Der AH-Effekt.

Publikation: | Ausgabe: SPEZIAL: September 2009 | Ressort: kunst.09 | Datum: 08.09.2009

Heute sind alle ein bisschen Hofer. Damit lässt sich auch 200 Jahre nach Bergisel noch prima Geld verdienen, nach allen Regeln der Kunst. Die bleibt dabei allerdings eher auf der Strecke. Eine kleine Bilanz.

Die ersten Bilder von Andreas Hofer: Sie ähnelten mehr einem Räuber Hotzenplotz als dem Kommandanten der Tiroler Schützen, Freibeuter statt Freiheitskämpfer. Aber wie sah er nun wirklich aus, der Mann aus den Bergen, den Europa so bewunderte, weil er dem großen Napoleon die Stirn bot? Vater und Sohn Altmutter nahmen es in die Hand, der Nachwelt ein passendes Porträt ihres Landsmannes zu präsentieren – natürlich mit dem preistreibenden Zusatz, den Held der Bergisel-Schlachten auch mit eigenen Augen gesehen zu haben. Erst sah ihn der Sohnemann aus den Augenwinkeln und später der renommierte Papa bei anderer Gelegenheit – im Mondschein. Dass sich die Bilder trotzdem kaum unterscheiden, muss an der starken Familienbande liegen.
Auf diesem Wege entwickelte sich Andreas Hofer zum ersten Botschafter seines Landes. Was den Habsburgern nach der Restauration aber eher weniger in den Kram passte. Denn Aufstand und Freiheit waren Vokabeln, welche die Herrscher des maroden Reiches fürchteten. Doch die Freiheit des Adlers funktionierte von Beginn an irgendwie anders. Freiheit in Tirol ist nicht geknüpft an ein politisches System mit definierten Standards. Jeder nimmt sich die Freiheiten, die er gerade braucht. Oder die ihm zustehen. Wie zum Beispiel die Agrargemeinschaften. Da gibt es ein Urteil aus Wien – aber interessiert das jemanden? Die Machtlosen schon, doch repräsentiert der Adler die Macht und die Mächtigen im Lande. Basta.

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Autor: Stefan Becker
Foto: Stefan Becker

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