08.01.2021

Pure Kühnheit

Elisabeth Hubmann

Organistin Elisabeth Hubmann gibt Einblick in ihre kleine Welt

Es ist ein Erlebnis. Auch ohne Ton. Bei der ersten virtuellen Begegnung mit Elisabeth Hubmann macht es sogar Spaß, sie nur zu beobachten. Und zu sehen, wie leichtfüßig und doch kraftvoll sie auf der Klaviatur der Pedale tanzt und in welchem Rhythmus ihr Körper sich beim Spiel bewegt. Oder wie hochkonzentriert sie die schwarzen Tasten berührt und den alten Sprech Lügen straft, der davon handelt, dass eine Orgel geschlagen wird. Wird sie nicht. Nicht von ihr jedenfalls.

Am 7. März 2020 hat die junge, 1994 geborene Aldranserin ein Konzert im Innsbrucker Dom gegeben. Corona nahte, Ostern aber auch und der Innsbrucker Dom zu St. Jakob war zum Schauplatz für Orgelkonzerte im Rahmen des Osterfestivals Tirol auserkoren worden, dieser vielschichtig spannenden Klangwolke, mit der das Land alljährlich beschenkt wird. Bald musste das Osterfestival in Oktoberfestival umgetauft werden, doch Elisabeth Hubmann spielte noch. Ein kurzer YouTube-Clip zeigt sie dabei. In ihrem Element. Dass sie verschiedenfarbige Socken trägt – rechts einen weißen, links einen schwarzen – fällt wohl nur auf, wenn der Film im Stummmodus abgespielt wird. Mit Ton aber fegt die Kraft der Orgel jede nutzlose Aufmerksamkeit beiseite. Und die Tatsache, dass eine junge zierliche Frau über die 3.729 Pfeifen herrscht und dieses gigantische Orchester mit feiner Präzision entfesselt, entlockt ein tiefes Wow.

„Ich habe die Orgel mit 14 Jahren erst entdeckt“, blickt Elisabeth in die Zeit zurück, als dieses Wow langsam begann, ihrem Leben die entscheidende Richtung zu geben. Seit sieben Jahren hatte sie bereits Klavier gespielt, als ihre Mutter eine Anzeige der Musikschule Innsbruck entdeckte, in der Orgelunterricht angeboten wurde. „Ich war sofort hell begeistert von der Idee, habe mir aber noch gar nicht viel darunter vorgestellt“, sagt sie, und erzählt weiter: „Am Anfang war es einfach das Interesse daran, etwas Neues zu lernen. Die Faszination ist danach gekommen und gewachsen.“ Und gewachsen. Und gewachsen.

Es ist, das kann mit Fug und Recht behauptet werden, kein wirklich handliches Instrument, das sie sich da ausgesucht hat. Und allzu gängig ist es auch nicht. „Meine Welt ist noch kleiner, als man sie sich vorstellt. Man kann den Vornamen von Leuten nennen, die am anderen Ende der Welt leben und das Gegenüber weiß, wer gemeint ist“, grenzt Elisabeth jene Ansprechpartner, mit denen sie fachsimpeln, sich auf Augenhöhe austauschen und Fragen diskutieren kann, auf eine recht überschaubare globale Menge ein. Organistinnen und Organisten gibt es schon mehr. Natürlich gibt es die, sonst wäre es in den Kirchen ja recht still am Sonntag. Die Königinnen der Instrumente auf richtig hohem Niveau zu spielen ist aber eine andere Geschichte. Elisabeths Geschichte.

Leidenschaftliche Geschichte(n)

