10.02.2021

Feminismus, gut gestaltet

Heidi Sutterlüty-Kathan & Beatrix Rettenbacher / Foto: Tirol Werbung/Franz Oss

Mit individueller Handschrift und feinem Humor bei gesellschaftspolitischen Anliegen hat die Weiberwirtschaft sich den Arthur-Zelger Preis verdient

Selbst wenn der Name „Weiberwirtschaft“ im ersten Moment wie eine feministisch-kämpferische Eigendefinition klingen mag, war der einstige Impetus, gemeinsame Sache zu machen, bei Beatrix Rettenbacher und Heidi Sutterlüty-Kathan vor zwei Jahrzehnten kein feministischer, sondern ein pragmatisch-faktischer. Man, oder vielmehr Frau, war nach gemeinsamer Arbeit bei einer renommierten Werbeagentur in Wien einander einfach grün – Rettenbacher nach einem Studium an der Angewandten als Texterin, und Sutterlüty-Kathan als Grafikerin, die zuvor bei einer Münchner Agentur gearbeitet hatte. Als Letztere aus familiären Gründen nach Tirol ging, zog es Rettenbacher vorerst noch nach Hamburg, ehe die beiden Frauen beschlossen, in Innsbruck ihre beruflichen Zelte auf- und seitdem nicht mehr abzubauen.

 

Feminismus mit Humorbegabung

Der feministische Ansatz, mit dem die Weiberwirtschaft heute sichtbar wird, hat sich im Laufe der Zeit irgendwie von selbst ergeben und entwickelt. Verbissenheit, die dem Feminismus – gleichviel ob zu Recht oder nicht – gelegentlich attestiert wird, fehlt den Arbeiten der Grafikerinnen gänzlich. Es darf geschmunzelt und gelacht werden, was der feministischen Botschaft durchaus gut ansteht. „Es ist kein Kampf, wir nutzen unsere kreativen Spielräume, um feministische Aussagen zu machen. Wir sind da hineingewachsen, weil wir gesehen haben, dass die Gesellschaft, das gerade Tirol das braucht“, sagt Beatrix Rettenbacher und winkt mit dem Zaunpfahl.

Es ist kein Geheimnis, dass die Weiberwirtschaft Land und Leute ein bisschen zu brav, ein bisschen zu bieder findet. Die eigenen Projekte vertreibt man via Webshop unter dem sinnigen Titel Text und Textiles. „Ein Zusatzstandbein, das daraus entstanden ist, dass wir vor 20 Jahren einmal T-Shirts für einen Kunden gemacht haben“, erinnert sich Rettenbacher. Da gibt es Tischdecken, auf denen steht „Wir haben schon wieder etwas angerichtet“, und T-Shirts mit Sprüchen wie „Welt statt Innsbruck“, „relativ jung“ und „relativ schlank“, „Miss Erfolg“ und „Miss Verständnis“, „Mein Wille geschehe“ oder – anlässlich der damaligen Präsidentschaftswahl – „Van der Bella“. Große Profite sind damit freilich nicht zu machen, weil alles Textile fair in Tirol produziert wird. Negative Erfahrungen haben Rettenbacher und Sutterlüty-Kathan nicht gemacht, weil sie sich (gesellschafts)politisch exponiert haben. „Wir sind aber mit unserem Namen ‚Weiberwirtschaft‘ vor einigen Jahren schon bei potenziellen Kunden angeeckt. Das hat sich mittlerweile geändert. Man arbeitet gern mit Unternehmen, die für Chancengleichheit eintreten“, sagt Beatrix Rettenbacher. Die Weiberwirtschaft ist naturgemäß ein gutes Vehikel für den Imagetransfer und färbt auf Kunden ab, die den Stellenwert der Gleichberechtigung in ihren Unternehmen besonders betonen wollen.  

 

Gegen die Verhältnisse ansticken

Die Weiberwirtschaft hat eine eigene, unverkennbare Handschrift entwickelt. Eine, die auch gut in Arbeiten für verschiedene Kunden, darunter etwa Therese Mölk, die Bundeskammer der ZiviltechnikerInnen oder die Tiroler Edle zum Ausdruck kommt. Neben Logos und Textilien erschafft die Weiberwirtschaft andere Produkte bzw. ganze auf das jeweilige Unternehmen abgestimmte Produktlinien, aktuell etwa für ein Hotel in der Arlbergregion. Eine Besonderheit, welche die Weiberwirtschaft für sich in Anspruch nehmen darf, ist die Verwendung der Stickerei. Und zwar solcherart, dass da auch schon einmal ein Programmheft von Hand bestickt wird, wie das beispielsweise für das WEI SRAUM Designforum Tirol der Fall war, in dessen Cover der programmatischen Slogan „KREIEREN STATT KONSUMIEREN“ eingestickt war. Einige Jahre davor hat die Weiberwirtschaft ein Stickprojekt mit Asylwerberinnen gestartet. „Wir sticken für den inneren Frieden“, heißt die schöne Initiative. „Das Sticken ist zu einer Illustrationstechnik in unserem Repertoire geworden“, sagt Rettenbacher. Und: „Sticken ist ein sehr stark weiblich konnotiertes Handwerk.“

Inspiration beziehen die beiden Gestalterinnen aus dem Diskurs im Freundeskreis, wo Architektur eine große Rolle spielt. Und es ist kein Geheimnis, dass Architektur mit Gestaltung zu tun hat. „Wir tauschen uns über gute Gestaltung aus“, sagt Rettenbacher. Inspirationsquelle ist der Weiberwirtschaft freilich auch das Leben selbst, das derzeit durch die Coronakrise immer wieder Unterbrechung erfährt. Das verarbeitet die Weiberwirtschaft in textiler Form, etwa durch Masken, auf denen geschrieben von Kinderhand die eine große Frage steht, die uns alle umtreibt: „Wann hört Corona auf?“ Man weiß es nicht, aber eines scheint gewiss: Die Weiberwirtschaft wird weiterhin Blüten treiben. Schöne, humorvolle, pikante und provokante. Dabei müssen die künstlerischen Projekte in eigener Sache vor allem eines sein, formuliert Beatrix Rettenbacher: „Die Dinge müssen ihre Leichtigkeit behalten, weil schwer sind sie sowieso.“

Text: Marian Kröll

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