden- und Fachkompetenz in der Arbeitswelt nicht überflüssig.

 

Was soll ich tun?

 

So lautet nach Kant die Grundfrage aller Ethik, deren Beantwortung uns Auskunft über unsere Werte und deren Rangordnung gibt. Sie sagt uns zugleich, wer oder was wir als Menschen sind.

 

Was ist der Mensch? Die Frage nach unserem Wesen ist – wiederum nach Kant – die Grundfrage der Anthropologie. Der stets rein zweckrational agierende „Homo oeconomicus“ wurde in der Wissenschaft als unzulängliche Modellvorstellung mittlerweile verworfen. Dieses zu kurz greifende Modell muss jedenfalls um weitere Aspekte des Menschseins erweitert werden, um überhaupt erklärungsmächtig sein zu können. Der Mensch als wirtschaftlicher Akteur ist zugleich immer auch ein moralisches Subjekt, dem es eben nicht nur um die Eigennutzmaximierung geht. Unternehmensethik umfasst durch die Reziprozität von Individuum und Institution sowohl personal-individuelle als auch institutionelle Komponenten, die auf verschiedene Arten zusammenspielen. Vielfach werden Unternehmen zu mechanistisch, als ausschließlich durch Wettbewerbsprinzip und Marktmechanismen gesteuerte Subsysteme, aufgefasst. Darin finden Handlungen, die nicht auf Gewinnorientierung ausgerichtet sind, keinen Platz, wodurch wiederum die Unternehmens-„Mitglieder“, sprich die Führung und die Mitarbeiter, für die exklusive Verfolgung ökonomischer Ziele funktionalisiert, objektiviert und damit entmündigt werden.

 

Moralisches Vermögen begründet Handlungsfähigkeit

 

Der Mensch spielt als Person im Wirtschaftsprozess eine ganz zentrale Rolle, und zwar nicht nur als Subjekt, sondern auch als Gegenüber moralischer Verpflichtungen. Diese personale Deutung bilde, so Kleinfeld, die Grundlage für die Herausbildung eines ökonomie-immanenten Moralkriteriums, das als unbedingter Maßstab allen ökonomischen Entscheidungsprozessen zugrunde gelegt werden müsse. Nur das menschliche Individuum als Person verfüge über moralisches Vermögen, das Handlungsfähigkeit begründet. Diese Eigenschaften können dementsprechend einer Organisation nur zugeschrieben werden, wenn es sich bei ihren Mitgliedern um menschliche Individuen handelt. Die Person wird von Kleinfeld als spezifisch menschliche Seinsweise aufgefasst, die durch die drei Aspekte Individualität, Relationalität und Potentialität gekennzeichnet ist.

 

Moral muss sich lohnen

 

Der Philosoph Karl Homann hat versucht, eine „ökonomische Theorie der Moral“ zu entwickeln, die sich auf die Prämisse „Moral muss sich lohnen“ verkürzen lässt und auf dem Boden der Ökonomie stattfindet. Homann nimmt an, dass die subjektive Interessenverfolgung das primäre und stärkste handlungsleitende Prinzip des Menschen ist. Warum könnte es also im Interesse des Einzelnen gelegen sein, seiner Freiheit Grenzen zu setzen?

 

