18.01.2021

Der Keramik verfallen

Künstlerin Helene Kirchmair erzählt, warum sie sich der Keramik verschrieben hat

Es ist bemerkenswert, was Helene Kirchmair in ihrem doch noch recht jungen künstlerischen Wirken erreicht hat. Neben ihrer Tätigkeit als Diplomkrankenschwester war sie seit jeher kreativ, hat sich mit Kunst beschäftigt, gemalt und fotografiert. Aber die Richtung, wo genau es denn hingehen soll, war ihr erst nach einem Aufenthalt bei einer schottischen Keramikkünstlerin klar: „Die Keramik soll es sein. Das Material erlaubt es einem, dreidimensional zu arbeiten und lässt sich wunderbar mit anderen Medien und Techniken verbinden.“ Das war und ist es, was Helene bis heute fasziniert.

Da man das Keramikkunstwerk jedoch erst von der Pieke auf lernen muss, entschied sie sich im Alter von 30 Jahren für eine dreijährige Vollzeitausbildung an einer Keramikfachschule im deutschen Höhr-Grenzhausen und absolvierte ein Gaststudium am dort ansässigen Institut für künstlerische Keramik und Glas. Auch ihr Nebenjob während der Ausbildung im Keramikmuseum Westerwald, dem größten Keramikmuseum Europas, hat sie bereichert. „Das war eindeutig die richtige Entscheidung“, weiß Helene heute. „Die Keramik bietet schier unendlich viele Möglichkeiten, von der Vielfalt an Massen über unterschiedlichste Techniken und Brennarten bis hin zu unzähligen Möglichkeiten der Oberflächengestaltung“, schwärmt die talentierte Künstlerin.

 

Mehrfache Preisträgerin

Mit den beiden im Abschlussjahr der Fachschule gefertigten Arbeiten hat sich Helene bei renommierten internationalen Keramikwettbewerben beworben und auf Anhieb zwei Preise eingeheimst. Ein weiterer folgte ein Jahr später. Teilnahmen an Artist-in-Residence-Aufenthalten und Symposien folgten. Das hat ihr in der europäischen Keramikszene viele Türen geöffnet. Seit 2015 ist sie wieder zurück in Tirol und hat sich ein kleines, aber technisch hochwertiges Studio in Tulfes eingerichtet. Denn für den Schaffungsprozess braucht es nicht nur Farbe, Pinsel und Leinwand, zum Inventar einer keramischen Werkstatt gehört weit mehr technisches Equipment wie Brennöfen, Rührgeräte oder Walzen.

 

Künstlerische Freiheit

Kunst ist für Helene etwas sehr Persönliches, „fast wie ein Seelenstriptease“ sagt sie. „Ich kann aber gar nicht sagen, warum ich so arbeite, wie ich arbeite. Man probiert sich als Künstler aus und findet irgendwie seinen Weg“, verrät sie. „Darum ist mir die künstlerische Freiheit auch so wichtig. Ich will keine kommerziellen Produkte schaffen, mich nicht nach einem Markt orientieren müssen. So zu arbeiten macht mir einfach irrsinnigen Spaß und eine Idee folgt der nächsten. Ich denke diese Freiheit spiegelt sich auch in den Arbeiten wieder.“

Um sich diese Freiheit zu erhalten, arbeitet Helene nach wie vor in Teilzeit am Landeskrankenhaus für Psychiatrie und Psychotherapie in Hall. „Die Arbeit dort zeigt mir auf, wie wichtig es für den Menschen ist, sich immer wieder Auszeiten zu gönnen, aus dem Hamsterrad der vielen verschiedenen Rollen, die wir zu erfüllen haben, zu entkommen und Zeit für sich selbst zu haben. Auch in den Workshops, die ich anbiete erlebe ich, wie gut es den Leuten tut, etwas mit den Händen zu schaffen, zu spüren, sich darin zu verlieren und etwas Erfüllendes in der künstlerischen Tätigkeit zu erleben.“ Für Helene ist diese Auszeit die Kunst: „Andere verbringen jede freie Minute am Berg, ich bin nicht so die Sportliche, mich findet man in meiner Werkstatt.“

