
Die Energieeffizienz galt lange Zeit als maßgeblicher Faktor nachhaltigen Bauens, der dazu beigetragen hat, dass andere Faktoren vernachlässigt wurden. Angesichts des Klimawandels mit Rekordhitze ist der Begriff des klimagerechten Bauens zuletzt stärker in den Fokus geraten. Damit ist eine Doppelstrategie verbunden: einerseits der Klimaschutz, der durch größtmögliche Energieeffizienz erreicht werden soll, andererseits die Anpassung an ein sich veränderndes Klima. Mitigation und Adaption.
Bauphysik, Gebäudetechnik, Thermodynamik und erneuerbare Energien sind das tägliche Brot von Fabian Ochs. Als stellvertretender Koordinator des Arbeitsbereichs für Energieeffizientes Bauen an der Universität Innsbruck betrachtet er das klimagerechte Bauen aus zwei Perspektiven, die es gemeinsam zu betrachten gilt: „Da ist einmal die Perspektive der Menschen, die ein Gebäude bewohnen, und die Perspektive des Klimaschutzes.“ So weit, so nachvollziehbar. „Diese beiden Ziele können sich ergänzen, aber auch teilweise widersprechen. Mit hohem Wohnkomfort, Barrierefreiheit und anderen Faktoren ist ein gewisser Mehraufwand verbunden, der nicht unbedingt dem ressourcenschonenden Bauen entspricht, das man eigentlich für den Klimaschutz haben möchte.“ Es müssen also zwischen Komfort und Co. und Klimaschutz Kompromisse gemacht werden. There is no free lunch.
Interessanterweise zeigt sich der Wissenschaftler skeptisch, was den gegenwärtig propagierten Gebäudetyp E – das E steht für einfach, aber auch experimentell – betrifft, der Baustandards aus Kostengründen bewusst senkt und die Normenflut eindämmen will. Bauen soll dadurch einfacher und billiger werden. In Tirol engagiert sich vor allem Bauunternehmer Anton Rieder seit Jahren dafür, die Bauvorschriften zu hinterfragen und neue Wege zu gehen. „Man muss aufpassen, dass man da nicht in die falsche Richtung rennt“, meint Ochs, der sensible Schutzziele für die Bewohner*innen wie für das Klima in Frage gestellt sieht. „Spart man beispielsweise am Schallschutz, wird das dem Schlaf und der Erholung der Menschen nicht zuträglich sein – und auch der Volkswirtschaft schaden“, schlägt er den Bogen vom Individuellen zum großen Ganzen. „Wenn in diesem Gebäudetyp E Elektroheizungen eingebaut werden, wird man damit nicht kühlen können“, gibt er zu bedenken. Bauherren werden sich weiterhin gut überlegen müssen, wo sie im Dreieck Komfort, Klima und Kosten zu liegen kommen möchten. Einen Königsweg gibt es nicht. Bauen müsse immer langfristig gedacht werden, heute neu Gebautes „mindestens 50, besser noch 100 Jahre halten und über den Lebenszyklus hinweg wenig Energie brauchen und dabei auch unter zukünftig zu erwartenden klimatischen Voraussetzungen komfortable Bedingungen gewährleisten“. Klingt am Papier zunächst einfach, ist aber in der Umsetzung nicht trivial. Wer beim Bauen am falschen Ende spare, verschiebe dadurch die Probleme nur in die Zukunft. „Das Ziel, kostengünstig zu bauen, ist notwendig und sinnvoll, aber man darf dabei die Schutzziele nicht verletzen“, resümiert Ochs.
Wer noch kein Grau gedacht hat …
Bei modernen, besonders effizienten Neubauten entsteht der Großteil der Emissionen nicht mehr während der jahrzehntelangen Nutzung, sondern beim Bau selbst. Deshalb darf behauptet werden, dass die radikalste Form des klimagerechten Bauens das Sanieren ist. „Sanierung ist fast immer besser als Abriss und Neubau“, weiß auch Ochs. Es gibt natürlich Ausnahmen, wenn die Sanierung etwa deutlich teurer kommt als ein Ersatzneubau oder die Grundrisse partout nicht mehr an neue Anforderungen adaptiert werden können. „Es ist natürlich ressourcenschonender, die Gebäudesubstanz zu erhalten. Jede Sanierung spart eine zusätzliche Ressource ein“, so Ochs. Die sogenannte „Graue Energie“ muss in der ehrlichen Bilanzierung berücksichtigt werden. Ohne Graue Energie ist die Energiebilanz eines Gebäudes bloß graue Theorie.