Homann argumentiert, ganz in der Tradition von Thomas Hobbes und John Rawls, dass es gerade die Moral sei, die dem Individuum Freiheit im Sinne von Handlungsspielräumen verschafft, weil sie ein friedliches Zusammenleben in der Gesellschaft erst ermöglicht. Moral, postuliert Homann, sei die Bedingung, die Ökonomie erst ermögliche. Sozialutilitaristischen Überlegungen wird darin der Vorzug vor individualutilitaristischen gegeben. Dafür braucht es laut Homann institutionelle Maßnahmen und Rahmenbedingungen, wobei moralisch relevante Probleme der Ökonomie nicht von den einzelnen Akteuren, sondern nur kollektiv lösbar seien. Homann stellt mit seiner Betonung des freiheitsschaffenden Moments der Moralität dieselbe in den Dienst der Ökonomie. Solcherart, dass durch die Moral erst Voraussetzungen geschaffen werden, unter denen effizientes Wirtschaften möglich wird. Hobbes’ Naturzustand als Kampf aller gegen alle wird so zu einem Zustand der Stabilität und Verlässlichkeit der wechselseitigen Verhaltenserwartungen. Ökonomik-inhärente Wirtschaftsethikansätze wie dieser haben den Vorteil, dass sie unter den Bedingungen von Wettbewerb und Gewinnprinzip bestehen können.
Der bekannte US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Milton Friedman sah dagegen die einzige soziale Verantwortung der Wirtschaft darin, ihre Profite zu vergrößern, sich dabei aber stets an die Spielregeln zu halten und im freien Wettbewerb zu stehen. „The business of business is business“, sagte er. Gewinnstreben bzw. Profitorientierung ist nichts Amoralisches, sondern sogar etwas Notwendiges. Und wenn man sich an die Regeln hält, ist dagegen auch gar nichts einzuwenden.

 

Eigennutz und Agency

 

Das Eigennutzaxiom, das als Grundlage des neoklassisch geprägten ökonomischen Paradigmas fungiert, wird vom Ökonomen Amartya Sen als reduktionistisch und als alleiniger Ausgangspunkt ökonomischer Analyse unangemessen empfunden. Sen hinterfragt die Annahme, dass unser Handeln ausschließlich vom Eigeninteresse geleitet wird, und bringt einen neuen Aspekt, „agency“ genannt, ins Spiel. Agency bezeichnet den Umstand, dass eine Person Ursprung von Handlungen ist. Handlungen, denen allgemein menschliche, moralisch relevante Motivationsgrundlagen in Form von objektiv gültigen Wertehaltungen, Zielen und Zwecksetzungen zugrunde liegen.

 

Der US-amerikanische Soziologe Amitai Etzioni begründet das menschliche Streben mit zwei weiteren Motivationen, nämlich „pleasure“ und „morality“. Der Mensch, argumentiert Etzioni, stelle seinem Streben stets eine moralische Beurteilung voran. Unsere Entscheidungen kämen nicht primär auf logisch-empirischer, sondern auf emotionalen und wertorientierten Grundlagen zustande, weshalb sie nicht als ökonomisch-rational eingestuft werden könnten. Auch Etzioni kritisiert den Begriff des Homo oeconomicus als unabhängiges, isoliertes Individuum. Vielmehr sei der Einzelne Teil einer umfassenden Gemeinschaft oder, wie es bei Aristoteles heißt, ein „zoon politicon“. Erst diese soziale Einbettung des Menschen mache den Einzelnen als Individuum wahrhaft frei. Etzionis „Ich- und Wir-Paradigma“ umfasst nicht nur einzelne Wirtschaftsakteure, sondern auch Markt und Wettbewerb als Subsysteme, die immer in soziale, kulturelle und nicht zuletzt politische Kontexte eingebunden sind. Sen und Etzioni erweitern also das ökonomische Rationalitätskonzept um anthropologische und handlungstheoretische Annahmen.

 

Die Ethik als Korrektiv

 

Für den 2012 verstorbenen deutschen Philosophen, Wirtschaftswissenschaftler und -ethiker Peter Koslowski bildet Wirtschaftsethik den normativen Teil einer „Ethischen Ökonomie“, der von einem positiv-deskriptiven Teil in Form von Kulturwissenschaft  und -philosophie ergänzt wird. Ethik und Ökonomik sind für Koslowski durch ihr gemeinsames Interesse an einer optimalen Koordination der Gesellschaft schon immer miteinander verbunden. Wirtschaftsethik hat nach Koslowski die Aufgabe, die Spannung zwischen Sein und Sollen immer wieder zu versöhnen.