 

Die Transformation der Dinge

Helene Kreationen sind zum einen keramische Unikatobjekte, zum anderen keramisch umgesetzte konzeptuelle Auseinandersetzungen. Sie kombiniert Mixed Media, Ready-Mades und gefundene Objekte mit Keramik, die stets vorherrschendes und bevorzugtes Material bleibt. Das meist triviale Objekt (zum Beispiel ein herkömmlicher Schwamm) wird nicht imitiert, sondern durch Ortswechsel und Material-Transformation umgewandelt und so zu einem individuellen Objekt und keramischen Unikat. Sie nimmt Dingen ihre angestammte Funktion, durch die neue Funktion erhalten die Gegenstände eine komplett neue Wertigkeit und werden in einen neuen Zusammenhang gerückt.

Gespielt wird mit Sein und Schein, mit Sinn und Unsinn. Oft komplettieren grafische Arbeiten wie Zeichnungen, Fotografien oder Radierungen die keramischen Objekte. Auch probiert sie sich unermüdlich in neuen Techniken, testet und hat an sich selbst den Anspruch der Perfektion. „Warum zum Geier ich es mir manchmal so schwer mache, weiß ich selbst nicht, aber manche meiner Stücke sind sehr arbeitsintensiv.“ Einer Vielzahl ihrer Objekte mutet auf den ersten Blick eine weiche Haptik an, man möchte sie angreifen, mit eigenen Händen erfahren, wie sich die Keramik anfühlt. Der Wiederspruch ist verwirrend und anmutend zugleich.

 

Alte Handwerkskunst

Die Herstellung von Gefäßen, Skulpturen und anderen Werkstücken aus keramischen Werkstoffen hat eine lange kulturgeschichtliche Entwicklung und reicht bis etwa 6.000 Jahre vor Christus zurück. Die Entwicklung der Keramik in Europa ging im 18. Jahrhundert von der kunsthandwerklichen Herstellung zunächst in Richtung industrieller Massenfertigung, um den wachsenden Bedarf an dekorativem Geschirr durch das Bürgertum zu decken. Kunstvolle Einzelstücke aus Keramik kamen erst im 19. Jahrhundert vor allem im englischsprachigen Raum wieder auf. Vor allem die japanische Gefäßkeramik in ihrer freieren und abstrahierenden Formgebung, ihrem unkonventionellen Umgang mit dem Material Ton und den experimentellen Möglichkeiten der Glasurgestaltung inspirierten die Pioniere der modernen Kunstkeramik. Die Keramikerdynastie Massier im französischen Vallauris, wo heute noch eine Biennale für zeitgenössische Keramik stattfindet, hatte daran erheblichen Anteil. 2016 wurde Helene hier die Auszeichnung „Artist under 35“verliehen.

Helenes Arbeiten sind international in Ausstellungen und Sammlungen vertreten. Als große Ehre empfand sie, letztes Jahr erstmals zu Europas renommiertesten Keramikmarkt Saint Sulpice cèramique eingeladen worden zu sein. „Ich wurde dort auch tatsächlich von einem französischen Interiordesigner angesprochen, der Stücke für seine Kunden in Los Angeles, New York und Miami orderte. Dieser große Auftrag hat mich den ganzen letzten Winter über auf Trab gehalten“, gesteht die versierte Künstlerin. Und gerade geht die Reise wieder nach Italien, wo Helene bei einem mehrwöchigen Artist-in-Residence-Aufenthalt teilnimmt. Solche Gelegenheiten sind für sie besonders wichtige und wertvolle Erfahrungen - der Austausch mit den anderen Künstlern, neue Materialien und Techniken probieren und kennenlernen zu können, sich von der Umgebung und der Location inspirieren zu lassen. Es ist wichtig, auch einmal die eigene Werkstattür hinter sich zu schließen.

Text: Doris Helweg

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