14.12.2020

Von Kematen nach Kalifornien

Mikrobiologin Daniela Weiskopf forscht am renommierten La Jolla Institute for Immunology in San Diego an Viren

Seit Beginn dieses Jahres hält eine besonders tückische Variante des Coronavirus die Welt im Bann. Es beeinflusst unser aller Leben, bei den einen mehr, bei anderen etwas weniger. Zur ersteren Gruppe gehört zweifellos die Tiroler Mikrobiologin Daniela Weiskopf. Wir sprechen mit ihr über Videotelefonie in ihrem Büro in San Diego.

 

Die Kematerin ist seit mehr als zehn Jahren in den USA. Ursprünglich war ihr ein Forschungsaufenthalt von etwa fünf Jahren vorgeschwebt. Daraus ist längst ein unbefristeter Aufenthalt geworden. „Ich habe immer schon an aufkommenden Viren gearbeitet, zum Beispiel solchen, die von Moskitos übertragen werden, wie Dengue und Zika. Im Frühjahr hat sich plötzlich alles geändert und es war ein neues Virus da, an dem man arbeiten hat müssen“, erzählt die Forscherin. Dieses Virus war Sars-CoV-2. An ihrer grundlegenden Methodik und Arbeitsweise hat sich dadurch allerdings nichts geändert, erklärt Weiskopf: „Das ist der Grund, warum wir so schnell auf dieses neue Virus reagieren konnten.“ Schneller als die meisten anderen Forschungseinrichtungen.

 

Faszination Viren

 

Weiskopf hat in Innsbruck Mikrobiologie studiert. Schon damals hat sie sich in erster Linie dafür interessiert, wie der menschliche Körper bzw. das Immunsystem Viren und Bakterien erkennt. In ihrer Diplomarbeit befasst sich die junge Wissenschaftlerin zunächst damit, ob es immunologische Unterschiede zwischen alten und jungen Menschen gibt und wie diese sich manifestieren. „Von allen Organen, die wir haben, ist das Immunsystem mit jenes, das am schnellsten altert“, sagt Weiskopf. Das ist besonders vor dem Hintergrund, dass die Gesellschaft immer älter wird und ältere Menschen aktiver und mobiler sind als früher, von Bedeutung. Das vermag auch teilweise zu erklären, warum dieses Coronavirus tendenziell für ältere Menschen wesentlich gefährlicher ist als für jüngere. „Das Faszinierende an diesem Virus ist, dass manche nach einer Infektion kaum Symptome haben, andere dagegen sterben. Das ist ein ziemlich breites Spektrum“, so die Mikrobiologin, die darin durchaus Ähnlichkeiten zu dem vor Corona von ihr intensiv beforschten Dengue-Virus ausmacht, das von der Tigermücke übertragen wird. Letztere wurde übrigens auch in Tirol schon gesichtet, wenn auch noch ohne Virus. „Meine Mutter war ganz besorgt deshalb“, erzählt die Kematerin.

 

Chemie und Biologie waren schon während der Schulzeit im Meinhardinum in Stams ihr Steckenpferd. Ihr damaliger Chemielehrer habe ihr deshalb auch die Mikrobiologie, die beide Disziplinen verbinde, ans Herz gelegt. In ihrer Studienzeit hat Daniela Weiskopf schon ein annähernd ausgeglichenes Verhältnis zwischen Männern und Frauen erlebt. Das ist in den Naturwissenschaften aber noch immer keine Selbstverständlichkeit. „Der Anteil von Frauen dünnt sich merklich aus, je höher man geht“, sagt die Assistenzprofessorin. An ihrem jetzigen Arbeitsplatz in San Diego betrage der Frauenanteil etwa ein Drittel.