 

Unternehmensethik kann laut Koslowski sogar als Korrektiv von Marktversagen fungieren. Wenn Marktteilnehmer unmoralisch handeln, profitieren sie vom moralischen Verhalten der anderen. In der Literatur ist vom Schwarzfahrer-Problem, mit dem es sich ähnlich verhält wie mit dem berühmteren Gefangenendilemma, die Rede. Alle Formen von Marktversagen führen zu Dilemmasituationen. Marktversagen liegt vor, wenn das Marktprinzip nicht mehr in der Lage ist, die Interessen der einzelnen zu gemeinwohldienlichen Handlungen zu koordinieren und die negativen Nebenwirkungen des Wirtschaftsprozesses zu internalisieren. Ethik könne, so Koslowski, solches Marktversagen grundsätzlich korrigieren, weil sie die Regelbefolgung einer Gruppe fördert, indem Werte wie Treu und Glauben und das Vertrauen der Mitglieder untereinander stabilisiert würden. Dadurch werden die Transaktionskosten gesenkt, die in einem ethikfreien Markt notwendig entstünden. Derart wird Ethik wirtschaftlich profitabel.

 

Nun scheint es zunächst abwegig, dass sich die Gretchenfrage – „Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?“ – auch in der Unternehmensethik stellen könnte. Religion spiele, heißt es bei Koslowski, aber sehr wohl eine Rolle, und zwar als Korrektiv im Falle eines Ethikversagens. Nur die religiöse Motivation führe zu jener echten Verlässlichkeit, mit der ein Individuum unter allen Umständen, unter Absehung vom Verhalten der anderen und aller ihm daraus entstehenden Nachteile nur um der Moralität selbst willen regelkonform handle. „Die Motivation, sich ethisch zu verhalten, kann nicht ethikimmanent begründet werden“, meint Koslowski folglich. Dem muss man entgegenhalten, dass in der heutigen Zeit in unseren Breiten die Aussicht auf eine Belohnung im Jenseits wohl kaum mehr jemanden davon abhält, unmoralisch zu handeln. Koslowski zielt generell in seiner Argumentationskette stark auf das menschliche Individuum als den eigentlichen Austragungsort ethischer Reflexion und als Träger des moralischen Handelns ab.

 

Persongerechtigkeit als Sachlogik


Nun muss man ins Feld führen, dass die Individualethik in dem Maße an Bedeutung einbüßt, in dem in unserem Wirtschaftssystem das kollektive Handeln von Personen, die sich zu Organisationen zusammengeschlossen haben, die bevorzugte wirtschaftliche Organisationsform ist. Deshalb erkennt man Korporationen selbst den Status eines moralischen Akteurs zu. Aus rechtlicher Sicht ist die Sachlage recht einfach: Unternehmen werden zum Subjekt von Verantwortung, weil sie als „juristische Personen“ existieren und haften. Letzten Endes ist und bleibt aber das personale Gewissen der eigentliche Ort moralischer Überlegungen. Denn das eigentliche Wesen des Menschen als Person bilden jene Charakteristika, die ihn sowohl als Subjekt wie auch als Gegenüber moralischen Handelns und ethischer Überlegungen auszeichnen: seine Freiheit und Würde.

 

An dieser Stelle kommt der Begriff der „Persongerechtigkeit“ ins Spiel, eine Art modifizierter kategorischer Imperativ, der da lautet: „Handle so, dass du dem Wesen des Menschen als Person, deiner eigenen Person wie der eines jeden anderen, jederzeit Rechnung trägst.“ Die Persongerechtigkeit formuliert folglich personale Pflichten gegenüber sich selbst und gegenüber anderen. Es gehört stets zur Pflicht gegen sich selbst, die Pflichten gegenüber anderen zu erfüllen, ihnen gleichsam gerecht zu werden. Unternehmensstrategien und ihre Umsetzung müssten sich, so Kleinfeld, notwendigerweise am Prinzip der Persongerechtigkeit orientieren und mit deren Postulaten vereinbar sein. Dementsprechend sei das Ausführen ethisch nicht vertretbarer Handlungsweisen mit der Würde und dem moralischen Status der Person unvereinbar. Kleinfeld argumentiert, dass das Prinzip der Persongerechtigkeit Teil der organisationalen Sachlogik sei und nicht etwa ein „außerökonomisch“ auferlegter moralischer Zwang. Der Mensch verwirklicht sich als Person im eigentlichen Sinn nur da, wo ihm durch seine Orientierung an genuin moralischen Kategorien und Werten wie Solidarität, Gerechtigkeit und Liebe die Möglichkeit der Transzendenz eines rein nutzen- und effizienzbestimmten Denkens gegeben ist. Dementsprechend werden diese spezifisch personalen Werte im unternehmerischen Kontext wie im gesamten Wirtschaftskreislauf immer wichtiger, können aber betriebsintern immer nur bedingt verwirklicht werden. Deshalb ist es wichtig, dass diese Dinge im privaten Bereich ermöglicht werden, etwa durch flexible Arbeitszeitmodelle oder eine familienorientierte Personalpolitik. So kann die wiederentdeckte Ressource „Mensch“ am besten bewirtschaftet werden. In letzter Konsequenz gilt nämlich, was auch Karl Homann treffend festgestellt hat: „Die Moral ist für den Menschen da und nicht der Mensch für die Moral.“

