03.02.2021

Sich selbst durchs Leben tragen

Sophia Neuner /Foto:Andreas Friedle

Sophia Neuner leitete das Projekt Sinfonia bis zu seinem Abschluss. Ihr Erfolg zeigt, was einer Frau auch in einer männerdominierten Branche gelingen kann

Ihr Lebenslauf in der Kurzfassung klingt nach einem rasanten Leben, auch wenn es ihr selbst gar nicht so vorkommt. Stillstand liegt ihr dennoch nicht. Ursprünglich kommt Sophia Neuner aus dem bayrischen Allgäu, Kempten im Konkreten. Mit 18 hat sie die Matura an der Fachoberschule abgeschlossen, einer Schule ähnlich der hiesigen HTL. Technikzweig, Fachrichtung Mathe und Physik. Das Studium sollte in Richtung Energiewirtschaft gehen, eventuell Wirtschaftsingenieurswesen. Das Thema der erneuerbaren Energien steckte 2007 noch in den Kinderschuhen. Schließlich landete Neuner an der FH Kufstein. „Ich hab mir überlegt, nach Berlin oder Wien zu gehen, dachte mir aber dann, dass ich dort alles andere machen würde, außer zu studieren.“ Kufstein schien in ihr in dieser Hinsicht wohl unverdächtig. „Ich fand das Studium wirtschaftlich wie technisch sehr spannend“, sagt sie rückblickend. Ein Auslandssemester in Peru, Bachelor, zurück ins Allgäu, Anheuern bei einem Energieversorger, „weil es doch mal an der Zeit war, zu arbeiten“. Nächster Halt: Düsseldorf, Erzeuger von erneuerbaren Energien. „Dort hab ich ein Praktikum bekommen und das Unternehmen hat mich auch übernommen. Das war alles sehr fein. Bis auf Düsseldorf.“ Wenn man aus dem Allgäu kommt, mutet Nordrhein-Westfahlen wie ein Kulturschock an. „Da wollte ich nicht dauerhaft leben.“

 

Die Sache mit der Energie

„Als ich Energiewirtschaft studierte, dache ich, dass ich danach weiß, welche Energie die richtige ist. Und was soll ich sagen: Es kommt darauf an. Irgendwas ist immer nicht toll“, sagt Neuner. „Meine Arbeit war zwar interessant, aber mir fehlte etwas.“ Sie studierte Geografie, wollte erst in die Schweiz – „bis ich merkte, wie teuer es dort ist“ – entschied sich dann aber für Kärnten. „Nach dem Bachelor hab ich gemerkt, dass sich sehr schnell studiert habe und eigentlich keine Ahnung habe, was ich wirklich machen möchte“, blickt Neuner zurück. Sie hat in einem Ingenieurbüro mit Umweltschwerpunkt angefangen zu arbeiten, sich viel mit dem Thema Biodiversität in der Landwirtschaft beschäftigt und dabei einen Professor aus Innsbruck kennengelernt. Als sie sich für ihre Masterarbeit für das Thema „Erneuerbare Energien im Alpenraum“ entscheid, verschlug es sie just in die Tiroler Landeshauptstadt. „Ich wollte doch wieder mehr in die Energierichtung. Ich fand den Ausflug in die Landwirtschaft zwar spannend, aber in Wahrheit hatte ich keine tiefgehende Ahnung davon.“

Mit ihrer Masterarbeit habe sie sich ein bisschen Zeit gelassen, weil sie nicht wieder vor der Entscheidung stehen wollte, wie es weitergehen soll. Zwischendurch hat sie mit Freunden den Lastenradverein LaRa gegründet, bei dem man sich in Innsbruck kostenlos Lastenräder leihen kann. „Irgendwann wurde ich mit dem Studium aber doch fertig und hab angefangen, am Geografie-Institut an der Innsbrucker Uni zu arbeiten“, ging es weiter im Lebenslauf. Neuner konnte an ihrem ersten EU-Projekt mitarbeiten: „Das war sehr spannend aber doch wieder relativ fachfremd. Ich musste mich sehr einarbeiten.“ Außerdem war es eine 20-Stunden-Stelle und Neuner wollte mehr. Nur nicht promovieren. Schließlich wurde bei den Innsbrucker Kommunalbetrieben (IKB) eine Teilzeitstelle ausgeschrieben, sie bewarb sich und im Zuge des Vorstellungsgespräches wurde ihr die Sinfonia-Projektleitung angeboten. Sie nahm an: „Ich dachte, das probiere ich. Wenn sie glauben, dass ich das kann, dann versuche ich es. Klar waren Ängste dabei, wenn man plötzlich Menschen, die 40 Jahre Berufserfahrung habe, sagen soll, was sie zu tun haben. Ich hab mich schon gefragt, ob ich das alles richtig mache, denn es ist ja keiner da, der einem sagt, dass alles gut ist. Schließlich ist man selbst diejenige, die den Überblick haben sollte.“

 

Die Sache mit dem Frau-Sein

Ob ihr Geschlecht im Laufe ihres Berufslebens jemals Thema war? Achtung Spoiler: Ja. „Ich war auf einer katholischen Mädchen-Realschule, dann in der Fachoberschule mit Fachrichtung Technik. Wir waren drei Frauen dort. Auch im Studium war ich immer ein bisschen der Sonderling. Keiner wusste genau, wie er mit mir umgehen soll. Auch bei einem Vorstellungsgespräch waren mein Geschlecht und mein junges Alter einmal Thema. Ich hab erst nach einiger Zeit kapiert, dass es im Laufe des Gesprächs immer wieder darum ging. Ein ehemaliger Vorgesetzter hat mir auch Avancen gemacht, obwohl sogar seine Frau im Unternehmen gearbeitet hat, seine Töchter waren in meinem Alter. Ich wollte das natürlich nicht und wurde plötzlich von Projekten ausgeschlossen. Also ja, es war tatsächlich ein Thema. Heute würde ich mit solchen Dingen vermutlich anders umgehen, damals habe ich einfach gekündigt.“ Das Unternehmerehepaar ist heute übrigens geschieden, aber das nur am Rande.

Dass aus Sophia Neuner eine so selbstbewusste junge Frau geworden ist, lag zum Großteil an ihrer Mutter, ist sie überzeugt. Ihre Eltern hatten sich getrennt und sie wuchs neben ihren Schwestern ausschließlich unter Frauen auf. „Wenn ich gesagt habe, ich kann etwas nicht tragen, war es meine Mutter, die meinte, ich solle mich nicht so anstellen. Es gab halt keinen Mann, der etwas tragen hätte können.“ Es scheint wie eine Metapher dafür, dass man auch als Frau sein Leben selbst und allein (er)tragen kann. Erfolg hat für Sophia Neuner fast folgerichtig deshalb auch nichts mit Geld zu tun. Sie sei keine Einserschülerin gewesen, habe sich aber über gute Noten gefreut. Erfolg ist für sie, wenn Dinge angepackt und zu Ende gebracht werden. „Ich finde es toll, wenn Projekte realisiert werden – wie das Lastenrad oder Sinfonia. Wenn ich etwas anfange und es als etwas Sinnvolles erachte, dann möchte ich es umsetzen. Erfolg im Sinne von Auszeichnungen brauche ich nicht. Natürlich beschwere ich mich nicht darüber, aber ich muss nicht ins Rampenlicht.“

Text: Marina Bernardi

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