Graue Energie ist so etwas wie der „Elephant in the Room“ und der blinde Fleck der Klimapolitik im Bausektor. Beim Dämmen und Heizen wurde der Verbrauch über Jahrzehnte mit allen erdenklichen Mitteln minimiert, während man die Emissionen, die bereits am Tag des Einzugs in den eigenen oder gemieteten vier Wänden stecken, weitgehend ignoriert hat. Einen wesentlichen Anteil daran hat ein Baustoff, so grau wie die Energie und wie der Elefant im Raum: Beton. Der ökologische Fußabdruck ist global betrachtet enorm, allein die Zementproduktion ist für rund zehn Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich. Pro Kubikmeter sind im herkömmlichen Stahlbeton durchschnittlich 1.110 Kilowattstunden Graue Energie gebunden, im Ziegel etwa die Hälfte davon. Holz, so möchte man annehmen, muss doch diesbezüglich sehr viel besser performen. Diese Annahme trifft tatsächlich für Massivholz zu, das nur mit rund 300 Kilowattstunden gut abschneidet. Beim Brettschichtholz sieht es dagegen anders aus. Es liegt als energieintensiv technisch getrocknetes, hochtechnologisches Industrieprodukt gleichauf mit Beton. Man muss aber differenzieren: Während im Zementwerk überwiegend fossile Brennstoffe zum Einsatz kommen, erfolgt die Trocknung in modernen Säge- und Leimholzwerken vorrangig mit eigener Biomasse. Damit stammt die Graue Energie aus erneuerbaren, klimaneutralen Quellen und der CO2-Fußabdruck ist weit besser als beim Beton. Übrigens gibt es auch so etwas wie „sauberen“ und „schmutzigen“ Beton. Um einschätzen zu können, womit man baut, gibt es sogenannte Umwelt-Produktdeklarationen (EPDs), die im Netz abrufbar sind (www.bau-epd.at/epd/liste). Zum Vergleich wird als Kennzahl das sogenannte Globale Erwärmungspotenzial (GWP) herangezogen. Früher war Beton ein grauer Baustoff, bei dem Druckfestigkeit und Preis im Vordergrund standen. Heute ist Beton transparent.
Wer es genau wissen will, muss nicht länger im Dunkeln tappen, was die Energie- und Treibhausbilanz des Baustoffs der Wahl betrifft. Das Treibhauspotenzial von Baustoffen gehört schon heute in öffentlichen Ausschreibungen im Rahmen des Bestbieterprinzips zu den harten Zuschlagskriterien. In Tirol gibt es für „ökologisch vorteilhafte Baustoffe“ mit gutem GWP-Wert Punkte, der GWP ist im großvolumigen Wohnbau über den sogenannten Ökoindex 3 (OI3) sogar indirekt an die Förderhöhe gekoppelt. Der GWP ist also schon heute vom nerdigen Nischenthema der Bauphysiker zur harten Währung im Vergaberecht geworden. Wer sein CO2-Budget nicht kennt und optimiert, verliert automatisch an Wettbewerbsfähigkeit. Für den Endverbraucher – und das gemeinsame Ziel klimagerechtes Bauen – ist das letztlich eine gute Sache.
Wer im Bestand weiterbaut bzw. saniert, konserviert die bereits in der Vergangenheit investierte Graue Energie. Halbe Sachen sollte man aber gerade beim Sanieren nicht machen. Ein halbherziger Vollwärmeschutz, der heute gerade noch so die Vorgaben erreicht, ist nicht zukunftsfit, aber für einige Jahrzehnte gegeben. Schließlich wird die Fassade nicht alle paar Jahre erneuert. Klimagerecht sanieren heißt deshalb, heute den maximal zukunftsfähigen Standard umzusetzen. „Wenn man das Gebäude anfasst, sollte man es gleich richtig machen“, so Ochs.