 

Weil der Mensch zählt

 

Ein weiterer ganz wesentlicher und absurderweise immer noch unterschätzter wirtschaftlicher Erfolgsfaktor ist: die Menschlichkeit. So argumentieren zumindest die Steuerberater und Autoren Stephan Brockhoff und Klaus Panreck, und man darf annehmen, dass sie auf der richtigen Fährte sind. Zufriedene Mitarbeiter führen zum unternehmerischen Erfolg, so die einfache Rechnung. Und menschlicher Umgang, wechselseitiger Respekt und Wertschätzung sowie ein authentisches Miteinander führen wiederum zu zufriedenen Mitarbeitern. Doch ist es wirklich so einfach?

 

Jein. Zufriedene Mitarbeiter arbeiten engagierter als unzufriedene, so viel scheint klar. Sie sind nicht nur engagierter, sondern auch effizienter, da sie nicht gegen innere Widerstände ankämpfen müssen. Überdies sind sie seltener krank, motivierter, denken kreativer und sind dadurch innovativer und bleiben dem Unternehmen treu. Jene, die innerlich gekündigt haben, kosten die deutsche Wirtschaft jährlich zwischen 76 und 99 Milliarden Euro, will Gallup mit dem gleichnamigen Gallup Engagement Index herausgerechnet haben. Für Österreich dürfte das, natürlich gemessen an der Größe des Landes in einer anderen Größenordnung, nicht wesentlich abweichen. Die Zahl der Krankenstände korreliert negativ mit der Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter. Schlechte Führungskräfte machen ihre Mitarbeiter im wahrsten Sinne des Wortes krank, weil sie permanent für Stress sorgen. Ein menschlicher, wertschätzender Führungsstil kann diesen Stress eindämmen, wenn nicht gar beseitigen. Wir sehen also: Menschlichkeit macht sich bezahlt. Unternehmen, die „unmenschlich“ geführt werden, sind ein Biotop, in dem Mobbing wachsen und gedeihen kann. Der – ebenfalls bundesdeutsche – Mobbing-Report bezifferte die jährlichen Kosten bereits 2002 auf rund 12,5 Milliarden Euro, der deutsche Gewerkschaftsbund geht gar von der doppelten Schadenssumme aus. Dazu kommt noch der sich gar nicht vernünftig beziffern lassende Schaden, der in der Psyche der Betroffenen angerichtet wird.

 

CSR oder PR?

