14.05.2021

Spare in der Zeit...

Foto: Martina Kopp

Wenn Tirol energieautonom werden möchte, so muss sorgsam mit dem Faktor Energie umgegangen werden. Neben deren Gewinnung steht dabei vor allem deren reduzierter Verbrauch im Fokus.

Dem Thema des Sparens kann man auf zwei unterschiedliche Weisen begegnen: Man spart, um in Zukunft einen Nutzen eben jenes Ersparten zu haben (wie dies etwa beim Geld der Fall ist), oder man spart im Sinne eines reduzierten Verbrauchs, um Ressourcen zu schonen. Das Schöne am Thema Energiesparen: Es berührt – indirekt – beides davon.

Vermeiden vor kompensieren

Will man die angestrebten Energie- und Klimaziele erreichen, ist es an der Zeit, sich über einen bewussteren Umgang mit Energie Gedanken zu machen. „Das allererste Ziel muss dabei sein, weniger zu verbrauchen“, ist DI (FH) Rainer Krißmer, MBA überzeugt. Er berät mit seinem Ingenieurbüro Energy Consultants in Wildermieming (ww.en-con.at) Private wie Gewerbekunden und Gemeinden in allen Fragen rund ums Thema Energie. Der nächste Schritt sei dann, sich Gedanken über den passenden Energieträger zu machen.


Krißmer ist Experte darin, anhand von Gebäudestrukturen, auf Basis von Berechnungen und Gebäude-Simulationen oder mittels Energieausweis zu erkennen, welches System für welches Haus passend ist. „Der Markt ist im Moment extrem aktiv, es tun sich laufend neue Felder auf“, sagt Krißmer. Mit einem Projekt in Zusammenarbeit mit der Alpenländischen hat er es bis aufs letztjährige Forum Alpbach geschafft. Auch aktuell arbeiten die beiden gemeinsam an smarten Netzlösungen für ein neues Projekt, dem Krißmer „in der Sanierung hohes Potenzial“ zutraut. Konkret geht es um so genannte Boost-Wärmepumpen, die, stark vereinfacht gesagt, eine zentrale mit dezentralen Wärmepumpen in einem Art Loop-System kombiniert. Das Ziel der zentralen Pumpe ist es, die Temperatur konstant auf – beispielsweise – 20 Grad zu halten, die dezentral in den einzelnen Wohnungen verbauten Wärmepumpen erhöhen ausgehend von dieser Basis auf die gewünschten Temperaturen. Im Neubau sieht Krißmer die Zukunft vor allem in Rücklaufwärmepumpen, die dem Fußboden zusätzlich Energie für die Aufbereitung von Warmwasser entziehen. Voraussetzung ist eine Fußbodenheizung, weshalb diese Variante in Umbauten oder Sanierungen nicht immer möglich ist. Letztlich beginnt Energiesparen aber schon viel früher. Nämlich bei der richtigen Dämmung und Isolierung, möglichst auf Niedrigenergie- oder Passivhausstandard.

„Beim Bauen wird oft an der falschen Stelle gespart, weil man den zeitlichen Horizont zu kurz bemisst“, beobachtet Rainer Krißmer. So werden höhere Kosten für in sich abgestimmte, nachhaltige Energie- und Smart-
Home-Konzepte nicht auf die gesamte Lebensdauer einer Immobilie gedacht. Vielmehr sieht man nur den aktuell anfallenden Mehraufwand. „Immobilien sind auf die gesamte Nutzungsdauer zu betrachten. Es lohnt sich also, beim Bau etwas mehr zu investieren. In der Regel amortisieren sich die Kosten innerhalb von 15 bis 20 Jahren“, rechnet Krißmer. Generell ist es ratsam, beim Bauen nicht allzu kurzfristig zu denken, sondern den gesamten Lebenszyklus im Auge zu behalten. Dann nämlich sähen viele Rechnungen ganz anders aus.

Ein gutes Instrumentarium für eine solide Planungsbasis bietet der Energieausweis. Hatte dieser früher lediglich den Zweck, energetische Verbräuche zu analysieren, so kann er heute viel mehr, vorausgesetzt er wird sorgsam erstellt. „Der Energieausweis ist das wesentlichste Sparelement überhaupt“, sagt der Experte. Er hilft bei der Lukrierung von staatlichen Förderungen und finanziellen Unterstützungen und kann insgesamt für mehr Nachhaltigkeit, Wärmeeffizienz und Einsparungen beim Energiebedarf sorgen. Es lohnt sich definitiv, hier auf einen Experten zu vertrauen und mit ihm in der Ausarbeitung entsprechend in die Tiefe zu gehen.