Bestandsaufnahme
In Österreich gibt es allen öffentlichen Sanierungsoffensiven zum Trotz einen Sanierungsstau. Der Gebäudebestand wird nicht in dem Ausmaß saniert, wie es notwendig wäre, um bis 2040 den Gebäudesektor zu dekarbonisieren. Die Sanierungsrate von 1,6 Prozent pro Jahr müsste mindestens doppelt so hoch sein. Fabian Ochs sieht primär ein Finanzierungsthema. „Selbst wenn eine Sanierung höheren Komfort bietet und über den Lebenszyklus wirtschaftlich ist, muss zunächst die Finanzierung aufgestellt werden.“ Nicht nur Bauen ist teuer, auch die Sanierungskosten sind hoch. Außerdem sieht Ochs ein Eigentümer*innen-Mieter*innen-Dilemma. Wer zur Miete wohnt, hat kaum Anreiz, zu investieren, und ebensowenig jene, die vermieten, die entstandenen Sanierungskosten aber nur unzureichend überwälzen können. Komplex ist die Gemengelage vor allem dort, wo Mieter*innen und Eigentümer*innen nebeneinander wohnen und unterschiedliche Motivlagen vorliegen. „Da wird es nicht nur finanziell, sondern auch organisatorisch schwierig.“
Fabian Ochs plädiert außerdem dafür, den Gebäudebestand als integrierten Teil des Energiesystems zu betrachten. Dann bekommen betriebswirtschaftliche Sanierungsentscheidungen eine volkswirtschaftliche Dimension. An der Förderlandschaft allein will Ochs das zaghafte Sanierungsaufkommen nicht festmachen. „Förderungen können Sanierungen zwar etwas anschieben, die Entscheidung wird aber nicht allein von ihnen abhängen“, sagt er. Ochs bezweifelt also, dass höhere Förderungen automatisch zu mehr Sanierungen führen würden.
Immer schön cool bleiben
Bei sanierten Gebäuden – ebenso wie bei Neubauten – lag in einer alpinen Gegend wie Tirol der Fokus bisher auf der Heizung. Angesichts der stark steigenden Zahl an Hitzetagen wird das Kühlen zunehmend zur Grundanforderung. „Das sollte spätestens mit dem heurigen Sommer allen bewusst geworden sein“, meint Fabian Ochs.
Klimagerechtes Bauen heißt in diesem Zusammenhang, die sommerliche Überhitzung so weit wie möglich passiv abzufangen, bevor energiehungrige Klimaanlagen zum Einsatz kommen. Dazu gibt es baulich unterschiedliche Möglichkeiten: Einmal über die Speichermasse, bei der schwere Baustoffe wie Lehm und Beton die Aufgabe haben, die Tageshitze zu puffern und in den kühleren Nachtstunden langsam wieder abzugeben. Verschattung durch außenliegenden Sonnenschutz wird zum Pflichtprogramm, das bereits in der Planung und Architektur entsprechend mitgedacht werden sollte. Die Wärmewende, bei der Wärmepumpen zunehmend alte Öl- und Gasheizungen ersetzen, ist grundsätzlich nicht nur zum Heizen, sondern auch zum Kühlen geeignet. Daraus resultiert bei minimalem Energieeinsatz ein massiver Komfortgewinn. „Kühlen sollte bei der Installation eines Wärmepumpensystems immer mitgedacht werden“, meint Ochs, der seit vielen Jahren dafür wirbt, im mehrgeschossigen Wohnbau auf sogenannte 2+2-Leitersysteme zu setzen, die Heizung und Warmwasser voneinander trennen und damit – geeignete Abgabesysteme vorausgesetzt – Kühlung ermöglichen. In einzelnen Wohnprojekten etwa der Neuen Heimat Tirol wird das bereits umgesetzt.