 

Nachhaltiges Wirtschaften ist nicht etwa seit Neuestem in aller Munde. Schon Denker der Antike wie Aristoteles trieb die Frage um, wie man nachhaltig wirtschaften könne. Er kam unter anderem zu folgendem Schluss: „Nun ist aber offenbar, dass die Tätigkeit der Hausverwaltung (οἰκονομία) ihre Bestrebungen in höherem Grade auf die Menschen als auf den leblosen Besitz richtet und mehr auf die Tugend (ἀρετή) der Menschen als auf die Anhäufung von Besitztümern.“ Antik zwar, aber gut gebrüllt, Löwe! Zwischen der Antike und Moderne ist in Sachen Corporate Social Responsibility (CSR) zwar nicht nichts passiert, aber dennoch dauerte es eine ganze Weile, ehe sich 1953 Howard R. Bowen des Themas annahm und es in Buchform verhandelte. Die soziale Verantwortung von Unternehmen habe sich an den gesellschaftlichen Erwartungen und Werten zu orientieren, hieß es damals. Mit den gesellschaftlichen Rechten, die Unternehmen zugestanden würden, seien auch soziale Pflichten verbunden. Ab den 1970ern trat dann der Stakeholder auf den Plan, der sich zum Shareholder gesellte. Der Shareholder-Value-Gedanke markiert den Grundstein für zeitgenössische CSR-Ansätze. Als Anfang der 1970er unter großem Getöse das Manifest „Die Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome publiziert wurde, war CSR endgültig en vogue geworden. Und ist es bis heute geblieben – obwohl die Trefferquote der Prognosen des Club of Rome in Summe kein Ruhmesblatt ist.

 

Unser heutiges Verständnis von CSR beinhaltet auch den Umweltschutzgedanken. Das ist positiv, bietet aber findigen Unternehmen jede Menge Spielraum für unlautere Praktiken des sogenannten Greenwashing. In der Europäischen Union gibt es heute sogar eine CSR-Strategie, eine entsprechende Richtlinie und einen öffentlichen Konsultationsmechanismus. Ob es sinnvoll ist, wenn sich eine Entität wie die EU in die CSR-Bestrebungen von privatwirtschaftlichen Unternehmen einmischt, kann man durchaus kontrovers diskutieren. In Österreich ist sogar die CSR, wie so viele andere Bereiche, genormt. Es gibt ein entsprechendes Regelwerk (ONR 192500:2011) betreffend die gesellschaftliche Verantwortung von Organisationen. „Dieses Dokument bietet allen Organisationen unabhängig von ihrer Art und Größe, die gesellschaftlich verantwortlich agieren wollen, einen Handlungsrahmen mit Mindesterwartungen für die Einführung, Umsetzung, Qualitätssicherung und ständige Verbesserung ihrer gesellschaftlichen Verantwortung“, heißt es zum entsprechenden Papier, das um wohlfeile 114 Euro heruntergeladen werden kann.

 

Der Begriff des Greenwashing bezeichnet die bewusste Irreführung von Konsumenten über die ökologischen Geschäftspraktiken eines Unternehmens oder die ökologischen Vorteile eines Produktes. Es handelt sich sozusagen um ein grünes Mascherl. Die NGO Greenpeace unterscheidet bei den Greenwashing-Strategien zwischen „Dirty Business“, „Ad Bluster“ (Werbegetöse), politischem Spin und „It’s the law, stupid!“. Man ist als Konsument generell gut beraten, unhinterfragt erst einmal gar nichts zu glauben. Gemeinnützige Aktivitäten und CSR-Initiativen sind heutzutage Gegenstand strategischer Planung und eng mit den PR-Aktivitäten verzahnt. Denn wer der Gesellschaft Gutes tut, will schließlich auch darüber reden. Wer nicht naiv ist, wird außerdem einsehen, dass CSR niemals oberste Priorität genießen wird. Selbst CSR folgt ökonomischer Logik in dem Sinne, dass mit minimalen Kosten ein maximaler positiver Effekt erzielt werden soll. Das können manche Unternehmen besser, andere stehen erst am Anfang. Vollständig darauf zu verzichten, wäre aber heutzutage ein eindeutiger Wettbewerbsnachteil. Die Kritik an der mangelnden Freiwilligkeit und Eigennutzmaximierung mittels CSR-Aktivitäten geht am Kern der Sache vorbei. Was zählt, ist nicht die Motivlage für CSR, sondern einzig das Resultat der Bestrebungen, das nachweisbar – sofern es sich nicht um Konsumententäuschung handelt – zum Gemeinwohl beitragen kann.

 

Text: Marian Kröll

Foto: shutterstock

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