Das G’scheithaus

Rainer Krißmer weiß übrigens, wovon er spricht, wenn es um optimales Bauen und Wohnen geht. Er selbst hat im Zuge eines Umbaus sein Wohn- und Arbeitshaus nach allen Regeln der Energie-Kunst optimiert. Sogar das Holz dafür wurde im eigenen Wald geschlagen.Der erforderliche Strom kommt fast selbstredend zu einem großen Teil aus regenerativen Systemen. Dafür wurde in Süd-West-Orientierung eine Photovoltaikanlage mit 8,4 kWp errichtet. Dazu kommt eine zwölf Quadratmeter große thermische Solaranlage. Die Heizungsanlage besteht aus einer Luftwärmepumpe, ein bereits vorhandener Biomassekessel dient als Backup. Damit ist das Passivhaus in der Lage, sich zur Gänze selbst mit Energie zu versorgen, Überschüsse fließen in die Beladung der Elektroautos. Quasi ein Paradebeispiel an Effizienz und Nachhaltigkeit. „Ziel muss es sein, Energie eigenverbrauchsoptimiert zu denken“, ist Krißmer überzeugt. Idealerweise produziert ein Gebäude so viel Energie, wie es selbst benötigt, denn auch wenn Energie aus regenerativen Quellen stammt: Ein Zuviel davon kann zu Problemen führen. Unser Stromnetz ist nicht dafür ausgerichtet, Strom zu speichern, sondern darauf, ihn sozusagen just in time wieder abzugeben. Besteht ein Energieüberschuss, weil etwa zugleich zu viel Strom aus privaten Haushalten in das öffentliche Netz eingespeist wird und auf der anderen Seite gerade zu wenig verbraucht wird, kann es das filigrane System überlasten.

Wesentlicher Bestandteil des energetischen Konzeptes des so genannten Projektes „LandLuft“ von Familie Krißmer-Strasser indes ist die Implementierung einer Komfortlüftung im Kaskadensystem.„Lüftungen werden nach wie vor extrem unterschätzt und zu wenig beachtet“, meint Krißmer, der diese im Neubaubereich für einen wesentlichen Teil der Energiewende erachtet. In Schulen sowieso, aber auch im Wohnbau. Dennoch gelten sie gerade im Installationsbereich nach wie vor oft als Unding.

Dass das Haus LandLuft in der heutigen Form genauso dasteht, wie es nunmal dasteht, ist vor allem der Hartnäckigkeit und Akribie der Bauherrenfamilie als auch den beteiligten Gewerken zu verdanken. „Hätten wir gewusst, welche Mammutaufgabe das wird, hätten wir es wohl gar nicht erst begonnen“, sagt Krißmer und ist fast ein wenig dankbar für seine anfängliche Naivität. So stellte es sich als ziemlich schwierig heraus, die einzelnen Elemente des Hauses – von der Photovoltaikanlage bis zur Wärmepumpe – miteinander zu verknüpfen. „Es fehlen Berufsbilder, die fächerübergreifendes Denken ermöglichen“, bringt es der Energieexperte auf den Punkt. Der Heizungstechniker kümmert sich – man kann es erahnen – um die Heizung, der Elektriker um die elektrischen Installationen und die Inbetriebnahme der Photovoltaikanlage, der Installateur um die Solaranlage (oft werden die beiden Begriffe synonym verwendet, aber: Photovoltaik produziert Strom, Solarenergie Wärme), eine Art Vermittler aber fehlt. „Zwischen all den Gewerken braucht es jemanden, der das Zusammenspiel regelt. Hier sind wir an unsere Grenzen gestoßen. Es gibt niemanden, der diese Systeme sinnvoll zusammenschaltet. Dies passiert derzeit noch alles händisch, ich hätte aber gern ein System, das das von alleine kann. Dass es das nicht gibt, hat mich tatsächlich verwundert“, so Krißmer. „Das Zermürbende ist: Technisch wäre das alles möglich. Dass zum Beispiel Überstrom, den die Photovoltaikanlage produziert, künstlich intelligent verteilt wird. Funktionieren tut’s leider nicht.“ aus gebäudetechnischer Sicht haben sich die Bauleute trotz tiefgreifenden Wissens oft vielfach auf Neuland begeben. Viele Aspekte ihres intelligenten Hauses haben sie sich gemeinsam mit den involvierten Unternehmen erarbeitet (Teilbereiche davon können auch auf andere Projekte und Gebäude übertragen werden), vieles bleibt in der Umsetzung noch Zukunftsmusik, auch wenn die Gedanken dazu schon sehr konkret sind. „Wir arbeiten aktuell an der Implementierung einer künstlichen Intelligenz“, erzählt Krißmer. Smarte Systeme können im Zusammenspiel derzeit schon einiges, viele Entscheidungen müssen jedoch noch selbst getroffen und in der Folge händisch umgesetzt werden. Künftig sollen dies selbstlernende Systeme übernehmen. „In naher Zukunft sollen künstliche Intelligenzen selbstständig darüber entscheiden können, wo der produzierte Strom aus der Photovoltaikanlage gerade am dringendsten gebraucht wird und wann zusätzlicher Strom aus dem öffentlichen Netz entnommen werden muss bzw. wann der beste Zeitpunkt ist, überschüssige Energie einzuspeisen, ohne das Netz zu überlasten“, gibt Krißmer ein Beispiel. Betrachtet man die Datenmenge, welche produziert wird, wird auch rasch klar, woran es derzeit noch hapert: „Wir malen ein schönes, intelligentes und grünes Bild. Damit das funktioniert, brauchen wir noch die entsprechende Infrastruktur und Übertragungsgeschwindigkeiten.“ Dennoch muss irgendwann damit angefangen werden und der richtige Zeitpunkt für solche Unternehmungen ist genau jetzt!

Text: Marina Bernardi   

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