
Der Gobaihof in Hochgallzein im Bezirk Schwaz wurde 1862 erbaut und ist seitdem in Familienbesitz. In fünfter Generation bewohnt Stefanie Gartlacher den Hof und hat ihn vor ein paar Jahren mit viel Bedacht renoviert. Nun ist dieser Hof kein großer landwirtschaftlicher Betrieb – ganz im Gegenteil, es handelt sich hierbei mehr um ein einfaches Bauernhaus, hochgelegen und abgeschieden, mit traumhaftem Ausblick auf das Inntal und die gegenüberliegenden Berge. Ein Hof, der seit jeher in Frauenhand stand und immer noch steht. Frauen, die zeit ihres Lebens Menschen in Not geholfen und versorgt haben. So auch Stefanie Gartlacher, die aktuelle Besitzerin des Hofes. Sie arbeitet momentan beim Internationalen Roten Kreuz und beweist mit ihren Einsätzen unter anderem in Syrien, Gaza, Südsudan, Kongo und bis vor Kurzem als Leiterin des Büros in Charkiw in der Ukraine, was es heißt, Menschen in Not zu unterstützen. „Der Gobaihof ist mein Rückzugsort, mein Daheim“, antwortet sie auf die Frage, was der Hof für sie bedeutet. Umso mehr war der Eigentümerin wichtig, mit der Sanierung einen Ort zu schaffen, der viel Ruhe ausstrahlt. „Wenn ich mal nicht mehr in der Welt herumreise, möchte ich, dass ich die Welt zu mir nach Hause einladen kann“, erklärt sie zukünftige Pläne ihres Zuhauses.
Rückzugsort
Der Hof wurde nicht nur mit wundervollen, aus verschiedensten Kulturen stammenden Gegenständen stilvoll eingerichtet, sondern der Charme des alten Bauernhauses bei der Renovierung ebenso erhalten wie wichtige Dinge erneuert. Das Ergebnis ist ein Gebäude, in dem man sich sofort wohlfühlt, und auch das Haus selbst wirkt ausgeglichen, weil es vermeintliche Gegensätze miteinander verbindet.
Man steht in einem Haus, dessen Böden teilweise mehr als 160 Jahre alt sind. Sie sind wurmstichig und ihr Alter lässt sich deutlich erkennen. Gleichzeitig befindet man sich in einem Haus, das eine durchgehend 18 Zentimeter dicke Dämmung an der Fassade vorweisen kann. Verwendet wurde dafür Mineralwolle. Die Wärme liefert eine Luftwärmepumpe, während die Verteilung größtenteils mittels Fußbodenheizung geschieht. Nur in Räumen, in denen der alte Dielenboden erhalten werden konnte, sind Wandheizungen installiert. Die insgesamt sonnige Lage über dem Inntal eignet sich ideal zur Sonnenstromgewinnung und so sind auf dem Dach Photovoltaikmodule verbaut, die genügend Kilowattstunden produzieren, um den eigenen Bedarf abzudecken.
Gegensätze ziehen sich an
So zieht es sich durch beim Gobaihof. Ständig ist man auf der Hut, sich den Kopf nicht zu stoßen, da die Türen damals niedriger waren. Die Decken lassen sich leicht mit der ausgestreckten Hand berühren. Im 19. Jahrhundert wurde so gebaut und aus thermischer Sicht betrachtet gar nicht so blöd, weil eine geringere Raumhöhe einfacher zu beheizen ist. Für die Treppe, die Stefanie unbedingt behalten wollte, trifft das Prädikat „steil“ vermutlich am besten zu.
Im Gegensatz dazu steht die moderne Ausstattung des Hofes. Thermisch wurde der Hof nach aktuellem Stand saniert. So gut wie alles Wichtige wurde beachtet und daher nicht nur die Fenster erneuert, sondern in den originalen Laibungen und Größen wieder eingebaut. Das mag oft zufällig wirken, wo und in welcher Größe ein Fenster platziert ist, doch es trägt ungemein dazu bei, den Charme des Alten zu erhalten. Dasselbe gilt beim Kachelofen im Wohnzimmer. Die größte von außen wahrnehmbare Veränderung ist die Öffnung der Fassade nach Westen. Dadurch wird die Landschaft Teil des Wohnraums und öffnet den Blick ins Tal.
Insgesamt ist es bemerkenswert, dass der Gobaihof zu dem geworden ist, was er heute ist, denn in den 1990er-Jahren fand eine „Notsanierung“ statt. Das Gebäude war stark angegriffen, es wuchsen bereits Bäume und Büsche im Haus. Als Stefanie mit der Sanierung begann, war nur mehr das Natursteinmauerwerk im Original vorhanden. Auf eine Unterkellerung konnte die Eigentümerin verzichten, da die angebaute Tenne genügend Abstellfläche bietet. Für die Zukunft überlegt sie, die Tenne als Seminarräumlichkeit auszubauen.
Das Haus kennen lernen
Es verwundert wenig, dass bei Stefanie Gartlachers Beruf der Hof als Rückzugsort gebraucht wird, und dennoch braucht es viel Gespür, einen solchen auch tatsächlich zu schaffen. „Ich habe zwischen meinen Einsätzen zuerst einmal ein paar Monate in dem alten Haus gelebt, bevor ich mit der Renovierung angefangen habe“, erklärt sie. „Ich wollte das Haus verstehen und kennenlernen, bevor ich es verändere.“ Dadurch lernte sie auch den Charme des alten Hofes kennen und lieben und gleichzeitig die Vorteile des Neuen zu schätzen: „Die Dämmung war eine der allerbesten Entscheidungen. Davor wars schon kalt, feucht und zeitweise ungemütlich. Nun haben sich die Lebensqualität und das Wohngefühl drastisch verbessert.“
Der Gobaihof kann seine Geschichte also fortführen. Und nicht nur das, er kann neue erzählen – mit einer renovierten Bausubstanz, die auf Jahrzehnte den Erhalt des Hofes sichert. Die neue Technik sorgt dafür, dass der Hof ressourcenschonend und nachhaltig betrieben werden kann. Und mit einer Eigentümerin, die ganz wie ihre Vorfahrinnen den Hof in die Zukunft führt, weiter Leben einhaucht und das friedliche Gefühl des Hofes hinaus in die Welt trägt.
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Fotos: Energieagentur Tirol / punkt.agency