 

Nach ihrem Studium in Innsbruck wollte Weiskopf immer schon in ein englischsprachiges Land gehen, denn Englisch sei schließlich die Sprache der Wissenschaft. Am Institut ihres derzeitigen Chefs Alessandro Sette in La Jolla in Kalifornien sei damals eine Postdoc-Position frei gewesen, für die sie sich spontan beworben habe. Der Rest ist sozusagen History. Weiskopf hat die Stelle bekommen und ist 2009 nach San Diego gezogen. „Damals war mir aber noch gar nicht bewusst, dass San Diego wirklich schön ist. Ich bin ja wegen der Arbeit hierhergezogen“, erinnert sie sich. Das Institut sei zudem eines der besten weltweit, um Immunologie zu studieren. Nach ihrem Postdoc wird Weiskopf zum Instructor befördert, den es – als Zwischenstufe zwischen Postdoc und Assistenzprofessor – in Österreich so nicht gibt, und danach weiter zur Assistenzprofessorin.

 

Heute arbeitet Weiskopf am Aufbau ihres ganz eigenen Forschungsteams und verwaltet eigene Forschungsgelder. Es gefällt ihr in Kalifornien, eine Rückkehr nach Europa – irgendwann – will sie dennoch nicht ausschließen. In der alten Heimat ist die vielbeschäftigte Forscherin „mindestens ein mal pro Jahr“, in der Regel zu Weihnachten und, falls es sich einrichten lässt, zusätzlich eine Woche im Sommer. Ob sich das in diesem Jahr, in dem nichts ist wie immer, ausgehen wird, steht noch nicht fest.

 

Ein neuer Geist in der Wissenschaft

 

Doch an dieser Krise ist zumindest in wissenschaftlicher Hinsicht nicht alles schlecht. Es wurde und wird nämlich in beispielloser Geschwindigkeit an einer Impfung geforscht. Das hat auch damit zu tun, dass ein neuer Geist der Zusammenarbeit in der wissenschaftlichen Community Fuß gefasst hat. „Das erste Mal, dass wissenschaftliche Erkenntnisse in derart hohem Ausmaß geteilt wurden, habe ich bereits beim Auftreten des Zika-Virus vor fünf Jahren erlebt“, sagt Weiskopf. Jetzt, bei mCoronavirus, sei es wieder so.

 

Derzeit forscht sie an den T-Zellen, das ist eine Gruppe weißer Blutzellen, die der Immunabwehr dienen. Diese Zellen erkennen, ob eine andere Zelle mit einem Virus infiziert ist und können diese eliminieren. „Der Antikörper erkennt, wenn das Virus außerhalb der Zelle ist, die T-Zelle dann, wenn das Virus schon in sie eingedrungen ist“, erklärt Weiskopf dem Laien. Sie will wissen, welche Teile des Virus von den T-Zellen konkret als viral erkannt werden. „Diese Information haben wir sehr früh im Verlauf der Pandemie geteilt und die notwendigen Reagenzien an über hundert verschiedene Labore in aller Welt kostenlos weitergegeben“, erzählt die Forscherin. Dass die Impfstoffentwicklung so rasch vorangegangen sei, habe unter anderem damit zu tun, dass Verfahren beschleunigt worden seien bzw. parallel ablaufen und den Entwicklern außerdem das finanzielle Risiko weitgehend von der öffentlichen Hand abgenommen worden sei. Glaubt Weiskopf, dass die Kooperation bzw. Kollaboration in der wissenschaftlichen Community in einer Welt nach Corona, in der es viele andere medizinische Herausforderungen gibt, so erhalten bleibt? „Ich glaube schon, weil die Generation, die heute am Werk ist, nicht mehr so sehr auf Konkurrenz getrimmt ist.“

 

Die Tirolerin hat bei ihrer Arbeit am Coronavirus gemeinsam mit Kollegen unter anderem herausgefunden, dass Teile des Immunsystems bereits mit Teilen des Virus vertraut gewesen waren, ehe es aufgetreten ist. Das hat man mittels Blutproben aus den Jahren 2015 bis 2018 nachgewiesen. Eine Hypothese ist, dass es sich dabei um nahe Verwandte dieses Virus handeln musste, etwa Schnupfenviren, die vielfach auch Coronaviren sind. „Es kann sein, dass das hilft, schadet oder überhaupt keinen Unterschied macht“, ist sich Weiskopf über die Implikationen der Forschungsergebnisse noch nicht im Klaren. Fest steht allerdings, dass die Immunantwort aus dem sogenannten Immungedächtnis kommt.

