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Wirtschaft

5G – New Radio für Mensch und Maschine

11.2.2022

Mit 5G wird in Tirol wie in ganz Österreich derzeit die fünfte Mobilfunkgeneration ausgerollt.

5G ist gekommen, um zu bleiben. Und um in der Wirtschaft und Gesellschaft umzurühren. Wie weitreichend die Veränderungen sein werden, lässt sich heute erst erahnen. Grundsätzlich ist der neue Mobilfunkstandard, genau genommen als 5G New Radio bezeichnet, auf drei unterschiedliche Anwendungsszenarien hin zugeschnitten: Enhanced Mobile Broadband (eMBB) zielt darauf ab, Mobilgeräte mit möglichst hohen Datenraten zu versorgen, Massive Machine Type Communication (mMTC) ist für das Internet der Dinge relevant und nicht zuletzt Ultra reliable low latency communications (uRLLC), das zuverlässige Verbindungen mit geringer Latenz ermöglichen soll, eine Vorbedingung für das autonome Fahren oder die Industrieautomation.

Was von der fünften Mobilfunkgeneration zu erwarten ist, haben wir mit Dr. Klaus M. Steinmaurer, Geschäftsführer der RTR­GmbH für den Fachbereich Telekommunikation und Post – gebräuchlicher ist die Funktionsbezeichnung „Telekom-Regulator“ – eingehend besprochen.  

ECO.NOVA: Der Umstieg auf die fünfte Mobilfunkgeneration wird eher als Paradigmenwechsel denn als bloße Weiterentwicklung begriffen. Stimmen Sie diesem Befund zu? 

KLAUS M. STEINMAURER: 5G ist nicht nur die nächste Mobilfunkgeneration nach 4G. 5G wurde entwickelt, um den Mobilitätserfordernissen im Bereich Machine­to­Machine, Netzsteuerung, Automatisierung und Digitalisierung gerecht zu werden. Für das, was wir als User bisher gewohnt sind, mobil zu machen – im Internet surfen, WhatsApp verschicken, Video streamen –, braucht es 5G nicht. Die Technologie wird für sicherheitsrelevante Themen gebraucht, wie etwa Automotive, Industriemaschinensteuerung oder Verkehrsmanagement. 

Hat das in erster Linie mit der geringeren Latenz, also Verzögerung, dem höheren Datendurchsatz oder mit beidem zu tun? 

Früher hat es ein einziges Netz – sei es 3G oder 4G – gegeben. 5G bietet die Möglichkeit zur Netzvirtualisierung. Dadurch lassen sich verschiedene Slices für unterschiedliche Anwendungen zur Verfügung stellen. Für manche Dienste braucht es hohe Bandbreiten, die Latenz ist dagegen relativ, für andere wiederum ist hohe Bandbreite bei hoher Latenz gefordert. Ersteres gilt eher für den Consumer­ bzw. Entertainment­Bereich wie etwa das Streaming eines Films, Letzteres zum Beispiel für Anwendungen im medizinischen Bereich. Da hätten Sie keine große Freude, wenn das computergesteuerte Skalpell mit Verzögerung reagiert. Dann gibt es noch Anwendungen, die keine hohe Bandbreite brauchen, aber eine sehr hohe Latenz. Dazu gehören insbesondere Steuerungen und Automotive­Anwendungen. Die Information, dass eine Ampel auf Rot schaltet, verursacht kaum Daten, sollte aber binnen Millisekunden beim Fahrzeug ankommen. Für all diese unterschiedlichen Anwendungen kann man bei 5G eigene Netzwerkslices festlegen. 

Folglich ist eigentlich dieses Slicing die große Neuerung im Vergleich mit älteren Mobilfunkstandards? 

Ja. Innerhalb dieser Teilsysteme kann man jeweils eigene Sicherheitskomponenten festlegen. In die Verkehrssteuerung funkt niemand mit seinem Streaming dazwischen. Mobilfunk ist ja, wie wir wissen, ein Shared Medium (mehrere User teilen sich die zur Verfügung stehende Bandbreite), die Netzvirtualisierung erlaubt es aber, die Kapazität genau abgestimmt auf die jeweiligen Anforderungen zu reservieren. 

Inwiefern ist 5G Grundvoraussetzung für viele nähere Zukunftstechnologien? 

Lassen Sie mich darauf philosophisch antworten: Unser Leben ist, was die Endgeräte betrifft, mobil. Dahinter kann eine Festnetz­ oder eine Mobilfunktechnologie stecken. Ihr Auto ist mit dem Hersteller verbunden und übermittelt verschiedene Daten an diesen. 5G schafft die Möglichkeit, dass sich Geräte unter diesem weltweit einheitlichen Standard miteinander vernetzen können. Das ermöglicht erst das Thema IoT, das Internet of Things. Es gibt zwar andere Technologien, 5G wird sich aber vermutlich als Standard etablieren. 

Als Laie könnte man nun versucht sein, anzunehmen, dass man sich durch 5G einen Breitbandausbau mit Glasfaser sparen könnte. 

Das ist ein völliger Irrtum. Der kürzeste Weg ist der von der Antenne zum Device, die Luftschnittstelle. 95 Prozent der Übertragungen im Mobilnetz erfolgen über das Festnetz. Um im ländlichen Raum die besonders für Automotive gebrauchten kurzen Latenzen zur Verfügung stellen zu können, braucht es ein relativ engmaschiges Netz. Damit 5G entsprechend funktionieren kann, muss mindestens alle zehn Kilometer eine Anbindung an das Glasfasernetz erfolgen. Glasfaser ist die einzige Technologie, die den Anforderungen von 5G gerecht wird. 

Was ist das „Endgame“ im Netzausbau? Ist es realistisch, dass ganz Österreich mit 5G versorgt wird, oder wird sich das überwiegend in den Ballungsräumen abspielen? 

Bei allen Vorgänger­Frequenzversteigerungen, die wir durchgeführt haben, ging es immer darum, Population Coverage zu haben, das heißt, jene Wohngebiete abzudecken, in denen sich die Bevölkerung aufhält. Es gibt dann noch den Siedlungsraum und letztlich die Fläche. Mit „flächendeckender Versorgung“ haben die Betreiber bei den bisherigen Mobilfunkstandards die Versorgung des Wohngebiets gemeint. 

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