Mit dem Klimawandel wird neben der Kühlung auch die Entfeuchtung zum Thema, das berücksichtigt werden sollte. Technisch ist das ohne weiteres möglich, aber mit Zusatzaufwand verbunden. Externe Split-Klimageräte sind in Österreich heiß umfehdet und wild umstritten. Sie werden als optischer Makel empfunden. „Das kann ich nachvollziehen, attraktiv sind sie ja nicht“, sagt Ochs. Auch die entstehende Lautstärke ist ein Thema. Raubt die sommerliche Hitze den Menschen den Schlaf, ist das unansehnliche Klimagerät aber noch das geringere Übel. „Energetisch sind die Anlagen unkritisch, weil ihr Einsatz mit der Produktion der Photovoltaikanlagen zusammenfällt“, so der Forscher. Bei großer Hitze scheint in der Regel die Sonne. „Trotzdem sollten die aktiven Kühllasten möglichst gering gehalten werden“, sagt Ochs.
Fazit: Zunächst alle passiven Kühlmöglichkeiten ausschöpfen und erst dann ein Klimagerät an der Fassade anbringen. Die medial vor allem im Sommerloch allgegenwärtigen Tipps zum richtigen Lüften bleiben den geneigten Leser*innen hier erspart.
Über den Dachrand blicken ...
Architektur darf sich zukünftig noch weniger als bislang als insulare Beschäftigung mit Gebäuden verstehen. Ein Gebäude endet nicht an seiner Außenwand. Um den gerade in urbanen Räumen hochbelasteten Hitzeinseln wirksam zu begegnen, muss die Architektur mit der Landschaftsplanung verschmelzen. Zugleich muss sie grüner werden und Entsiegelung, begrünte Dächer und Fassaden vorantreiben. Stadtgrün kühlt durch die Verdunstungsleistung der Pflanzen massiv und wirkt zudem wie ein Schwamm, der bei zunehmenden Extremniederschlägen Wasser aufnimmt und diese Feuchtigkeit in Hitzeperioden zeitverzögert wieder abgibt.
Volle Flexibilität statt leerer Quadratmeter
Technologie, kluge Planung und Sanierung sind schön und gut und wichtig. Aber das ist bei weitem nicht alles. Hier beginnt eine unbequeme Wahrheit, die eigentlich mit zwei Fragen anfängt: Wie wollen wir leben? Und: Wie viel Raum brauchen wir tatsächlich?
Unsere Gebäude werden effizienter, doch werden die daraus resultierenden Energieeinsparungen dadurch wieder aufgefressen, dass wir immer mehr Platz brauchen. Das liegt nicht etwa an einer Gigantomanie beim Bauen, die sich kostenseitig gar nicht darstellen ließe und mit „leistbarem Wohnen“ nichts zu tun hat, sondern an einer geänderten gesellschaftlichen Struktur: Single-Haushalte nehmen zu und beanspruchen im Schnitt mehr als 70 Quadratmeter Wohnfläche. Dazu kommt gerade in den ländlichen Gegenden Tirols der „Empty-Nest“-Effekt. Es gibt dort einen massiven Überhang an Wohnfläche in Bestandsgebäuden. Die Kinder ziehen aus, die Eltern bleiben in Häusern zurück, die eigentlich viel zu groß für sie sind. Hier liegt ein riesiges, oft brachliegendes Potenzial für klimaschonende Nachverdichtung im Rahmen von Umbauten, bei denen zu groß gewordene Wohneinheiten aufgeteilt werden.
Im Neubau sieht die Sache etwas anders aus: Hier erzwingt gewissermaßen der Markt mit seinen hohen Grundstückspreisen und Baukosten schrumpfende Wohnungen. Klimagerechtigkeit bedeutet hier clevere Grundrisse statt leerer Quadratmeter. Die energieeffizienteste Heizung ist niemals gratis, aber jedenfalls umsonst, wenn damit ungenutzter Raum geheizt wird. Klimagerechte Architektur braucht intelligente und flexible Grundrisse. Wohnungen sollten sich an wandelnde Bedürfnisse in unterschiedlichen Lebensphasen anpassen lassen, um den Flächenverbrauch zu optimieren.