Der Orgelunterricht an der Musikschule in Innsbruck, dem ihre Mutter auf die Spur gekommen war, entfachte eine herausfordernde Leidenschaft. Um Orgel zu spielen, müssen nicht nur Arme und Hände, Beine und Füße perfekt dirigiert sondern auch die teils immertiefen Temperaturen in den Kirchen ignoriert werden. „Die Musikschule hat eine elektronische Orgel gehabt“, erzählt sie von der heimeligeren Alternative für ihre ersten Gehversuche, denen jedoch bald große Schritte und große Orgeln folgten. In Aldrans etwa, ihrem Heimatort, wo sie in der Kirche üben konnte. Oder eben in der Landeshauptstadt selbst, die als „Stadt der Orgeln“ bekannt ist. „Wir haben da einen ganz großen Schatz. Das ist die Ebert-Orgel in der Hofkirche. Da kann man in vergangene Jahrhunderte hören, das ist unglaublich, ganz fremd für unsere Ohren heutzutage“, streicht Elisabeth nicht nur die exotische Klangschönheit dieser im 16. Jahrhundert erbauten Orgel hervor, sondern macht auch auf die Zeitreisen, die das Orgelspiel ermöglicht, aufmerksam. Und auch auf ihr Ohr, das die Klänge ganz anders zu erfassen und zu differenzieren versteht: „Der Klang der Orgeln hat mich sofort fasziniert. Das Spektrum ist unglaublich. Es gibt Leute, die der konstante, gleichbleibende Klang abschreckt und die sagen, dass das nicht wirklich lebt. Aber das stimmt überhaupt nicht. Man kann bei der Orgel ganz viel unterscheiden, abrupt abbrechen, Stakkato spielen. Es ist wie ein großes Orchester, wie ein Posaunenchor, ein Trompetenchor. Oder die kleinen Instrumente, die dann wie Flöten klingen. Das kann wunderschön sein.“ Kein Wunder, dass sie sich nach der Matura dazu entschloss, Orgel zu studieren und sich diesem außergewöhnlichen Instrument weiter zu nähern.

Erst studierte sie Klavier am Mozarteum in Innsbruck – und nutzte dabei alle Orgelmöglichkeiten der Stadt. Um das Spektrum dieser großen Welt auch theoretisch zu erfassen, studierte sie Musik- und Altertumswissenschaft. Und um ihre Konzentration schließlich voll und ganz der Orgel schenken und die Ausbildung mit dem Master krönen zu können, ging sie ans Konservatorium in Amsterdam. „Die niederländische Tradition ist eine ganz große. In Amsterdam bekomme ich auch von den nordischen Ländern mehr mit – von Dänemark beispielsweise und Schweden“, sagt sie.

Mit jedem Schritt wird sie besser und mit jedem Schritt wird es auch unmöglicher für sie, sich leichtlippig über die Probleme ihrer Profession zu unterhalten: „Irgendwann ist man so spezialisiert, dass man fast nicht mehr darüber reden kann.“ Nicht zuletzt ihre Masterarbeit, die sie gerade fertig gestellt hat, zeigt, dass es ihr ein Anliegen ist, beide Welten – die der Meisterschaft auf der einen und die der Zuhörer auf der anderen Seite – zu verbinden. „Ich habe für die Arbeit auch Leute befragt, die nichts mit Orgel zu tun haben. Da bekommt man Eindrücke, die man als Insider überhaupt nicht hat. Das ist es aber auch, worauf es ankommt, wir machen die Musik ja für das Publikum – da sollte man sich vielleicht ein bisschen mehr an die Zuhörer anpassen, manchmal.“

Derzeit lebt und spielt und lernt Elisabeth in Genf. Über das Erasmus-Programm gelangte sie in die französische Enklave in der Schweiz. Ein französischer Kollege hatte ihr drei Lehrer genannt, die für sie spannend sein könnten. Alle drei hat sie besucht und der Lehrer in Genf hat überzeugt: „Er ist hochmusikalisch, hat mir das Stück, das ich ihm zufällig gebracht habe, einfach vorspielen können. Er ist historisch interessiert und gleichzeitig musikalisch ganz frisch, virtuos und prickelnd. Da gibt es nicht so viele.“ Unter diesen Vorzeichen wird die an sich schon kleine Welt noch ein bisschen kleiner. Dass Elisabeth darin längst funkelnd hervorsticht, ist so klar wie schön. Dass sie dem zu Unrecht als altbacken wahrgenommenen Instrument neues Leben einhaucht, auch. „Ich habe viele Ideen, was ich später machen will. Beispielsweise würde gerne Kompositionswettbewerbe für Orgel ausschreiben und vor allem auch junge Komponisten dazu animieren, für das Instrument zu schreiben“, sagt sie. Das große Repertoire um Zeitgenössisches erweitern zu wollen, zeigt wieder, was das Leben der jungen Künstlerin auszeichnet: Pure Kühnheit.

Text: Alexandra Keller

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