 

Kasspatzln in Kalifornien

 

„Bis auf dieses Jahr, wo so gut wie niemand reisen kann, bin ich für meine Arbeit sehr viel gereist, nicht nur innerhalb der USA, sondern auch in Lateinamerika. Das kommt, weil ich hauptsächlich an Viren arbeite, die dort sehr präsent sind“, sagt Weiskopf. „Vor 2020 war ich viel am Weg.”

 

Bei ihren beruflichen Reisen versucht sie, nach Möglichkeit ein paar Tage anzuhängen, um Land und Leute kennenzulernen. Obwohl sich vieles in den USA während der Trump-Jahre verändert hat, ist ihr privates und berufliches Umfeld im Großen und Ganzen dasselbe geblieben. Privat besucht Weiskopf immer wieder Mexiko. Schließlich liegt San Diego nur rund eine halbe Autostunde von der Grenze entfernt. Wenn Daniela Weiskopf nicht forscht und/oder reist, lebt sie einen kalifornischen Lifestyle. Oder das, was man in Europa dafür hält: Sie ist gerne und viel am Strand, läuft, spaziert und surft. Außerdem kocht sie gerne. „Ich weiß nicht, ob es eine typische Kalifornierin gibt“, sagt Weiskopf, lacht und ergänzt: „All die Dinge, die man hier gerne macht, mache ich auch gern.“ Der Wissenschaftlerin mangelt es also Übersee an nichts. Natürlich vermisst sie ihre Familie, die vollständig in Tirol wohnt. Und das Skifahren im Winter. Und die Christkindlmärkte. In kulinarischer Hinsicht kämpft sie unter anderem mit einem „Spatzleisen“, auch Spätzlereibe genannt, die ihr der Bruder vor ihrem Umzug in die USA geschenkt hat, gegen aufkommendes Heimweh an. Mit Erfolg. So wie in der Forschung.

 

Text: Marian Kröll

Neugründungen

  • MSG Medical Shockwave GmbH
    Inhaber: Werner Scheffknecht, Dr. Emanuel Steffknecht, Dr. Christof Böhler, DI Michael Biedermann
    FN: FN 452911x
    Rennweg 37
    6020 Innsbruck
  • ConstUArtis Kramat GmbH
    Inhaber: Gerhard Urak, Andre' Angermüller, ConstrUArtis Projekt GmbH
    FN: FN 452824v
    Faistenbergerweg 7
    6370 Kitzbühel
  • Housebook e.U.
    Inhaber: Christian Schniersmeyer
    FN: FN 447052f
    Salzburgerstraße 22b
    6380 St. Johann in Tirol
  • Right Hand Sourcing Solutios e.U.
    Inhaber: Michael Götz
    FN: FN 447337z
    Kaiseraufstieg 8
    6330 Ebbs
  • artdirection4u ADVERTISING GmbH
    Inhaber: Gina Dessalines
    FN: FN 440990s
    Kronthalerstraße 2
    6330 Kufstein

Insolvenzen

  • Special Parts & Modules GmbH
    Inhaber: Andrea Bucher
    Auweg 6
    6123 Terfens
  • "Sarah's Haarschneiderei"
    Inhaber: Sarah Ambacher
    Trujegasse 1
    6464 Tarrenz
  • Kurz Matthias, Hausmeister
    Inhaber:
    Endach 30
    6330 Kufstein
  • Bidsbull.com Internet Service GmbH
    Inhaber: Christian Abermann
    Kaiserstraße 4
    6370 Reith
  • Erkan Tas, Verputzer
    Inhaber: Erkan Tas
    Anton Öfner-Straße 29/9/69
    6130 Schwaz
Facebook
RSS