Einfach smart
Der Innovationsdiskurs beim Bauen kreist abseits von Fachzirkeln tendenziell um den Neubau und weniger um die Sanierung. Technologisch gibt es dafür allerdings keinen Grund, denn auch in der Sanierung steckt viel aktuelles Know-how. Niemand muss auf bahnbrechende Innovation warten, um mit der Sanierung zu beginnen. Die Gesetze der Physik wurden vor langer Zeit formuliert und auch die Thermodynamik ist kein neues Phänomen. „Die Technologien sind seit Jahren verfügbar. Niemand muss auf eine neue Super-Wärmepumpe oder Ähnliches warten“, sagt Ochs, der vor allem bei den Sanierungsprozessen noch einiges an Optimierungs- und Innovationspotenzial ortet. Dabei könnte es auch hilfreich sein, mit Standardisierung und Modularisierung Skaleneffekte zu nutzen und sich vom Klein-Klein zu verabschieden. Ochs nennt exemplarisch das aus den Niederlanden stammende Energiesprong-Konzept, das auf industrielle Vorfertigung von Fassaden- und Dachelementen und den Einsatz von regenerativen Energien setzt. „Das würde Kosten sparen und den Fachkräftemangel in der Bauwirtschaft entschärfen“, sagt Ochs, gibt aber zu bedenken, dass der Gebäudebestand so unterschiedlich ist, dass ein One-size-fits-all-Ansatz scheitern muss. „Selbst in baugleichen Gebäuden gibt es individuelle Bedürfnisse.“ Der Wissenschaftler ist prinzipiell für umfassende Gebäudeautomation, wie es sie in sogenannten Smart Buildings gibt. Allerdings nur, wenn die Voraussetzungen stimmen. „Unsanierte Altbauten smart zu machen ist nicht sinnvoll, weil die Energieeffizienz nicht gegeben ist.“ Smarte Gebäude sind ein Werkzeug des klimagerechten Bauens, aber kein Ersatz für andere Maßnahmen wie die Sanierung.
Apropos Smartness: Komplexität in der Benutzung und Bedienung ist kein Qualitätsmerkmal. Wirklich smart ist ein Gebäude, dem man das nicht anmerkt, weil es intuitiv zu bedienen ist. „Die Systeme dahinter mögen zunehmend komplexer werden, der Betrieb darf deswegen aber nicht komplexer werden“, sagt Ochs. Immerhin dürfte der Bau noch von der grassierenden Enshittification, die vom Internet längst auf alte Industrien wie die Automobilindustrie übergegriffen hat und mittlerweile auch Weißware betrifft, verschont geblieben sein. Gebäude, die nur noch über Bildschirme zu bedienen sind, sind kein Fortschritt. „Smart ist das, worum man sich nicht laufend kümmern muss“, sagt Ochs. Es ist wie im echten Leben: Wer dauernd seine Intelligenz zur Schau stellt, könnte in Wirklichkeit auch dumm sein. Technik sollte im Gebäudebereich ebensowenig zum Selbstzweck werden wie Schlichtheit.
Klimagerechtes Bauen ist am Ende mehr als ein technologischer Kraftakt oder eine bauphysikalische Rechenaufgabe. Es verlangt einen ehrlichen Umgang mit unseren Ressourcen, vom verbauten Beton bis zum ungenutzten Quadratmeter. Wer zukunftsfähig bauen oder sanieren will, muss den Elefanten im Raum benennen, sich von schnellen Abrissreflexen verabschieden und Technik als unaufdringlichen Helfer begreifen. Den perfekten, simplen Königsweg aus Klima, Komfort und Kosten wird es nicht geben, es bleibt ein ständiger Drahtseilakt. Wer klimagerecht bauen möchte, sollte das im Bewusstsein tun, dass auch auf dem Fundament eines Kompromisses Gutes entstehen kann, das überdauert.
Text: Marian Kröll
Grafik: Temperaturveränderung in Innsbruck von 1777 bis 2025 /www.showyourstripes.info, University of Reading

